Produktion 18.11.2011, 12:04 Uhr

Deutsche Stahlindustrie senkt ihre Wachstumsprognose

Die deutsche Stahlindustrie wird in 2011 langsamer wachsen als von der Wirtschaftsvereinigung Stahl prognostiziert. Ging ihr Präsident Hans Jürgen Kerkhoff vor kurzem noch von einer gegenüber dem Vorjahr um fast 4 % steigenden Rohstahlproduktion aus, rechnet er jetzt nicht mehr damit, dass 45,5 Mio. t erreicht werden – Rezession befürchtet er aber nicht.

Stahlindustrie: "Das Wachstum verliert an Dynamik."

Stahlindustrie: "Das Wachstum verliert an Dynamik."

Foto: Stahl online

Die Stahlkonjunktur hat sich wegen der erhöhten konjunkturellen Verunsicherung als Folge der Staatsschuldenkrise im Euroraum abgeschwächt. Zwar lagen die Auftragseingänge im dritten Quartal mit 8,8 Mio. t Walzstahl noch in etwa auf dem Niveau des Vorjahresquartals, aber im September wurde das Ergebnis des Vorjahresmonats bereits um 6 % unterschritten, wie die Wirtschaftsvereinigung Stahl am 8. November in Düsseldorf bekannt gab. Zudem blieb der Auftragseingang mit 2,8 Mio. t zum vierten Mal nacheinander unter der Schwelle von 3 Mio. t.

„Das Wachstum verliert an Dynamik, aber wir gehen davon aus, dass keine Rezession kommen wird“, zeigte sich Kerkhoff vor der Jahrestagung „Stahl 2011“ am 10. November in Düsseldorf dennoch vorsichtig optimistisch. Denn die Rohstahlproduktionsmenge des Vorjahres in Höhe von 43,8 Mio. t werde übertroffen.

Kann eine weitere Zuspitzung der Staatsschuldenkrise in der EU vermieden werden, sieht der Präsident der Wirtschaftsvereinigung auch für das kommende Jahr „unverändert solide Aussichten für den deutschen Stahlmarkt“. Einschlägigen Prognosen zufolge wird sich laut Kerkhoff der Aufwärtstrend in der deutschen Industrie, die zu etwa zwei Dritteln aus stahlhaltigen Gütern besteht, im kommenden Jahr fortsetzen. Die Konsensprognose der führenden Institute und Analysten für die Industrieproduktion in Deutschland für 2012 liege gegenwärtig bei einem Plus von 2,4 % nach einem Anstieg von 8 % im laufenden Jahr.

Abbau der Lagerbestände sorgt für Eintrübung in der Stahlindustrie

Kerkhoff: „Dieses Wachstum wird positiv auf die Stahlnachfrage ausstrahlen, wenn die Lagerbestände zum Jahresende auf einem marktkonformen Niveau liegen werden.“ Denn die konjunkturelle Eintrübung für die Stahlindustrie werde dadurch verursacht, dass Stahlhändler und -verarbeiter noch immer bemüht wären, ihre Lagerbestände auf ein niedriges Niveau herunterzufahren. Sie wollten vermeiden, mit überhöhten Lagerbeständen in eine mögliche Rezession hineinzugehen, wie es 2008 der Fall gewesen sei. „Aber 2011 ist nicht 2008 und Stahlbedarf ist weiterhin vorhanden“, so Kerkhoff.

Tatsächlich ist der Lagerabbau im Distributionssektor schon ein gutes Stück vorangekommen: „Bereits Ende des dritten Quartals lagen die Bestände 7 % unter dem Wert des zweiten Quartals und die Spitzenwerte vom Juni 2008 werden gegenwärtig um knapp 25 % unterschritten“, erklärte Kerkhoff.

Trotz Eurokrise kann die Stahlindustrie für 2012 zuversichtlich sein

Ein sehr niedriges Bestandsniveau erwartet der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl spätestens bis Ende des ersten Quartals 2012. Dies begrenze die Auswirkungen eines möglichen konjunkturellen Abschwungs und schaffe auch eine gute Ausgangsposition für den Fall, dass sich die Industriegüterkonjunktur in Deutschland – wie gegenwärtig erwartet – ab Frühjahr wieder erholt. Die Konjunktur der Stahlindustrie, die am Beginn der Wertschöpfungskette stehe, dürfte davon als Erste profitieren.

Zwar ist nach Ansicht des Präsidenten der Wirtschaftsvereinigung Stahl angesichts der gegenwärtigen Euro-Turbulenzen jeder Ausblick noch mit einem erhöhten Maß an Unsicherheit verbunden, aber Kerkhoff bleibt für die Stahlbranche weiterhin zuversichtlich gestimmt: „Unsere Prognose für die Stahlnachfrage in Deutschland – 2012 plus 1,5 % auf 40,9 Mio. t bei der Walzstahlversorgung – halten wir nach wie vor für realistisch.“ Die Prognose für die Entwicklung der Rohstahlproduktion im nächsten Jahr will der Wirtschaftsverband jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt vorlegen.

Stahl-Präsident Kerkhoff: „Ressourceneffizienz ist nur erreichbar mit Stahl“

Kerkhoff: „Vor dem Hintergrund der zunehmend unsicheren konjunkturellen Lage sowie der nach wie vor angespannten Situation bei den Rohstoffen sollten die politischen Rahmenbedingungen den Stahlstandort Deutschland nicht zusätzlich belasten.“ Die Wirtschaftsvereinigung Stahl habe deshalb ein 5-Punkte-Programm zur Energiewende formuliert, in dem u. a. deutlich gemacht werde, dass die gesellschaftlich gewollte Energiewende nur mit der Industrie möglich ist. Eine schleichende Deindustrialisierung dürfe es deshalb nicht geben, so Kerkhoff. Der Standort Deutschland benötige hoch wettbewerbsfähige industrielle Wertschöpfungsketten, an deren Ursprung eine starke Werkstoffbasis steht. „Ressourceneffizienz ist nur erreichbar mit Stahl“, so Kerkhoff. Die Beispiele dafür seien vielfältig, sei es der Stahleinsatz in Windkraftanlagen, in Turbinen, Kesseln und Dampfleitungen oder im Automobilbau der Zukunft.

Nach dem Worst-Case-Szenario aller europäischen und nationalen Maßnahmen im Energie- und Klimabereich droht der deutschen Stahlindustrie laut Kerkhoff ab 2013 eine jährliche Belastung bis zu 1,5 Mrd. €. Das entspreche der durchschnittlichen jährlichen Investitionssumme der Stahlindustrie in Deutschland.

„Wer auf immer weitere Kürzungen der CO2-Zertifikate drängt, setzt die Problemlösungskompetenz Deutschlands aufs Spiel“, warnte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Es helfe weder der deutschen Wirtschaft noch dem Weltklima, wenn ausgerechnet die Stahlwerke in Deutschland mit ihrer herausragenden Energie- und Ressourceneffizienz aus dem Markt gedrängt werden.   

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