Nachhaltigkeit 02.07.2010, 19:47 Uhr

Expo-Kleider aus PET-Flaschen

Selbst auf den zweiten Blick lässt sich keine Spur von Altkleidern erkennen. Doch die apricotfarbenen Kostüme und Hosenanzüge, in denen sich das Personal des deutschen Pavillons auf der Weltausstellung Expo in Schanghai präsentiert, sind Recyclingware. Damit sind die 250 Mitarbeiter Teil des Gesamtkonzepts „Better City, Better Life“, in dem sich alles um Nachhaltigkeit dreht.

Hinter dem ausgefallenen Konzept steht das Erfurter Büro für Design und Produktentwicklung Novanex. Geschäftsführerin und Modedesignerin Alexandra Baum wählte gezielt umweltverträgliche Materialien aus, die sich für einen geschlossenen Kreislauf eignen. Fündig wurde sie in Japan. Hier stellt das Chemieunternehmen Teijin seine Polyesterproduktion seit 2002 auf Recycling um.

Getränkeflaschen und Bahntickets aus Polyethylenterephthalat (PET) und Altkleider aus hauseigenem Polyester werden eingeschmolzen, gereinigt und zu neuen Fasern gesponnen. „Aus 10 m alter Kunststofffaser entstehen bis zu 9 m neue Eco-Circle-Faser“, sagt Niko Heimann, Produktmanager für den Bereich Sport von Teijin Deutschland.

In Taiwan und China sitzen etliche Verwertungsbetriebe, die alte PET-Flaschen aus Europa in Rohware für Fleecepullis verwandeln. Der zweitgrößte deutsche Sortierbetrieb Tönsmeier in Halle/Saale gibt an, dass die gesamte PET-Fraktion diesen Weg nehme. Die Flaschen werden in Asien eingeschmolzen und zu einer leicht gelbstichigen PE-Faser für Wattierungen verarbeitet. In Europa bedient kein Recycler diesen wachsenden Markt.

Designerin Baum begründet ihre Wahl für Teijin so: „Die können zeigen, was möglich ist und kümmern sich auch darum, den Prozess weiter zu optimieren.“ Für die Kollektion liefere das japanische Unternehmen eine Faser mit hohem Anteil an recyceltem Polyester, berichtet sie. Reine Recyclingware sei damals noch nicht verfügbar gewesen.

Inzwischen besteht die Faser zu 100 % aus Altkunststoffen, betont Pressesprecher Rie Mashiba von Teijin in Tokio. Auf Erdölchemikalien wird demnach gänzlich verzichtet. Besonders stolz ist man auf die Umwelt- und Energiebilanz. Energieverbrauch und CO2-Ausstoß lägen um 80 % niedriger als bei neuwertigem Polyester, heißt es.

Diese Zahlen gelten freilich nur, wenn der gesamte Lebenszyklus, allenthalben die Gewinnung der erdölbasierten Chemikalien einbezogen wird. „Der Punkt ist der, dass man gar nicht erst nach dem Rohöl graben muss“, hob Heimann den Vorzug der Recyclingfaser hervor.

Aus Altkleidern neue zu machen, gelingt dennoch nur mit hohem Aufwand. Reißverschlüsse und Textilien, die nicht auf Polyester basieren, werden entfernt. Andere Stoffe wie Baumwolle oder Nylon dürfen nur zu 20 % enthalten sein. Polyurethan muss gänzlich entfernt werden, da es das Recycling stören würde.

Die vorsortierten Stoffreste werden mechanisch zerkleinert, dann mit Chemikalien gewaschen. Substanzen werden gefiltert und destilliert. „Sorry, mehr geben wir nicht preis“, wehrt Mashiba weitere Nachfragen ab, verrät aber noch, dass die abgetrennten Chemikalien als Sekundärbrennstoff für die Produktion von Zement verwendet werden können.

Michael Braungart kennt die Textilreyclingbranche wie seine Westentasche. Der Chemiker und Geschäftsführer des Hamburger Forschungs- und Beratungsinstituts EPEA unterstützt seit Jahren namhafte Unternehmen bei der Umstellung ihrer Produktion auf einen geschlossenen Kreislauf.

„Das ist immerhin ein ganz guter Anfang“, urteilt er über Teijins Prozess, „aber im Polyester sind etwa 2500 verschiedene Farben. Am Ende hat man ein wildes Gemisch von Farben, Weichmachern, Stabilisatoren, Klebstoffen, die nie fürs Recycling gemacht worden sind.“ Da bestünde immer die Gefahr, dass ein minderwertiges Downcycling herauskommt. Dafür könne Teijin nichts, die gesamte Verarbeitungskette müsse auf Recycling ausgerichtet sein.

Farbenhersteller wie die Firma Huntsman bieten bereits Farben an, die im geschlossenen Kreislauf geführt, gefahrlos verbrannt oder kompostiert werden können. Nach diesen Kriterien wählte das Hamburger Institut EPEA auch die weiße Farbe für die Shirts des Personals im Deutschen Pavillon aus.

In Balingen in Werk von Trigema wird Biobaumwolle entsprechend gefärbt. Das Shirt wird nach dem Tragen samt Knöpfen und Nähten vollständig zu CO2 und Wasser abgebaut. „Es entstehen keine giftigen Abbauprodukte“, versichert Braungart. Man könne das Textil bedenkenlos auf den Kompost werfen und in der Erde bedenkenlos Gemüse anbauen.

Braungart zufolge stellen derzeit immer mehr Hersteller ihre Kollektion auf einen Recyclingprozess um. Das österreichische Textilunternehmen Backhausen bot mit „Returnity“ 2009 erstmals einen Bezugsstoff für Polstermöbel an, der vollständig wiederverwertet wird.

Der US-Outdoorhersteller Patagonia wurde mit seinem Umweltengagement über die Landesgrenzen hinweg berühmt. Ausrangierte Kleidungsstücke können in den Filialen wieder abgegeben werden. Einige der Textilien bestehen aus Teijins Faser.

Der deutsche Bergsportspezialist Salewa in München will sein Sortiment ebenfalls konsequent ökologisch ausrichten. Schon jetzt gibt es Hemden, die zu 65 % aus der japanischen Recyclingpolyesterfaser gewebt sind. „Im Outdoorbereich ist die Nachfrage sehr hoch. Der Kunde ist hier näher an der Natur als in anderen Bereichen“, so Heimann. Die Nachfrage sei in Europa im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 20 % gestiegen. SUSANNE DONNER

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