Ohne chemische Zusatzstoffe 02.10.2014, 11:58 Uhr

Italienische Forscher entwickeln günstige Methode zur Polyethylenherstellung

Völlig ohne Zusatz von Chemikalien kommt die neue Methode aus, die italienische Forscher zur Herstellung von Polyethylen entwickelt haben. Zukünftig soll sich der Kunststoff günstiger und umweltfreundlicher herstellen lassen. Begehrt ist er unter anderem in der Produktion von Pipelines und Prothesen. 

Forscher testen das Herstellungsverfahren in einer Pilotanlage. Sie soll sich zukünftig im industriellen Maßstab bauen lassen. 

Forscher testen das Herstellungsverfahren in einer Pilotanlage. Sie soll sich zukünftig im industriellen Maßstab bauen lassen. 

Foto: LENS

„Bei unserer Technik zum Einsatz kommen nur Druck und Photoaktivierung bei Raumtemperatur, ohne dass es weiterer chemischer Zusatzstoffe wie Lösungsmittel oder Katalysatoren bedarf“, erklärt  Matteo Ceppatelli. Der italienische Forscher führte die erforderlichen Tests in einer Pilotanlage durch, die speziell für diesen Zweck erbaut wurde. Das neue Verfahren sei umweltfreundlich und kostengünstiger als herkömmliche Herstellungsverfahren, erklärt das Istituto di Chimica dei Compositi Organo-Metallici.

Hochdichtes Polyethylen hält hohen Belastungen stand

Die Forscher sind überzeugt, dass der High-Density-Polyethylene-Reaktor auch in einem größeren Maßstab nachgebaut werden kann, um eine Massenproduktion zu starten. Das hochdichte Polyethylen – High-Density-Polyethylen – wird besonders gerne für den Bau von Pipelines oder für Prothesen eingesetzt, da es sehr starken Belastungen standhalten kann.

Bei Polyethylen handelt es sich um einen teilkristallinen und unpolaren Thermoplast. Die Wahl der Polymerisationsbedingungen entscheidet über die Art der Molmasse, Molmassenverteilung sowie Kettenlänge. Die Länge der Ketten und die Kristallinität sind entscheidend für die Widerstandsfähigkeit des Materials. Es zeigt auch hohe Beständigkeit gegenüber ätherischen Ölen, Aromastoffen und Chemikalien. Die erstaunliche Temperaturbeständigkeit von -85 Grad Celsius bis +90 Grad Celsius erlaubt ein riesiges Einsatzgebiet von der Einkaufstüte bis zur Pipeline.

52 Millionen Tonnen Polyethylen pro Jahr

Auch aus unserem Alltag ist Polyethylen kaum wegzudenken: Etwa 52 Millionen Tonnen werden jährlich weltweit produziert. Verwendet wird der Kunststoff in der Herstellung von Verpackungen und Folien, Mülltonnen, Spielwaren, Trinkwasserrohren und sogar Kleidungsstücken. Aufgrund der Geruchs- und Geschmacksneutralität wird der Kunststoff auch gerne in der Lebensmittelindustrie verwendet.

Jedoch ist Polyethylen biologisch nicht abbaubar. Daher wird es in Deponien verbrannt, wobei Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Wasser und Stickoxide entstehen. Polyethylen lässt sich jedoch auch hervorragend recyceln. Das recycelte Material wird erneut im Spritzguss oder für die Herstellung von Baufolien und gelben Säcken verwendet. 

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