Werkstoffe 28.05.2004, 18:30 Uhr

Marmor, Stein und Eisen bricht, dieses Glas aber nicht

VDI nachrichten, Oberhausen, 28. 5. 04 -Glas wird heute gleichgesetzt mit Transparenz von Prestigebauten. Doch Glas kann viel mehr, meint ein Firmenchef aus Oberhausen. Viele Stärken des Materials seien bauwirtschaftlich längst noch nicht ausgereizt. Sein neues Verfahren biete effiziente Möglichkeiten zu ihrer Erschließung – nachfolgend ein Steckbrief.

Hans-Peter Böe ist sicher: „Glas bietet den besten Bautenschutz“, behauptet der Ingenieur und Geschäftsführer der Firma Betoglass Deutschland, Oberhausen: „Glas ist mehr als nur der obligatorische Glasturm im Objektbau. Hart, glatt, ohne Abnutzungserscheinungen, nicht brennbar, chemisch resistent, dampfdiffusionsdicht, elektrisch nicht leitend, schlecht wärmeleitend, ökologisch unbedenklich, rohstofflich unbegrenzt verfügbar und preiswert industriell herstellbar“, fasst er die Eigenschaften des Materials noch einmal auf.
Böes international patentiertes Verfahren ermöglicht das Aufbringen nahezu jeder Glasart auf planebene, gewölbte und geschwungene Untergründe. Auch Photovoltaik-Elemente und Glasstärken mit beliebigen Biegegraden können produziert werden. Dies prädestiniert Glas als wirtschaftlichen Baustoff für die unterschiedlichsten Anwendungen, wie z.B. Schornstein- und Trinkwasserbehälterauskleidungen oder die Sanierungen von Industriebauten und Spannbetonbrücken. Nun entdeckt zunehmend auch die Architektur das Potenzial für Neubau, Fassade und Interieur – auch im privaten Wohnungsbau.
Das von Peter Böe entwickelte Betoglass-Verfahren gibt es als Halbzeug und Fertigteil. Betoglass Halbzeuge bestehen aus Glas und einer werksintern aufgebrachten Schicht aus einem so genannten Polytransmitter. Dieser wirkt rissüberbrückend und gleicht wie ein Puffer Materialspannungen aus. Physikalisch ermöglicht der Polytransmitter die Verbindung unterschiedlicher Baustoffe. „Es gibt genauso viel Betoglass-Produkte wie es Glasarten gibt,“ erklärt Böe, „sie sind beliebig form- und einfärbbar in bis zu 20 000 Varianten.“ Die Abmessungen liegen zwischen 600 cm x 321 cm bis 60 cm x 60 cm der Preis pro Quadratmeter beträgt, je nach gewählter Glasart, von 50 € bis 120 €. Das Halbzeug für Wand und Boden wird auf der Baustelle wie Fliesenkeramik verarbeitet.
Fertigteile sind ein Verbund aus Glas, Polytransmitter und Betonelement. Montiert werden sie wie herkömmliche Betonfertigteile. Mögliche Anwendungen sind unter anderem Fertigteile im Hochbau als Sandwichelemente für Skelettbauten oder im Baukastensystem, im Rohrleitungsbau, Fertigteile mit und ohne Dämmung als Vorhangfassade, auf Schaumglas, als Vorhangfassade auf leichter Trägerplatte.
„Bei der Verbindung von Polytransmitter und Glas handelt es sich nicht um einen Klebeprozess,“ versichert Böe, „wenn man will, nimmt die Haftzugfestigkeit mit der Zeit sogar zu“. Vorschnell wird häufig sein Verfahren mit Fassadenverklebungen in einen Topf geworfen. Trotz hervorragender Messwerte hatte er bei den Prüfungskommissionen keinen leichten Stand. Rund zehn Jahre kämpfte er um die DIBT- Zulassungen für beide Applikationen. Auch wird Böe nicht müde, mit Architekten und Bauherren über die Verschiebung des Tau-Punktes zu diskutieren: „Betoglass-Fassaden müssen nicht hinterlüftet sein. Das bietet Stoff für hitzige Diskussionen, was zeigt, dass die Baubranche noch konservativer ist als ihr Ruf“, schmunzelt Böe.
Wegen der rissüberbrückenden Eigenschaften des Polytransmitters bietet das Halbzeug effiziente Möglichkeiten zur Sanierung rissiger Betonbauten. „Ich halte nichts von der üblichen Betonkosmetik,“ sagt Böe, „wo kein Sauerstoff und keine Feuchtigkeit drankommt, kann auch keine Korrosion entstehen. Für mich heißt das Thema Betonsanierung: Glasscheibe drauf und fertig“.
Nicht nur für Nassräume praktisch – schon allein optisch interessant ist der mögliche geringe Fugenanteil von weniger als einem Prozent. Durch die Verwendung von großflächigen Glaselementen entstehen großzügige Flächen ohne jegliche Hilfsbefestigungen wie Rahmen oder Schrauben. Im Innenausbau strukturieren sie den Raum und vergrößern ihn optisch. Diesen Effekt nutzen nicht nur Planer für die Gestaltung eindrucksvoller Eingangsbereiche. Betoglass gewinnt zunehmend Verbreitung auch im privaten Bausegment bei Badezimmer- und Küchensanierungen. Voll im Trend sind ebenso Kombinationen mit Glas, Naturstein und Putz-Wischtechniken. „Die wahre Stärke von Glas ist seine Resistenz gegen Säuren und Laugen“, erklärt Böe: „In der Abwassertechnik entstehen biogene Gase mit einem pH-Wert von 0,1-1. Dieses hoch aggressive Medium trägt Beton in Zentimeterdicke ab.“ Das Aufbringen von Glas stoppe diesen Prozess sofort und nachhaltig. In den Kanalsystemen sieht Böe ein immenses Marktpotenzial.C. RADWAN/wip

 

Ein Beitrag von:

  • Christiane Radwan

  • Wilma Preiss

    Redakteurin VDI nachrichten. Fachthemen: Hoch- und Tiefbau, Bautechnik.

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