Oberflächentechnik 01.05.2009, 19:41 Uhr

Deutsche Galvanotechnik erwartet eine lange Durststrecke  

Während sich die deutsche Galvanotechnik vor zwei Jahren noch mit zweistelligen Wachstumsraten auf der Überholspur befand, berichteten die Branchenvertreter auf der Hannover Messe vom „freien Fall“ der Oberflächentechnik. Walter Zeschky, der Vorsitzende des Zentralverbands Oberflächentechnik rechnet damit, dass die Durststrecke bis ins 1. Quartal 2010 reichen kann. VDI nachrichten, Hannover, 30. 4. 09, Si

Im vergangenen Jahr sei die deutsche Oberflächentechnikbranche noch einmal leicht um 3 % gewachsen, die derzeitigen Branchenprognosen wären jedoch niederschmetternd, wie der Zentralverband Oberflächentechnik (ZVO), Hilden, auf der Hannover Messe berichtete. Seit Oktober vergangenen Jahres habe es Umsatzeinbrüche von 50 % und mehr gegeben.

„Die Galvanotechnik befindet sich nahezu im freien Fall“, kommentierte Walter Zeschky, der ZVO-Vorstandsvorsitzende, die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage seines Verbands. Die Mitgliedsunternehmen erwarteten auch für die nächsten zwölf Monate keine durchgreifende Besserung der Situation.

60 % der befragten Betriebe rechnen mit schlechteren oder wesentlich schlechteren Geschäften, lediglich 18 % gehen von einer besseren Geschäftslage aus und 24 % erwarten eine konstante Geschäftslage. Zeschky: „Im Durchschnitt werden um 25 % niedrigere Umsätze als 2008 erwartet.“ Der ZVO-Vorstandsvorsitzende befürchtet, dass die Durststrecke voraussichtlich bis Herbst bzw. sogar bis ins 1. Quartal 2010 dauern könne. Danach werde die Erholung der Wirtschaft nur sehr schwach und schleppend einsetzen. „Das Niveau von 2008“, so erklärte Zeschky, „werden wir viele Jahre nicht mehr erreichen.“

Nur 18 % der ZVO-Mitglieder rechnet in 2009 mit einer verbesserten Auftragslage

Hauptursache für den drastischen Absturz im Auftragseingang ist die rezessive Marktentwicklung der Automobilbaubranche. Denn diese Industrie, die laut Zeschky „ein großes Wirtschaftssegment für die Galvanotechnik ist“, sei als Erste von der Krise betroffen gewesen. Zwar hätten sich im Januar und Februar die Kfz-Inlandszulassungen durch die Abwrackprämie gegenüber dem schwachen Verlauf im letzten Quartal 2008 erhöht, jedoch gelte dies im Wesentlichen nur für Kleinwagen und Pkw der unteren Mittelklasse. Die gehobene Mittelklasse und das obere Segment hätten weiterhin signifikante Absatzprobleme. Für die Galvanotechnik bedeuten kleinere Autos laut Zeschky aber auch geringere Mengen an zu beschichtenden An- und Einbauteilen. Darüber hinaus sei der Export von deutschen Automobilen um mehr als 40 % eingebrochen.

Auch der Maschinenbau, der 2008 noch als relativ gutes Jahr verbucht habe, musste im Dezember und Januar ebenfalls Auftragseinbrüche bis zu 40 % hinnehmen. Zeschky: „Wir gehen davon aus, dass dieser Rückgang im Maschinenbau die Galvanotechnik im 2. Quartal, spätestens jedoch im 3. Quartal treffen wird.“

Der ZVO-Vorstandsvorsitzende konnte in Hannover aber auch mit positiven Nachrichten aufwarten: „Die Entwicklung der Ausbildungsverhältnisse in der deutschen Galvanotechnik zeigt weiter nach oben – derzeit sind es 894.“ Hier wirkt sich laut ZVO-Geschäftsführer Uwe König die für die Galvanotechnik bedeutende Nachwuchsförderung aus. Neben der Präsenz an den ausbildenden Schulen, sei die Unterstützung der akademischen Ausbildung an den Hochschulen ein wesentlicher Schwerpunkt.

Galvanobranche fördert neue Stiftungsprofessur mit jährlich 80 000 €

Durch die Unterstützung der Einrichtung einer Stiftungsprofessur „Elektrochemie und Galvanotechnik“ an der Technischen Universität Ilmenau mache die Branche nun einen folgerichtigen nächsten Schritt.

Das Modell unterscheide sich grundlegend von den sonstigen Unterstützungen für Stiftungsprofessuren, die von großen Firmen direkt getragen würden. Laut König wagt hier eine gesamte Branche erstmalig den Schritt, die akademische Ausbildung aktiv zu stützen. Dies unterstreiche die Innovationskraft der galvanotechnischen Industrie, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Forschungsthemen, die für die gesamte Branche von Bedeutung wären, ließen sich nun zentral bearbeiten.

König: „Die Stiftung wird zunächst über fünf Jahre laufen, mit einem Förderbetrag von jährlich 80 000 €.“ In enger Kooperation mit der Universität wird nach den Informationen des Zentralverbands Oberflächentechnik der Studiengang „Elektrochemie und Galvanotechnik“ aufgebaut und von der gesamten Branche durch Angebote in Lehre und Industriepraktika unterstützt.

Ein wichtiger Schritt bei diesem Nachwuchsfördermodell ist für den ZVO-Geschäftsführer Technologie die Tatsache, dass das Studium auch berufsbegleitend angeboten werden wird. Das, so König, biete den Betrieben die Chance, ihre Erfahrung in der praktischen Produktion mit wissenschaftlichem Know-how zu kombinieren. Hierdurch resultiere auch die Möglichkeit, Fragen und Resultate der akademischen Forschung zeitnah in die Produktion zu integrieren und gleichzeitig produktionstechnische Fragestellungen direkt durch Grundlagenforschung beantworten zu können. ROLF MÜLLER-WONDORF

 

Von Rolf Müller-Wondorf

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