Stahl 25.04.2003, 18:24 Uhr

Der erste echte Global Player der Stahlbranche

Hinter dem, durch Fusion 2002 entstandenen, weltgrößten Produzenten Arcelor setzt LNM zum Überholen an durch eine Übernahme von Corus, ehemals British Steel und Hoogovens (Niederlande). Der seit 23. April neue Corus-CEO hat ein Problem.

Lakshmi Mittal, der indische Stahlmogul an der Spitze seiner Holding London Netherlands Metal (LNM), dem zurzeit nach Arcelor weltweit zweitgrößten Stahlkonzern, arbeitet nach dem Motto: „Fusionen oder Übernahmen, gleich was, die Stahlwelt muss zusammenrücken.“ Jetzt stählt sich Mittal selbst für den bisher größten Deal seines kometenhaften Aufstiegs – die Übernahme von Corus. Erst 2002 war LNM durch Übernahmen zum zweitgrößten Produzenten geworden – mit Werken heute z.B. in Deutschland, Kasachstan, Venezuela, Trinidad, USA.
Die Stahlindustrie mit ihrem weltweiten Marktvolumen von 350 Mrd. $/a gilt als eine Branche der Giganten. Hier sind nach landläufiger Meinung sogar Dinosaurier der Technik zu Hause: Dabei sind diese aber recht behände und technisch fortgeschritten. Zudem ist die Branche gegenüber anderen – etwa der Automobilproduktion – gar nicht so konzentriert, wie die Größe der Marktteilnehmer erwarten lässt.
Doch wie größer werden, wenn allein schon über die Hälfte des jährlichen Produktionswachstums der Stahlindustrie in China stattfindet? Europas Hütten arbeiten zwar mit über 90 % Auslastung, doch die Produktion konnte nur um 1,4 % gesteigert werden. 20 % expandierte hingegen die Stahlerschmelzung in China. Über die Hälfte der weltweiten Stahlerzeugung von 900 Mio. t (2002) wird inzwischen in Asien verarbeitet.
Als der aus einer indischen Stahlindustriellenfamilie in Kalkutta stammende Mittal 1976 die Karriere mit seinem ersten Unternehmen Ispat Indo in Indonesien (Ispat, Hindi = Stahl) startete, sah just diese Stahlwelt noch völlig anders aus. Der Dortmunder Hoesch-Konzern, heute längst eine Untermenge des deutschen Marktführers ThyssenKrupp, befand sich auf dem Weg in eine Ehe mit dem niederländischen Hoogovens-Konzern diese scheiterte nach zehn Jahren. Hoesch, zunächst wieder selbstständig, fand sich dann schnell unter dem Dach von Krupp wieder, aber flugs als Morgengabe in die Ehe mit Thyssen einbracht.
1999, verbandelte sich der niederländische Stahlkocher Hoogovens ein zweites Mal und fusionierte mit British Steel zum Corus-Konzern – heute mit einer Produktion von 16 Mio. t Rohstahl Nr. 6 auf der Rangliste der größten Stahlkonzerne der Welt.
Auch die zweite Stahlehe der Niederländer rostet offenbar schnell durch. Turbulenzen gab es schon seit geraumer Zeit, warfen doch die Niederländer den Briten vor, die Rationalisierung einseitig zu ihren Lasten vorzunehmen, wo Werke wie Ijmuiden viel wirtschaftlicher seien als die Corus-Betriebe im Vereinigten Königreich. Als 2002 der in London residierende Vorstand die Aluminium-Aktivitäten an die französische Pechiney verkaufen wollte, um Liquidität zu beschaffen und Corus auf Stahl zu fokussieren, blockierte der niederländische (Teil-)Aufsichtsrat: Aluminium sei Tafelsilber und dürfe nicht zugunsten unproduktiver britischer Stahlwerke verscherbelt werden. Der Vorstandschef Tony Pedder verlor seinen Job. Seit 23. April gibt es einen neuen CEO, den Franzosen Philippe Varin. Er will an dem Kurs festhalten und die Al-Sparte abgeben.
Schon Sir Brian Moffat, der zwischenzeitig das Corus-Kommando übernommen hatte, führte Gespräche über die Zukunft von Corus zum einen mit Benjamin Steinbruch, als Vorstandschef von CSN an der Spitze des größten Stahlherstellers Brasiliens, zum anderen mit Lakshmi Mittal. Mit CSN hatte Sir Brian eine 4 Mrd. ! schwere Fusion verabredet. Die Pläne platzten im November 2002.
Aussichtsreicher freilich aus der Perspektive von Corus müssen die Gespräche zwischen Moffat und Mittal sein. Das würde LNM an die Weltspitze der Stahlproduzenten bringen – mit dann über 50 Mio. t deutlich vor Arcelor, den heutigen Weltmarktführer mit seinen 44 Mio. t Rohstahl. Selbst die wiederbelebten Gespräche mit der brasilianischen CSN müsste dies nicht stören. Mittal, bisher mit einer Produktion von zusammen 11,5 Mio. t in den USA und Mexiko engagiert, bekäme darüber ein Standbein in Südamerika.
Außerdem schmiedet Mittal nebenbei noch ein Projekt in Südafrika: Die 47 %ige Beteiligung an Iscor soll um mindestens 5 % aufgestockt werden, dazu wurde ein Angebot an die Aktionäre gemacht. 35 000 Arbeitsplätze sparte Iscor inzwischen schon über ein radikales Rationalisierungsprogramm ein. Eine Sanierung von Corus, sei es aus eigener Kraft oder mit Hilfe von Außen, würde mindestens ebenso viele Jobs kosten.
Der Unternehmer Lakshmi Mittal schafft den Wasserkopf und alte Zöpfe ab – und sichert dafür Arbeitsplätze an der Basis. PETER ODRICH/KÄM

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