20 Jahre Einheit 01.10.2010, 19:49 Uhr

Chemieparks: Erfolgsmodell aus dem Osten blüht auch im Westen

„Plaste und Elaste aus Schkopau“ – älteren Bundesbürgern dürfte der bis 1989 auch an den Transitautobahnen omnipräsente Werbespruch der DDR-Chemie noch gut bekannt sein. Ob in Schkopau, Leuna, Bitterfeld oder Wolfen – überall wiesen die Großbetriebe einen enormen Investitionsbedarf auf. Aus der Not wurde damals das Modell der offenen Chemieparks geboren. Heute gilt es auch im Westen als Erfolgsbeispiel, das in ganz Europa genutzt wird.

Wenn Andreas Hiltermann, Chef der Standortgesellschaft Infraleuna, von potenziellen Investoren gefragt wird, was denn die Vorteile des rund 1300 ha großen Areals im Süden von Halle seien, nennt er, wie überall üblich, die ausgezeichnete Verkehrsanbindung, hohe Fördersätze und den relativ einfachen Zugriff auf bestens qualifiziertes Personal – schließlich liegt auch die traditionsreiche Fachhochschule Merseburg fast in Sichtweite. Doch viel mehr noch betont der Manager die Vielfalt der hier angesiedelten Unternehmen, die sich zum Teil als Lieferant, zum anderen Teil als Kunde begegnen.

Die Infrastruktur vom Strom, Wärme, Wasser und Prozessmedien bis hin zu Werkschutz, Feuerwehr und eigene Bahngesellschaft kann man sich kostengünstig von der Infraleuna dazu buchen. Die Basis dafür wurde mit einer Investitionssumme von rund 5,5 Mrd. € in den vergangenen 20 Jahren geschaffen.

Auch für Paul Kriegelsteiner, Geschäftsführer des Landesverbandes Nordost im VCI, ist das Chemieparkkonzept in seiner heutigen Form eine Erfolgsgeschichte. „Das Konzept wurde in den letzten Jahren zu einem leistungsfähigen Stoffverbundsystem weiterentwickelt, der den Unternehmen Wettbewerbsvorteile verschafft“, so Kriegelsteiner. Allerdings könnten diese noch deutlicher ausgeprägt werden, wenn die Bestandsdichte auf den Flächen weiter zunimmt. Es gebe noch zu viele freie Flächen neben den hochmodernen Anlagen. „Eine schnellere Besiedlung dieser Angebotsreserven würde die Kosten weiter optimieren“, argumentiert Kriegelsteiner.

Standortgesellschaften wie Infraleuna oder die Preiss-Daimler-Group in Bitterfeld, die zugleich auch die freien Flächen vermarkten, haben seit Ausbruch der jüngsten Wirtschaftskrise zwar etliche kleine, aber nur selten große Ansiedlungserfolge vermelden können: In Leuna nahm z. B. Domo eine neue Lagerhalle in Betrieb, die Total Group baute eine zusätzliche Entschwefelung für ihre 1997 in Betrieb genommene neue Raffinerie und im Oktober beginnt der Bau des Chemisch-biotechnologischen Prozesszentrums (CBP Leuna) des Fraunhofer IGB. Es wird sich schwerpunktmäßig mit der stofflichen Nutzung der Braunkohle beschäftigen.

In Bitterfeld, wo es zwar sehr viele, aber kaum ausreichend große Restflächen mehr gab, wurde im Sommer die Industrieruine der alten Schwefelsäurefabrik abgerissen. Dort hofft man nun auf neue Projekte. Immerhin hat Lanxess den Bau einer neuen Fabrik für Membran-Filtrationssysteme geplant.

Das Konzept der Chemieparks ist nicht zuletzt durch einen Strukturwandel der Branche selbst inzwischen ein Standard geworden. Klaus-Dieter Juszak, der im VCI die zuständige Fachvereinigung leitet, kann dafür gute Gründe ins Feld führen: „Das Produktportfolio lässt sich im Vergleich zum Einzelstandort leichter verändern. Unternehmen, die einen Teil der Produktion aufgeben wollen, können sich zum Beispiel direkt vor Ort nach einem Käufer für ihre Anlagen umschauen“, erklärt er. Und wenn ein Unternehmen seine Produktpalette erweitern wolle, könne es gegebenenfalls die Anlage einer anderen dort ansässigen Firma übernehmen. Die Kosten für einen Ab-, Auf- und Umbau von Anlagen, wie sie an einem Solitär-Standort üblich seien, würden so reduziert.

Die Krise ist inzwischen auch für die ostdeutsche Chemie überwunden, das Tal war weniger tief, der Aufschwung nun weniger steil, wie Kriegelsteiner konstatiert. 4,7 Mrd. € Umsatz im zweiten Quartal 2010 bedeuten einen Anstieg von 10,7 % gegenüber dem Vorjahr. Das ist nur knapp die Hälfte des bundesdeutschen Wertes, aber in der Summe ist der VCI durchaus mit dem Aufholprozess zufrieden. Kriegelsteiner: „Wir haben jetzt wieder Umsatz- und Auslastungswerte wie im Sommer 2008.“ Dazu komme, dass in der Statistik längst nicht alles erfasst werde, da vor allem Produkte in den Konzernbetrieben teilweise in den Zentralen fakturiert werden, und damit nicht in der Oststatistik auftauchen.

Für die Zukunft ist der Landesverbandsgeschäftsführer vorsichtig optimistisch. Zwar lasse die Dynamik des Aufschwungs inzwischen wieder leicht nach, doch das Wachstum sei noch immer auskömmlich. Kriegelsteiner: „Wir haben allerdings den nach 1990 entstandenen Wettbewerbsnachteil – im Osten vor allem Produktionsbetriebe und zu wenig Forschung und Entwicklung zu haben – noch nicht aufholen können“, merkt Kriegelsteiner kritisch an. Aber auch hier bewege sich im Umfeld inzwischen mehr. So wachse insbesondere die Biotechnologie und Nanotechnik stark, dazu kämen Randbereiche der Chemie im Sektor Energiespeicher.

Dabei werde allerdings ein neuer Engpass am Horizont immer deutlicher sichtbar: Die Personalknappheit. „Uns fehlen im Osten inzwischen Fachkräfte aller Stufen, zumindest außerhalb der großen Ballungszentren, ein Trend, der sich noch verstärken wird“, sagt der VCI-Nordost-Sprecher.

An den Löhnen für die gesuchten Ingenieure oder Facharbeiter liegt das allerdings nicht mehr, eher an Vorurteilen: Kriegelsteiner: „Im Westen bekommt doch ein Student noch immer das Kribbeln auf dem Rücken, wenn er von Bitterfeld hört. Dabei liegen dort inzwischen die Chancen für eine Bilderbuchkarriere ganz weit im grünen Bereich.“

MANFRED SCHULZE

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