Stahl 05.03.2004, 18:28 Uhr

China auf dem großen Sprung mit Stahl

Eine immer größere Entscheidungskraft für die gesamte Stahlindustrie massiert sich in China – weltgrößter Stahlproduzent, -verbraucher und Importeur. Das Ungleichgewicht zwischen asiatischen Märkten und denen in Europa, Süd- und Nordamerika bringt die Versorgungslogistik durcheinander und lässt Transportkosten und Rohstoffpreise weltweit steigen: Globalisierung erzwingt weitere Fusionen in der Stahlindustrie.

Stahl ist eine Wachstumsbranche – auch im beginnenden 21. Jahrhundert, dies aber vor allem in Asien. Allein auf die Volksrepublik China entfielen im vorigen Jahr 257 Mio. t oder 29 % des Verbrauchs. Auch bei der Rohstahlherstellung ist China mit 220 Mio. t (entsprechend 23 % der Weltjahresproduktion des Jahres 2003) die Nr. 1 in der Welt, wie auf der 8. Handelsblatt-Jahrestagung „Stahlmarkt 2004“ am 1. und 2. März in Düsseldorf diskutiert wurde.
Treiber der Entwicklung ist das rasante Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte, das sein Bruttoinlandsprodukt in den letzten fünf Jahren verdreifacht hat. Nun investiert der zwar bevölkerungsstärkste, aber in der Industriedichte zurückgebliebene Staat der Welt in Schlüsseltechnologien wie Kfz- und der Maschinenindustrie. Für das laufende Jahr erwartet Francisco Ros-Garcia, Präsident des Dachverbandes europäischer Stahlhändler, Eurometal, eine weitere Zunahme: „Wir rechnen für 2004 mit einem Anstieg des Stahlverbrauchs in China auf 290 Mio. t.“
Der gewaltige Nachholbedarf Chinas drückt sich auch im niedrigen Pro-Kopf-Stahlverbrauch aus, der 2002 bei nur 189 kg lag. Japan oder Südkorea kamen aber auf 570 kg und 953 kg.
„Der Stahlbedarf in Japan und Indien steigt weiter. In Europa und Nordamerika haben wir es dagegen mit stagnierenden Märkten zu tun“, so Ros-Garcia auf der Euroforum-Tagung zu den Entwicklungen auf dem Stahlweltmarkt diese Woche in Düsseldorf.
Die enorme Nachfrage treibt weltweit die Preise in ungeahnte Höhen. Diese legten im Vorjahr bei Erzen und einschmelzbarem Schrott zwischen 20 % und 30 % zu. Bei Koks kam es gar zu einer Verdoppelung der Preise. Ladevolumen für Seetransporte ist kaum mehr zu bekommen.
„Für 2004 müssen wir uns auf strukturelle Beschaffungsengpässe einstellen“, sagt Michael Pfitzner vom Vorstand der Salzgitter AG. Die sich verschärfende Verknappung werde Allianzen mit Rohstoffversorgern nötig machen, ist er überzeugt. Eine Entwicklung, die auch Malay Mukherjee, Präsident und CEO von Ispat, London, auf die Branche zukommen sieht diese LMN-Group ist zweitgrößter Stahlhersteller der Welt: „Erzlieferanten und die Stahlschmelzer werden sich zusammenschließen müssen.“
Die steigenden Kosten, die angesichts des Wettbewerbsdrucks nur schwer weiterzugeben sind, sieht die deutsche Stahlindustrie mit großer Sorge. Sie muss zusätzliche Nachteile durch den Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten ab dem nächsten Jahr befürchten. So sieht der aktuelle Entwurf aus dem Bundesumweltministerium vor, dass die Branche ihre Emissionen weiter reduzieren soll. Anderenfalls müssten teure Emissionsrechte zugekauft werden.
„Eine verschärfte Reduktionsverpflichtung führt international zu wettbewerbsverzerrenden Kosten und damit zu Produktionsverlagerungen“, warnt Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl und Vorsitzender von Stahlinstitut VDEh. Immerhin hat die Branche Teile der Politik auf ihrer Seite.
So betonte NRW-Wirtschafts- und Arbeitsminister Harald Schartau auf dem Düsseldorfer Branchentreff, dass die Pläne aus Berlin „nicht akzeptabel“ seien und überarbeitet werden müssten.
Nach Einschätzung von Georges Kirps, Vizepräsident des aus der Verschmelzung von Arbed, Usinor und Aceralia entstandenen weltgrößten Stahlkonzerns Arcelor mit Sitz in Luxemburg, wird die Kostensituation zu weiteren Fusionen und Übernahmen führen: „In wenigen Jahren werden wir erleben, wie finanzstarke, oligarche Stahlgruppen finanzschwache und verschuldete Firmen in Europa und den USA aufkaufen.“ SVDWEIDEN/KÄM
„Stahlmarkt 2004“- Handelsblatt-Jahrestagung vom 1. und 2. März. 17 Referentenbeiträge mit Charts, Tabellen. 310 € zzgl. 16 % MwSt. CD-ROM ab Anfang April. Düsseldorf: Euroforum Deutschland, Tel.: 0211-9686-3582 andrea.mehr@euroforum.com

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