Stahl 17.11.2006, 19:25 Uhr

Die Stahlindustrie bleibt zersplittert  

Aber die Stahlbranche hat Nachholbedarf im Konzentrationsgrad z. B. gegenüber der Aluminiumindustrie. Und dann fühlen sich die Stahlerzeuger noch eingeengt zwischen den Rohstoff-Giganten, etwa den Eisenerzminen, und den Großverbrauchern, den Automobilkonzernen. Die Konsolidierung der zersplitterten Stahlbranche wird weitergehen; ArcelorMittal war nur der Anfang. Was wird aus kleineren Marktteilnehmern wie ThyssenKrupp?

Die Stahlbranche erneuert sich im Fusionsfieber. Aber auch nach der jetzt anstehenden Übernahme der britisch-niederländischen Corus-Gruppe durch Tata Steel aus Indien werden die zehn Größten der Branche kaum Marktmacht dazugewinnen. Ihr Anteil von bisher 28 % der weltweiten Stahlerzeugung steigt nur auf 28,4 %, so Meps International, eine britische Gruppe von Stahlanalysten.

Die glänzend verdienende Tata- Gruppe möchte allerdings schnell weiterwachsen. In Indien will man nicht nur die Jahreskapazität des Werks Jamshedpur auf 10 Mio. t verdoppeln. Zugleich werden drei Stahlwerke auf der Grünen Wiese vorbereitet. Hinzu kommen noch Vorhaben in Bangladesch und im Iran. Bei den mit Corus erworbenen europäischen Werken denkt Tata nicht an Stilllegungen, sondern an Expansion, um den Marktanteil in Europa auszuweiten. Außerdem verspricht sich Topmanager B. Muthuraman viel von F&E bei Corus. 1000 Ingenieure haben Systeme entwickelt, die für den Aufbau der Infrastruktur in Indien attraktiv sind.

Durch Tata-Corus verändert sich laut Meps nur die Zahl der Übernahmekandidaten, nicht die Marktstruktur. Auch die neue Stahl-Studie der Crédit Suisse zeigt das. Das Wachstum der Branche (weltweit ohne China) befriedigt vordergründig, so die Bank: 3,8 % waren es in den vergangenen zwölf Monaten. Aber da China mehr und mehr Stahl auf die westlichen Märkte wirft, wachse die Marktversorgung dort im Jahresvergleich um 6 %. Der Stahlverbrauch steigt also viel langsamer als das Angebot. Obwohl ein Teil der Überschussmengen in die vor Jahresfrist noch weitgehend leeren Lager gehe, sei das kein echtes Ventil für Überschüsse.

ArcelorMittal hat in Nordamerika bereits reagiert und 2,5 Mio. t Kapazität eingemottet. Laut Crédit Suisse reicht das bei Weitem nicht, um Nachfrage und Angebot auszugleichen. Dazu müssten 13 Mio. t, wenn nicht 20 Mio. t Kapazität verschwinden.

In Nordamerika und Westeuropa gibt es laut Meps immer weniger kleine/mittlere Produzenten, die für Übernahmen „reif“ sind. Wenn ein deutscher Stahlkonzern infrage käme, könne dies nur Salzgitter sein. Die Zusage von Niedersachsen, vorerst die Salzgitter-Anteile nicht zu verkaufen, sei auf Dauer kaum haltbar, meint Meps. Wahrscheinlicher wäre Italiens Riva als Übernahmekandidat, zumal sie zu Nucor als Elektrostahlerzeuger besser passe als ThyssenKrupp mit integrierten Hüttenwerken.

Das größte Potenzial für Fusionen/Übernahmen sieht Meps in Asien: Japans Marktführer Nippon Steel und Südkoreas Posco dürften ihre Überkreuzbeteiligungen aufstocken, um sich gegen Übernahmen abzuschirmen. JFE, Nr. 2 in Japan, hat gerade mit Donkuk in Korea eine Allianz gebildet. Alle vier zielen auf China. Obwohl schon fünf der 20 weltgrößten Stahlkocher aus China stammen, ist dessen Industrie noch arg zersplittert. Meps nennt die jüngste Fusion zwischen Anshan und Benxi Steel ein Modell für weitere Verbindungen. Marktführer Baosteel dürfte mit staatlicher Zustimmung weiter zukaufen. Taiwans China Steel gelang es just, mit Wuhan, dem drittgrößten Produzenten, eine Allianz einzugehen. ThyssenKrupp hat über ein gemeinsames Werk für Edelstahl bei Baosteel einen Fuß in der Tür – aber Baosteel kauft selbst im Ausland zu.

Auf dem weltgrößten Rohstahlmarkt China bewegt sich also viel. Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Düsseldorf, weiß: „Vor allem in China, wo die Stahlindustrie besonders fragmentiert ist, wird es zu weiteren Zusammenschlüssen kommen.“ Aber das ist ein spezielles Problem aus der Staatsgeschichte.

Dass der Konsolidierungsprozess in 2006 weltweit an Fahrt aufgenommen hat, befriedigt Ameling, denn seine Branche sei im Vergleich zu anderen Schlüsselindustrien zu zersplittert. Ameling: „Die Anzahl der weltweiten Unternehmensbeteiligungen erhöhte sich in den letzten fünf Jahren um 75 %. Dennoch vereinen die weltweit fünf größten Stahlproduzenten nur 20 % der Weltrohstahlproduktion auf sich. Die Stahl-Rallye läuft also weiter – rund um die Welt. P. ODRICH/Käm

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