Stahl 21.07.2000, 17:26 Uhr

Die Expo 2000 gewinnt durch Stahl an Gesicht

20 000 t Stahl sind auf der Expo 2000 verbaut worden. Schon auf der ersten, 1851 in London, brillierte der Chrystal Palace durch sein Trag-werk aus Gusseisen. Beim Eiffelturm von 1889 wur-den 7000 t Puddeleisen verbaut, obwohl es schon Siemens-Martin-Stahl gab. Heute könnte man für dieses Gewicht 3 1/2 hochfeste Türme haben.

Besuchermangel auf der Expo hat auch sein Gutes. Man muss nicht Schlange stehen, um die Highlights zu begutachten. Doch abends müssen viele dennoch eine Stunde und mehr vor dem Eingang zum „Planet m“ von Bertelsmann ausharren (m wie Medien). Die Wartezeit lässt sich jedoch besonders vor diesem ovalen Stahlkonstrukt leicht überbrücken. Auch von außen erkennt man, dass es voller Ingenieur-Kunst steckt.
18 Stützen heben den Planeten, der in seiner größten Ausdehnung 46 m x 36 m misst, vom Boden ab. Der Besucher verschwindet, wenn er die Eingangstür hinter sich lässt, im größten Personenaufzug der Welt. Er wird (per Film) durch das All in die neue Bertelsmann-Medien-Welt entführt. Der flexible Fahrstuhlschacht faltet sich während der Fahrt wie eine Ziehharmonika zusammen. Ohne Stahl könnte man die 30 t schwere Plattform, auf der die Gäste stehen, nicht ohne Schwankungen „vom Boden des Planeten Erde“ nach oben zum „Planeten Medien“ gleiten lassen.
Was aber schon beim Vorbeigehen neugierig macht, ist der glänzende Edelstahlmantel aus Architektur- und Designgewebe, – eine Spezialität des Metallgewebehersteller GKD – Gebr. Kufferath aus Düren.
„Man braucht nur einmal zu versuchen, ein Ei mit einem Taschentuch völlig faltenlos einzuhüllen, um den Schwierigkeitsgrad dieser Fassaden-Aufgabe zu verstehen“, sagt Stephan Kufferath, Geschäftsführer von GKD in Düren. Das Unternehmen musste für diesen Auftrag sogar eine neuartige Produktionsmaschine entwickeln. Deshalb begann die Gewebe-Herstellung auch erst im November 1999.
Nächste Aufgabe für die Konstrukteure: Wie kommt das „Escale“ genannte Spiralgewebe an die Stahlträgerkonstruktion? Keiner der GKD-Monteure war dazu bereit, in der Luft – freischwebend – Stahlgewebe zu montieren. Bis GKD die Schweizer Spezialmonteure der Schätti AG entdeckte, alles Freeclimber aus Passion. Von Februar bis April 2000 wurde der Stahlmantel in Handarbeit angebracht. Das Gewebe brennt nicht, rostet nicht – und könnte damit fast eine Ewigkeit halten.
Nachhaltigkeit interpretiert hingegen die Wirtschaftsvereinigung Stahl mit ihrer auch finanziellen Beteiligung am Christus-Pavillon auf eine etwas andere Weise als Bertelsmann. Ihr Sakralbau wird von Anfang November an nicht einfach nur abgebaut und verschrottet. Die Kirchenkonstruktion wandert gleich nach der Expo in die thüringische Klosteranlage Volkenroda und soll dort – wahrscheinlich modifiziert – wieder errichtet werden. Denn die Kirche ist wie aus einem Baukastensystem per Sigma-Knoten (ein Patent der Rüter-Gruppe in Dortmund) zusammengesteckt – und lässt sich auch wieder auseinander nehmen. Der Sigma-Knoten (siehe Artikel unten) ist eine einfache Steckverbindung im Stahl- und Metallbau mit standardisierten Anschlusselementen.
Stahl, das scheint der ideale Werkstoff für die zukunftsorientierte Expo. So enthält der viel gelobte mit Lärchenholz verschalte ungarische Pavillon, der die Form einer aufbrechenden Knospe besitzt, im Inneren eine Konstruktion aus 280 t Stahl. Im finnischen Pavillon wurde bei den Brücken und bei den Wänden Stahl verbaut. Bei dem isländischen Pavillon, der von außen durch eine blaue Wasserfassade beeindruckt, wurden 200 t Stahl in einem Stahlskelett verbaut. Und selbst die aufeinander gelegten Holz-Paletten des Schweizer Pavillons werden durch kaum sichtbare dünne Stahldrähte vor dem Umstürzen bewahrt. D. WENDELN-MÜNCHOW/KÄM
Stahl ist Zukunft – Von der Weltausstellung 1851 bis zur Expo 2000. Hrsg. Rupr. Vondran. Klartext Verlag. 118 S., 82 Abb. , 29,80 DM. Geschichte der Weltausstellungen. Von Winfried Kretschmer. Campus Verlag. 303 Seiten. 170 Abb., 58 DM. Kostenlose Broschüren der Abt. Öffentlichkeitsarbeit des Stahl-Informations-Zentrums, Düsseldorf (Fax: 0211-6707-676): Architektur mit Stahl zur Weltausstellung Expo 2000, Doku. 554. 65 Seiten. Christus-Pavillon – Expo 2000. Nachhaltige Architektur in Stahl und Glas, 36 Seiten. Christus-Pavillon – Expo 2000. Architekten von Gerkan, Marg und Partner. 16 Seiten.
Dieter Ameling: „Nicht nur für die Expo, auch für die Industrie und den Verein Deutscher Eisenhütten-leu-te ist Stahl der Werkstoff mit Inno-vations-potential und gün-stigem Preis–Leistungs–Verhältnis.
Außen Aluminium, innen Stahl: Das Atomium der Brüsseler Weltausstellung von 1958.
Nicht ganz aus recyceltem deutschem Papier: Stahlseile stützen die Kon-struk-tion des japanische Pavillons auf der Expo 2000 und sorgen für die Krüm-mung des Daches. Die Hülle wird wieder recycelt – wie es bei Stahl Standard ist.
Die Rippen sind aus Holz, doch stählern ragt die Schwanzflosse in den Himmel sie besteht aus 48 t Stahl: Der 70 m lange Wal, der „Pavillon der Hoffnung“ ist ein Treffpunkt der Jugend am See im Expo-Park.
Tagsüber silbrig-grau, nachts bringt Halogenlicht den Planet m von Ber-telsmann zum Glühen. 360 000 km Edelstahl-Flachdraht verarbeitete GKD, Düren, zu einem 2400 m2 großen Gewebe.
Wie eine tropische Urwaldpflanze – mit hydraulischem Druck – bewegt eine Stahl-Konstruktion die 16 immerhin 18 m langen Blütenblätter des -Venezo-lanischen Expo-Pavillons am nordwestlichen Ende der Seilbahn. Wenn es Nacht wird und bei Regen schließt sich die 10 m hohe Blüte.
Die Struktur des Christus-Pavillons der Evange-li-schen und Katholischen Kirche auf der Expo-Plaza ist aus 1000 t Stahl zusammengefügt.
Zeichen der neuen Zeit, The Great Exhibition of the Works of Industry and All Nations: In nur sechs Monaten wurde der 563 m lange 124 m breite Glas-pal-ast der Weltausstellung 1851 im Londoner Hyde Park aus vorgefertigten Guss-teilen errichtet. Der Reingewinn der 141-tägigen Veranstaltung: 173 298 £.

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