Werkstoffe 10.09.1999, 17:22 Uhr

Heraeus pusht deutsches „Materials Valley“

Bereits 15 000 Materialtechnik-Arbeitsplätze in Hanau sind nicht genug. Die Stadt ist Standort hochentwickelter Wachstumsindustrien im Wirtschaftsraum Rhein-Main-Unterfranken. Hier kondensiert sich High-Tech vom Feinsten, wie am 30. August bei Heraeus in Hanau diskutiert.

Stolz verweist der Heraeus-Konzern darauf, daß er wesentlich dazu beigetragen hat, Hanau zum Zentrum eines heranwachsenden „Materials Valley“ zu machen. Schon heute, so Unternehmenssprecher Dr. Ralf Schrank, „sind bei uns allein in Hanau rund 4000 und in Hanau insgesamt 15 000 Menschen in der Materialtechnik beschäftigt.“ Nimmt man die nähere Umgebung hinzu, kommt man schon auf 30 000 Menschen in materialtechnisch orientierten Unternehmen, und im Rhein-Main und Unterfranken sind es 100 000.
Mit den „Materialabenden Main-Kinzig“, die demnächst etwas moderner „Material-Foren Rhein-Main“ getauft werden sollen, will Heraeus kräftig für weiteres Wachstum sorgen. Der Gedanke ist nicht neu: Schon 1948 gründeten einige Unternehmensleiter aus Hanau und Umgebung einen „Material-fachabend“, um durch Kommunikation und Wissenstransfer materialtechnische Impulse in die beteiligten Firmen hineinzutragen. Bereits damals wurden auf diesem Weg neue Arbeitsgebiete in der 90 000-Einwohner-Stadt östlich von Frankfurt erschlossen. Wie Jürgen Heraeus, Geschäftsführer der Heraeus Holding und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde (DGM) auf dem Materialfachabend vom 30. August hervorhob, ist eine Vielzahl solcher Unternehmen in Hanau und dem umgebenden Main-Kinzig-Kreis sowie darüber hinaus im gesamten Rhein-Main-Gebiet angesiedelt. Schwerpunkte dieser Industrie verteilen sich auf Wiesbaden, Mainz, Darmstadt, Frankfurt, Hanau und Aschaffenburg. Hier findet sich nach Jürgen Heraeus „eine unglaubliche Ansammlung erstklassiger Unternehmen, die auf dem Materialsektor in irgendeiner Art und Weise tätig sind und damit eine Weltposition haben.“
Diese „Cluster-Bildung“ wirkt als Magnet für die Ansiedlung weiterer Firmen mit gleichartiger Ausrichtung – ähnlich der Situation im kalifornischen Silicon-Valley oder in der New Yorker Internet-Road: „An diese forsche, prosperitätsfördernde Vorgehensweise der Amerikaner anlehnend, möchten wir den Rhein-Main-Raum zu einem Materials-Valley machen“, verkündet der Unternehmer Jürgen Heraeus. Auch in Deutschland gebe es solche Zentren: 95 % der einheimischen Schmuckindustrie ist in Pforzheim zuhause.
Der Begriff des „Materials Valley“ hat sich nach Auffassung des DGM-Vorsitzenden auf den gesamten Wirtschaftsraum Rhein-Main-Kinzig zu beziehen, wobei politische Abgrenzungen zwischen Verwaltungseinheiten ohne Bedeutung bleiben müssen, um die Attraktivität der Region für die materialtechnisch orientierte Industrie nicht zu gefährden. Die Materialfachabende für das Gebiet sollen als integrierendes Element dienen und auch die nicht wirtschaftlichen Institutionen wie Universitäten und Forschungsinstitute einbinden.
„Materialwissenschaften sind eine interdisziplinäre Fachrichtung, eine fachübergreifende Disziplin zwischen Chemie, Physik und Mathematik“, erläutert Dr. Wulf Brämer, Leiter der Dentalforschung bei Heraeus. Materialwissenschaften seien zwischen den klassischen Naturwissenschaften und den Ingenieurwissenschaften angesiedelt. Dabei liege der Schwerpunkt des theoretischen Unterbaus auf der praktischen Seite. Die Entwicklung neuer Materialien habe immer zum Ziel, physikalische und chemische Eigenschaften zu erkennen und diese in Form von Bauteilen, Geräten und Maschinen dem Menschen nutzbar zu machen.
Eine hochqualitative Ansammlung von materialwissenschaftlichem Forschungspotential bietet daher eine ideale Konstellation für neue Entwicklungen rund um das Institut für Materialwissenschaft der TU Darmstadt, dem Institut für Mikrotechnik in Mainz und dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung.
Diese sehr gute wissenschaftliche Grundlage soll sich noch durch Synergieeffekte verbessern: Wo die Industrie nahe ist, kann sich ein Lehrstuhl leichter etablieren. Diplomarbeiten, Dissertationen und Praktika sind einfacher zu vergeben, wo entsprechende Industrie vorhanden ist. Die Stadt Hanau plant ebenfalls wesentliche Beiträge zu dieser positiven Entwicklung: Mit einem Technologie-Gründerzentrum und einer Fachhochschule für Materialkunde wird die Kommune ihre führende Position in der materialkundlichen Hochtechnologie ausbauen und weltweit sichtbar machen.
„Die Stadt bekennt sich trotz der zunehmenden Bedeutung des Dienstleistungssektors zu ihrer Verantwortung als wichtiger Industriestandort“, zitierte Oberbürgermeisterin und Wirtschaftsdezernentin Margret Härtel am 30. August aus dem „Leitbild der Stadtentwicklung“. Darin wird auch die Forderung erhoben, den vielen kleinen und mittleren Produktionsbetrieben mit High-Tech-Standard mehr Aufmerksamkeit als bisher zu widmen, weil vor allem in diesem Bereich ein hohes Innovationspotential bestehe. Auch Heraeus hat einmal klein angefangen!
ULRICH SCHAMARI/KÄM
Berührungsloses Schmelzen von Quarzglas ohne Verunreinigung: Im 3-Schicht-Betrieb werden hier auf der Dreh-bank Prozeßrohre für die Halbleiterproduktion von der ringförmigen Knallgasflamme auf ca. 2000°C erhitzt und geformt. Die Halbleiterqualität HSQ 300 erfordert einen besonders reinen Werkstoff ohne Natrium und Bor.
Im „Materials Valley“ von Rhein/Main und Unterfranken massieren sich heute schon viele Firmen der hochentwickelten Werkstofftechnik. Die Hochschulen in Darmstadt, Hanau und Mainz sorgen für die ganze Bandbreite der Materialwissenschaften.

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