Kunststoffe 24.10.2008, 19:38 Uhr

Elektrisches Spritzgießen reduziert Energiekosten

Mit einem Ausstellerrekord von 1705 Unternehmen zeigte die 19. Internationale Fachmesse für Kunststoffverarbeitung Fakuma vom 14. bis 18. Oktober in Friedrichshafen keine konjunkturelle Schwäche. Auf dem nach der Düsseldorfer „K“ größten Branchentreff in Deutschland stand effizientes Spritzgießen im Brennpunkt des Messeauftritts der Maschinenbauer. Denn die Kunststoffteileproduzenten in Europa drücken die gestiegenen Energiekosten.

Mit fast 42 000 Fachbesuchern hat die 19. Fakuma „möglichen Konjunkturschwächen getrotzt“, wie im Schlussbericht der internationalen Fachmesse für Kunststoffverarbeitung festgestellt wurde. Denn rund 2000 Fachbesucher mehr als 2006 kamen vom 14. bis 18. Oktober nach Friedrichshafen zu der auf inzwischen 81 000 m2 Ausstellungsfläche gewachsenen Messe.

Die Maschinenbauer unter den insgesamt 1705 Ausstellern hatten in diesem Jahr besonders das Thema Energieeffizienz hervorgehoben. Unter dem Motto „Spritzgießen für Energiesparer“ präsentierte beispielsweise KraussMaffei, München, in Friedrichshafen seine neue elektrische AX-Baureihe, die im Vergleich zu hydraulischen Maschinen eine um über 50 % höhere Energieeffizienz aufweist und damit die Betriebskosten für Standardanwendungen deutlich senken soll. Denn für Kunststoffverarbeiter wird vor allem der Energiebedarf ihrer Anlagen zu einem immer größeren Kostenfaktor.

Auf Basis eines zentralgeschmierten wartungsarmen Fünf-Punkt-Kniehebels für die Schließeinheit führt KraussMaffei die bewegliche Aufspannplatte dieser elektrischen Spritzgießmaschinenbaureihe im Schließkraftbereich von 500 kN bis 3500 kN über Präzisionswälzlagerführungen. Diese weisen laut den Unternehmensangaben eine um 80 % geringere Reibung im Vergleich zu Gleitführungen auf. Rückspeisefähige, wassergekühlte Umrichter gewinnen darüber hinaus Bremsenergie zurück und regeln Servomotoren mit hohem Wirkungsgrad.

Das Sparpotenzial elektrischer Spritzgießmaschinen erweiterte Ferromatic Milacron – der Hersteller aus dem badischen Malterdingen verkauft bereits jede zweite Maschine als vollelektrische Version – zur Fakuma mit der Elektra Selection 110, die auf der Messe auf einem 8-fach-Werkzeug von Kistler Insulin Caps mit 3,5 g Gewicht produzierte. Das in Deutschland gefertigte preisgünstige Sondermodell mit individuell anpassbarer Optionsliste wird in insgesamt neun Kombinationen ab 54 100 € angeboten und ist laut Ferromatic Milacron innerhalb von sechs bis acht Wochen lieferbar.

Im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit wird es für Kunststoffverarbeiter künftig immer wichtiger, eine konstant hohe Produktqualität zu gewährleisten sowie die Fertigung optimal auszulasten, hieß es bei Arburg aus Loßburg. Wie sich dieses Ziel mit einer zentralen Fertigungsplanung und -steuerung erreichen lässt, um damit letztendlich die Energieeffizienz der Produktion zu steigern, demonstrierte der Maschinenbauer auf der Messe mit dem Leitrechnersystem ALS, das den Zugriff auf alle zehn Fakuma-Exponate ermöglichte.

Vier davon waren mit dem Label „e2“ gekennzeichnet, mit dem der Maschinenbauer den Schwerpunkt „Energieeffizienz“ seines Messeauftritts unterstrich. Darunter eine elektrische Allrounder 570 A mit 2000 kN Schließkraft, die mit einer integrierten, adaptiven Heißkanalregelung sowie einem werkzeuggebundenen pneumatischen Nadelverschlusssystem ausgestattet war. In einer schnelllaufenden IML-Anwendung (In-Mould-Labeling) wurden jeweils sechs fertig etikettierte Joghurtbecher in einer Gesamtzykluszeit von 4 s gefertigt.

Optimiert auf Reinraumanwendungen zeigte Engel, Schwertberg (A), auf einer vollelektrischen E-Motion 200/55 die Herstellung von sterilen Impfstoffbehältern für die Medizin. Die Maschine verfügte über einen gekapselten Massezylinder zur Optimierung der Partikel- und Wärmelast. Si

Von Jürgen Siebenlist
Von Jürgen Siebenlist

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