Werkstoffe 09.09.2005, 18:40 Uhr

Kleverer Umgang mit Materialien erschließt Wettbewerbspotenzial  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 9. 9. 05 – Noch wird das Thema Materialien von Produktionsunternehmen eher stiefmütterlich behandelt. Dabei schätzen Experten das Potenzial für Effizienzsteigerungen dort deutlich höher ein als bei der Arbeitsproduktivität. Mit dem „Materialeffizienzpreis“ fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit nun derartige Aktivitäten in kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Während sich in Deutschland viele Unternehmen bereits mit der Produktionseffizienz beschäftigen, werden Potenziale der Werkstoffeffizienz dagegen bisher eher weniger beachtet. Dabei könnten durch gezielte Werkstoffauswahl sowohl Materialkosten gespart werden als auch Prozesse, Verschnitt, Konstruktion und Qualität verbessert werden.

Dr. Franz-G. Simon von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), macht dazu deutlich: „Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen nutzen die Möglichkeiten zur Steigerung der Materialeffizienz nur unzureichend.“ Große Konzerne mit eigenen Abteilungen für Forschung und Entwicklung (FuE) seien ihnen hier meist weit voraus.

Gründe für die Tatenlosigkeit sind oft vielschichtig. Der Werkstoffspezialist zählt auf: „Kundenpräferenzen für klassisches Design bzw. Materialauswahl, Informationsdefizite bezüglich Rentabilität und Einsetzbarkeit sowie Mangel an qualifiziertem Personal, insbesondere bei Ingenieuren.“ Als weitere Ursachen der Zurückhaltung nennt er fehlende Finanzmittel für notwendige Investitionen sowie fehlende Zusammenarbeit der kleinen und mittelständischen Unternehmen untereinander.

„Oberste Priorität für Produktionsverbesserungen haben bei ca. 45 % der Unternehmen organisatorische Maßnahmen, ca. 25 % bevorzugen personelle Maßnahmen“, so Simon. Nur bei 30 % hätten Investitionen und neue Techniken den höchsten Stellenwert, erklärt er mit dem Verweis auf die Erhebung „Innovationen in der Produktion“ vom Fraunhofer-ISI. Dennoch lohnt es sich für ihn, neben Form und Funktion auch unterschiedliche Werkstoffe in der Entwicklungsphase zu berücksichtigen. „Die klassischen Materialien sind in ihrem Leistungsvermögen meist schon ausgereizt. Mit neuen Materialien eröffnen sich vielfach ganz neue Möglichkeiten.“

Konkrete Beispiele liefert dafür der Deutsche Materialeffizienzpreis, bei dem „best practice“-Lösungen ausgezeichnet werden. So wurde im vergangenen Jahr im Schwerpunkt Logistik das Unternehmen Zelenka GmbH für eine Transportpalette ausgezeichnet, die durch die Verwendung von hochfesten Stählen leichter und billiger hergestellt werden konnte – trotz höherer spezifischer Materialkosten. Franz Simon weiß auch um die Bedeutung dieser Innovation für das Unternehmen: „Ein bereits an ein Unternehmen in Osteuropa verloren gegangener Auftrag konnte so zurückgewonnen werden.“ Allerdings habe sich in diesem Projekt auch gezeigt, wie schwierig es sein kann, verbesserte Materialien in der Produktion zu verwenden. „Hochfeste Stähle haben auch bei geringerem Gewicht bessere mechanische Eigenschaften. Jedoch erfordert das auch bessere Werkzeuge bei der Verarbeitung“, erklärt der Experte.

Weil immer neue Werkstoffe und auch Verfahren hinzukommen, verändert sich dabei zunehmen das Informationsverhalten. „Für metallische Werkstoffe kommen nach wie vor Tabellenwerke zum Einsatz. Computerdatenbanken werden aber immer wichtiger“, weiß Simon. So habe ein Bewerber für den Preis 2004 ein Programm entwickelt, mit dem Parameter von Kunststoffen online berechnet werden können.

Auf der Suche nach individuell geeigneten Materialien sei von Verbänden kaum Unterstützung zu erwarten. Simons Tipp lautet deshalb: „Es ist hilfreich, die Fachpresse für die eigene Branche zu verfolgen und so Neuigkeiten zu erfahren.“ Auch Kooperationen seien sehr hilfreich, würden aber von den kleinen und mittelständischen Unternehmen kaum genutzt. „Die Angst, dass Know-how abfließen könnte, ist eben doch sehr groß“, so Simon.

Wo genau die Verbesserungspotenziale liegen, hat eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums zusammen mit einem Konsortium aus Unternehmensberatern und Forschungsinstituten festgestellt. Danach gibt es neben den Möglichkeiten zur Senkung von Materialkosten weitere Ansatzpunkte. So können durch die Optimierung der Produktionsprozesse und Qualitätsverbesserungen Verschnitte sowie Ausschussteile reduziert werden. Gleichseitig ließen sich durch „Design-to-Cost“ Einsparungen in der Produktentwicklung erzielen. M. CIUPEK

Von M. Ciupek

Stellenangebote im Bereich Kunststofftechnik

motan holding gmbh-Firmenlogo
motan holding gmbh Senior Product Manager (m/w/d) Konstanz
Orafol Europe GmbH-Firmenlogo
Orafol Europe GmbH Projektingenieur (m/w/d) als befähigte Person im Explosionsschutzbereich Oranienburg
über MPS Personalberatung-Firmenlogo
über MPS Personalberatung Teamleiter Produktentwicklung (m/w/d) Wässrige Lacke / Beschichtungssysteme Großraum Stuttgart
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Hochschule Merseburg Professur Kunststoffverarbeitung (W 2) Merseburg
pinta acoustic GmbH-Firmenlogo
pinta acoustic GmbH Produktmanager (m/w/d) Maisach

Alle Kunststofftechnik Jobs

Top 5 Werkstoffe

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.