Kunststoffe 22.10.2010, 19:49 Uhr

Im Kunststoffmarkt herrscht Hochbetrieb

Die deutsche Kunststoffindustrie – sie erwirtschaftet mit einem Umsatz von über 84 Mrd. € laut der Branchenvereinigung WVK etwa 6 % der heimischen Industrieproduktion – ist wieder auf erfolgreichem Wirtschaftskurs. Im Vorfeld der weltgrößten Messe für Kunststoff und Kautschuk prognostiziert ihr die IKB Deutsche Industriebank, Düsseldorf, in diesem Jahr deutlich zweistellige Wachstumsraten. Noch in 2011 könnten Kunststofferzeuger, -verarbeiter sowie Kunststoff- und Gummimaschinenbauer wieder ihr Vorkrisenniveau erreichen.

Nach dem starken Umsatzrückgang in 2009 sind die Wachstumsaussichten der deutschen Kunststoffindustrie zur am Mittwoch beginnenden Internationalen Messe für Kunststoff und Kautschuk K 2010 (27. Oktober bis 3. November in Düsseldorf) wieder positiv – segmentspezifisch jedoch unterschiedlich, wie Karoline Buchholz in ihrer IKB-Branchenanalyse feststellte.

Insgesamt sieht sie in 2010 dabei für die deutsche Kunststofferzeugung ein Umsatzwachstum von 26 %. Damit dürfte das Niveau von 2008, das bei fast 23 Mrd. € gelegen habe, aber noch knapp verfehlt werden. Ab 2011 werde das Wachstum deutlich abflachen, sodass die durchschnittliche Zuwachsrate in den Jahren 2011 bis 2014 bei jährlich knapp 3 % liegen dürfte.

In 2009 war der Umsatz vor allem preisinduziert noch um 23 % gefallen, denn die Kunststoffe hätten sich – als Folge des gefallenen Rohölpreises und der schwachen Nachfrage – deutlich verbilligt. Das zeigte sich besonders bei den wichtigsten Standardkunststoffen. Beispielsweise lag das durchschnittliche Preisniveau von Polyethylen (PE) im vergangenen Jahr um 28 % unter dem von 2008 und Polypropylen (PP) kostete 25 % weniger. Im laufendem Jahr rechnet die IKB jedoch mit stark zunehmenden Erzeugerpreisen.

Die Gummi- und Kunststoffverarbeitung, das umsatzstärkste Segment der deutschen Kunststoffindustrie, verzeichnete mit etwa 14 % vergleichsweise geringe Rückgänge. Dieses Marktsegment konnte dabei von der Streuung über mehrere Abnehmerbranchen profitieren. So war der größte Abnehmerbereich Verpackungsmittel aufgrund seiner Konsumnähe mit minus 10 % nicht so stark eingebrochen wie andere Teilbereiche.

Insgesamt zeichnet sich für 2010 eine deutliche Nachfrageerholung ab, sodass die IKB ein Umsatzwachstum von rund 13 % erwartet. Als Risiko für viele Verarbeiter zeigen sich nach Ansicht der Branchenanalystin erneut die gestiegenen Rohstoffkosten. In 2009 hätten die Verarbeiter noch eine Entlastung auf der Kostenseite verbuchen können.

Eine Weitergabe der steigenden Rohstoffkosten an die Kunden und ein striktes Kostenmanagement der Verarbeiter sei notwendig, um die Erträge stabil zu halten. In den nächsten fünf Jahren dürfte sich dann das durchschnittliche Wachstum in der Gummi- und Kunststoffverarbeitung bei einen Wert von jährlich etwa 3 % einpendeln.

Bei den Kunststoff- und Gummimaschinen waren deutsche Hersteller lange führend in der Weltproduktion. In 2009 wurde Deutschland jedoch von China als größtes Produktionsland verdrängt. Die Volksrepublik ist nun mit einem Weltmarktanteil von rund 24 % die neue Nr. 1.

Im Weltexport konnte Deutschland dagegen seine Führungsposition mit einem Anteil von 24 % noch halten. Dies dürfte nach Ansicht von Buchholz die nächsten Jahre auch der Fall sein, denn die beiden wichtigsten Wettbewerber Italien und China lägen mit einem Anteil von 11 % bzw. 9 % noch weit abgeschlagen hinter Deutschland. Allerdings seien auch hier die chinesischen Maschinenhersteller stark auf dem Vormarsch. Binnen der letzten fünf Jahre habe sich ihr Anteil am Weltexport verdreifacht. Sollten Chinas Exporte in den nächsten Jahren weiterhin in dieser Größenordnung wachsen, könnte die Volksrepublik Deutschland schon 2013 den Rang ablaufen und wäre dann weltweit auch der größte Exporteur.

Für den Gummi- und Kunststoffmaschinenbau rechnet die IKB in 2010 mit einem Umsatzwachstum von 11 %. Bereits im 1. Halbjahr habe sich eine deutliche Besserung bei den Aufträgen gezeigt, allerdings auf Basis eines niedrigen Niveaus. Auch für 2011 erwartet die Analystin noch eine Zuwachsrate im hohen einstelligen Prozentbereich.

Damit werde der Branchenumsatz der gesamten deutschen Kunststoffindustrie das Vorkrisenniveau in diesem Jahr wohl noch nicht erreichen. Frühestens im Jahr 2011, so schätzt die IKB-Analystin, wäre es aber wieder so weit. Langfristig sei es darüber hinaus für die deutschen Branchenunternehmen wichtig, ihren Ruf als Technologieführer zu verteidigen. Buchholz: „Die Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen den Kunststofferzeugern, Gummi- und Kunststoffverarbeitern, Abnehmern und Maschinenbauern wird deshalb weiter an Bedeutung gewinnen und ein wichtiger Wettbewerbsvorteil sein.“ JÜRGEN SIEBENLIST

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