Preis des Deutschen Stahlbaus 28.12.2014, 06:55 Uhr

Jury würdigt Ingenieurleistungen im Stahlbau

Die 1,4 Kilometer lange Sundsvall Brücke in Schweden und die elegant geschwungene Überdachung der Autostadt in Wolfsburg verbindet eine besondere Auszeichnung: Beide Bauwerke wurden mit dem Ingenieurpreis des Deutschen Stahlbaues ausgezeichnet. Der Preis würdigt die Kreativität der Ingenieure.

Die Sundsvall Brücke in Schweden ist 1420 Meter lang, bis zu 33 Meter hoch und 23.000 Tonnen schwer. 

Die Sundsvall Brücke in Schweden ist 1420 Meter lang, bis zu 33 Meter hoch und 23.000 Tonnen schwer. 

Foto: Max Bögl Stahl- und Anlagenbau

Den Preis des Deutschen Stahlbaus gibt es bereits seit 1972, aber erst seit wenigen Jahren steht neben den Architekten eine weitere Berufsgruppe im Scheinwerferlicht der Kreativität: die Ingenieure. Dass deren Leistungen genauso wichtig sind, wenn es um herausragende Lösungen im modernen Stahlbau geht, will das bauforumstahl würdigen und hat deshalb einen eigenen Ingenieurpreis ausgelobt.

Bau der Sundsvall Brücke gilt als logistische Meisterleistung

Zum zweiten Mal hat eine Jury jetzt diesen Preis für Ingenieure vergeben und wird ihn am 20. Januar 2015 anlässlich der Messe BAU in München überreichen. Insgesamt 36 Einreichungen zum Wettbewerb waren eingegangen, davon kamen 23 aus der Kategorie Hochbau und 13 aus dem Brückenbau. Im Hochbau ging der Preis an Mike Schlaich für eine elegant geschwungene Überdachung vor dem Kundencenter der Autostadt in Wolfsburg. In der Kategorie Brückenbau gewann Stephan Lüttger die Auszeichnung – und zwar nicht für den Entwurf, sondern ausdrücklich für Fertigung und Montage.

Beeindruckt war die Jury auch vom Logistikkonzept bei der Montage der Sundsvall Brücke: Es war so ausgefeilt, dass ein kompletter Brückenabschnitt von bis zu 38 Metern Breite, 6,5 Metern Höhe und einer Länge von 24 Metern pro Woche gefertigt und ausgeliefert werden konnte.

Beeindruckt war die Jury auch vom Logistikkonzept bei der Montage der Sundsvall Brücke: Es war so ausgefeilt, dass ein kompletter Brückenabschnitt von bis zu 38 Metern Breite, 6,5 Metern Höhe und einer Länge von 24 Metern pro Woche gefertigt und ausgeliefert werden konnte.

Quelle: Max Bögl Stahl- und Anlagenbau

Die Stahlbrücke, die den Bottnischen Meerbusen bei Sundsvall nahe am geografischen Mittelpunkt Schwedens überspannt, hat die Jury ebenfalls überzeugt: 1420 Meter lang, bis zu 33 Meter hoch, 23.000 Tonnen schwer und mit Stützweiten zwischen 88 und 170 Metern. Die Stahlbau-Jury war aber insbesondere vom Fertigungs-, Montage- und Logistikkonzept angetan, das „in seiner Größenordnung auch für den modernen deutschen Stahlbau ein Meilenstein ist“. Schließlich galt es, in einem engen Terminplan den hohen technischen Anforderungen gerecht zu werden.

Ein kompletter Brückenabschnitt pro Woche ausgeliefert

Die moderne Werksfertigung, lobte die Jury, sei so optimiert und automatisiert worden, dass ein kompletter Brückenabschnitt von bis zu 38 Metern Breite, 6,5 Metern Höhe und einer Länge von 24 Meter pro Woche gefertigt und ausgeliefert werden konnte. Außerdem musste die Logistikkette zwischen den einzelnen Produktionsorten sowie den Binnen-, Küstenmotorschiffen und Hochseepontons funktionieren. Und schließlich stand eine technisch hoch anspruchsvolle Hubmontage über dem Meer mit ständig wechselnden statischen Systemen an. „Die Sundsvall Brücke ist ein gutes Beispiel dafür, dass der deutsche Stahlbau auch für den internationalen Wettbewerb mit Übersee sehr gut gerüstet ist“, so die Jury.

In der Kategorie Hochbau ging der Preis an Mike Schlaich für die elegant geschwungene Überdachung vor dem Kundencenter der Autostadt in Wolfsburg. 

In der Kategorie Hochbau ging der Preis an Mike Schlaich für die elegant geschwungene Überdachung vor dem Kundencenter der Autostadt in Wolfsburg. 

Quelle: schlaich bergermann und partner

Auch vom neuen Autodach in der Autostadt in Wolfsburg zeigte sich die Jury begeistert. Das Dach füge sich wie eine Willkommensgeste harmonisch in die Umgebung ein und wirke wie ein Blatt in der Landschaft. „Es ist ein membranbespanntes Seilnetzdach entstanden, das mit geringem Materialaufwand und in nachhaltiger Ausbildung eine Fläche von rund 1600 Quadratmeter überspannt, und dank der guten und effizienten Zusammenarbeit zwischen Bauherr, Architekten und Ingenieuren Planung und Bau in nur 15 Monaten erlaubte.“

Minimalistisch, materialsparend und leicht zu recyceln

Außerdem gefiel der Jury, dass die Verwendung von Stahl durch sein ressourcenschonendes Recycling und den geringen Materialverbrauch einen Beitrag zum Klimaschutz leiste. „Alle Elemente des Tragwerkes sind sichtbar, nichts wird versteckt. Nutzungsabsicht und Entwurfsgedanke wurden konsequent umgesetzt und führten zu einem äußerst minimalistischen und materialsparendem Ingenieurbauwerk“, so die Jury. Zudem sei eine einfache Trennung der Materialien beim Rückbau möglich.

Das membranbespannte Seilnetzdach überspannt mit geringem Materialaufwand eine Fläche von rund 1600 Quadratmetern. Planung und Bau haben insgesamt nur 15 Monate gedauert. 

Das membranbespannte Seilnetzdach überspannt mit geringem Materialaufwand eine Fläche von rund 1600 Quadratmetern. Planung und Bau haben insgesamt nur 15 Monate gedauert. 

Quelle: schlaich bergermann und partner

Neben den beiden ersten Preisen vergab die Jury außerdem eine Reihe von Auszeichnungen. In der Kategorie Hochbau wurden die King Fahad Nationalbibliothek in Riad Saudi-Arabien, das Stadion Estádio Jornalista Mário Filho, das Turmbauwerk in Duisburg vom Landesarchiv Nordrhein-Westfalen und die CoSFB Betondübel als innovatives Verbundmittel für integrierte Deckenträger ausgezeichnet.

In der Kategorie Brückenbau erhielten die neugebaute Waschmühltalbrücke, die Fuß- und Radwegbrücke Hagelsbrunnenweg in Stuttgart, die Innkanalbrücke Töging und der Neubau der Osthafenbrücke in Frankfurt am Main jeweils eine Auszeichnung.

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