Werkstoffe 19.09.2008, 19:37 Uhr

Erster Hersteller verlangt Energiezuschlag  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 19. 9. 08, Si – Aluminium, das von der Menge her nach Stahl meistgehandelte Metall, steckt tief im Strukturwandel. Die energieintensive Produktion von Primäraluminium wird immer stärker in Regionen mit günstigen Energiequellen verlagert. Zugleich gewinnt das Recycling vor allem in Industrieländern weiter an Bedeutung, denn es hilft beim Klimaschutz und senkt die Energiekosten.

Global ist die Nachfrage nach Aluminium in den vergangenen Jahren vor allem durch die dynamische industrielle Entwicklung in Asien stark angestiegen. Nach Angaben des Gesamtverbands der Aluminiumindustrie (GDA), Düsseldorf, wuchs 2006 dadurch die weltweite Produktion um 6 % auf rund 34 Mio. t. Fast 8 Mio. t davon stammten aus recycelten Aluminiumprodukten.

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Der Anteil des in Umschmelzhütten gewonnenen Sekundäraluminiums steigt vor allem in den Industrieländern, weil dort der meiste Schrott anfällt und das Umschmelzen nur einen Bruchteil der Energie erfordert. Damit lässt sich auch bei hohen Energiepreisen das vielseitige Leichtmetall noch wirtschaftlich erzeugen.

Die Produktion von Sekundäraluminium übersteigt in Deutschland die Primärproduktion. Nach Aussagen der Interseroh, Köln, erreichte 2006 die Recyclingaluminiumerzeugung 795 700 t, während die Produktion von Primäraluminium bei 515 500 t lag. Weil bei der Wiederverwertung laut dem Recyclingunternehmen nur etwa 5 % der Herstellungsenergie des Primärprozesses benötigt werden, hilft das dem Klimaschutz. Je produzierter Tonne Sekundäraluminium fielen dabei fast 10 t weniger Kohlendioxidemissionen an.

Laut dem deutschen Branchenmagazin Aluminiumpraxis tendieren die Preise bei Aluminium weiter fest. Bei Primär- und Sekundärhütten halten sich die höheren Kosten mit höheren Preisen am Markt die Waage. Außerdem wird ein großer Teil der Risiken durch Hedging an der London Metal Exchange (LME) abgesichert.

Notiert wird Aluminium an der LME seit 1978. Anfangs kämpften die großen amerikanischen Produzenten gegen diese Notierung, weil sie den von ihnen hoch gehaltenen Produzentenpreis absichern wollten. William Henry Krome George, seinerzeit Chef des damals weltgrößten Aluminiumkonzerns Alcoa, drohte, jeden Mitarbeiter zu entlassen, der es wagen sollte, das nach Stahl meistgehandelte Leichtmetall an der Börse zu handeln. Heute nutzen große Aluminiumkonzerne die LME besonders aktiv.

Durch die Übernahme von Alcan setzte sich Rio Tinto, Montreal, inzwischen an die Weltspitze, dicht gefolgt von dem russischen Aluminiumriesen Rusal, Moskau, der sich 2007 den Konkurrenten Sual einverleibte. Alcoa, Pittsburgh, rangiert nur noch auf Platz drei, die norwegische Hydro, Oslo, auf Platz vier. Bisher folgen knapp dahinter BHP Billiton, Melbourne, und die chinesische Chalco, Beijing.

Doch das kann sich schnell ändern: So steckt BHP Billiton im Übernahmekampf um Rio Tinto samt Alcoa. Chalco wächst zur Zeit schnell. Gleichzeitig arbeiten die Chinesen an einer Konsolidierung ihrer Hütten. Hydro ist am Aufbau neuer Werke in Nahost und Brasilien beteiligt. An Qatalum, der mit 5,6 Mrd. $ bewerteten Aluminiumhütte in Qatar, halten die Norweger aktuell 50 %. Laut Hydro-Chef Eivind Reiten ist die neue Hütte „voll im Budget und voll im Zeitplan“. In Deutschland investiert Hydro am Standort Neuss-Norf in ein großes Recyclingzentrum.

Trotz der gewaltigen Ausbauprogramme herrscht derzeit bei dem Leichtmetall eher Mangel als Überfluss. Deshalb leiden die nicht zu großen Konzernen gehörenden Verarbeiter gleich doppelt. Denn die Kosten für das Aluminium steigen ebenso wie die für Energie. In konjunkturell schwächeren Zeiten lässt sich die zusätzliche Belastung zudem nicht so einfach an die Kunden weitergeben.

Mit großem Interesse beobachtet die Branche deshalb den jüngsten Coup der Kaiser Aluminium, Portola Parkway, in den USA. Der Zulieferer für Airbus, Boeing, Bombardier Aerospace, Lockheed Martin und andere Flugzeugbauer, hat als weltweit Erster in der Branche seit Juli einen Energiezuschlag auf Aluminium eingeführt. Kaiser kann sich das bei einem Marktanteil von weltweit 15 % und steigendem Bedarf der Flugzeugbauer offenbar leisten.

Einer Untersuchung des Consultingunternehmens AeroStrategy zufolge hat Aluminium am Flugzeugrumpf derzeit einen durchschnittlichen Anteil von 56 %, weit vor Stahl mit 17 %, Verbundwerkstoffen mit 13 %, Titan mit 7 % und anderen Metallen mit 7 %. Der Titan-Anteil dürfte nach Einschätzung von AeroStrategy zu Lasten von Stahl stark wachsen. Aber auch Aluminium lege in der Luftfahrt weiter zu.

Laut Glyn Lawcock, Chefanalyst Rohstoffe bei der Schweizer Großbank UBS, haben die Aluminiumpreise gegenüber anderen Metallen noch Nachholbedarf. So dürfte das Beispiel Kaiser nach seiner Ansicht Schule machen. Auch Thomas Reuther, gleichzeitig im Vorstand der deutschen Aluminiumgruppe Trimet, Essen, und im Verband Deutscher Metallhändler (VDM), Berlin, glaubt, dass sich für Aluminiumverarbeiter der Energiezuschlag als interessante Idee erweisen könnte. Trimet, selbst Mitglied der Londoner Börse, orientiere sich aber eher an den LME-Preisen. Sorgen bereiten Reuther jedoch die politischen Hemmnisse in der deutschen Energieversorgung.

KATHARINA OTZEN/Si

Aluminiumschrott schont Ressourcen im der Produktion

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