Auf Bewerbersuche 22.10.2010, 19:49 Uhr

„Absolventen werden uns aus den Händen gerissen“

Die Messe „Composites Europe“ in Essen war jüngst nicht nur eine Demonstration dessen, was mit Faserverbundkunststoffen möglich ist. Sie sollte auch als Schaufenster für jene Ingenieure dienen, die sich einen tiefen Einblick in die Aufgabenfelder der Branche erhofften. Die VDI nachrichten begaben sich hinter die Fassaden der Messestände, um sich ein Bild von den personellen Bedürfnissen der Unternehmen und Hochschulen zu machen.

Das Gedränge ist groß, vermutlich ebenso die Neugierde der meist fachkundigen Besucher. Anders als auf den alteingesessenen Messen klassischer Industriesparten kennen sich längst nicht alle Insider auf der erst seit fünf Jahren stattfindenden „Composites Europe“. Die Branche der Faserverbundkunststoffe ist vergleichsweise jung, zum Leidwesen vieler Unternehmer leider auch vielen jungen und angehenden Ingenieuren wenig bis gar nicht bekannt.

Dennoch ist es Uwe Assmuth und seinen Mitarbeitern gelungen, in den vergangenen Wochen zwei Ingenieure einzustellen. Der Geschäftsführer der Krempel-Group, einem global agierenden Systemlieferanten der modernen Werkstoffe mit Zentrale in Vaihingen/Enz, sucht aber noch zwei weitere Experten für Kunststoffverarbeitung. Am liebsten hätte Uwe Assmuth junge Ingenieure mit Berufserfahrung, aber die sind für Krempel nur schwer zu finden.

„Das Problem ist einfach, dass wir als Mittelständler nicht so bekannt sind wie die Konzerne, dabei bieten wir große Gestaltungsräume, die weniger in ein Korsett zwingen als bei großen Unternehmen und durch stetig neue Projekte viel Freiraum, aber auch viel Verantwortung beinhalten.“ Die Branche wird vom Mittelstand dominiert, der in der Regel nicht über die Ressourcen verfügt, sich den besten Nachwuchs über intensives Anwerben an Land zu ziehen. „Wir haben nicht das breit geknüpfte Hochschulnetzwerk, das Konzerne unterhalten“, sagt Uwe Assmuth. Es gebe Weiterbildungsmöglichkeiten, die aber das Learning-by-doing-Prinzip nicht ersetzen könnten.

Ihm werde keineswegs angst und bange, wenn er an die Zukunft des Mittelstandes im Bereich Kunststoffe denkt, sagt Herbert Kiefer, Ingenieur bei Lange + Ritter, einem Spezialist für faserverstärkte Kunststoffe aus Gerlingen. „Wir haben zurzeit genügend Ingenieure. Es handelt sich um eine zukunftsträchtige Branche mit hoher Anziehungskraft. Darauf stellen sich auch die Hochschulen als Ausbilder ein.“

Das ist leichter gesagt als getan, könnte Silke Richter kontern. Die Diplom-Ingenieurin vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Industriedesign der Hochschule Magdeburg-Stendal schildert die Schwierigkeiten, die die Hochschule mit Fachpersonal hat: „Uns fehlen für die noch jungen Studienangebote Nachwuchskräfte, die sich als wissenschaftliche Mitarbeiter im Bereich Composites engagieren. Hier erweist sich die Suche als sehr schwierig.“ Dabei suchten die Unternehmen der Region wie Schuberth in Magdeburg, XtremeAir in Cochstedt oder IFC-Composites in Haldensleben „händeringend“ nach gut ausgebildeten Ingenieuren.

Diese oder ähnliche Probleme gibt es in anderen Bundesländern ebenfalls, wenn auch meist nicht in dieser Schärfe. Nordrhein-Westfalen etwa verfügt dank des Instituts für Kunststoffverarbeitung (IKV) an der RWTH Aachen, mit über 300 Mitarbeitern eines der größten seiner Art weltweit, über einen 60-jährigen Erfahrungsschatz – und exzellente Kontakte. Nicht allein, weil hierzulande 50 % des Ingenieurnachwuchses auf dem Gebiet der Kunststoffverarbeitung das Aachener Institut durchliefen.

„Unsere Absolventen werden uns aus den Händen gerissen“, erzählt Markus Bau, Leiter der IKV-Öffentlichkeitsarbeit. Die Abnehmer reichen vom kleinen Ingenieurbüro bis zu den Großen der Branche wie Lanxess oder KraussMaffei und vielen anderen. „Wir arbeiten mit Maschinen und Anlagen, wie sie auch in der Industrie im Einsatz sind“, sagt Markus Bau. „Eine unserer Stärken ist die integrierte Betrachtung der Kunststoffverarbeitung. Wir zeigen, wo es hakt. Da profitieren vor allem die kleineren Unternehmen von. Wir stellen für viele Unternehmen durch Gemeinschaftsforschungsprojekte eine Art externe FuE-Abteilung dar.“

Bei Lanxess ist man froh, auf die Kompetenzen der Aachener bauen zu können. Aber auch die anderen Hochschulen und Institute in NRW hätten bei modernen Kunststoffen ihre Hausaufgaben gemacht, zollt Hartwig Meier, Leiter der Produkt- und Anwendungsentwicklung Semi-Crystalline Products beim Leverkusener Konzern, der Wissenschaft ein großes Lob. „Da sind wir in Nordrhein-Westfalen auf einem guten Weg.“

Man befände sich aber nun einmal in „einer Branche, die sich sehr stark über den globalen Wettbewerb definiert“ und die nach Ende der Konjunkturkrise weiter expandieren werde. „Wir hatten schon vor der Krise Probleme, genügend qualifizierte Ingenieure zu bekommen. Das ist nach wie vor so“, sagt Hartwig Meier. „Wir suchen querbeet – seien es FH-Absolventen bei der Verfahrensumsetzung oder promovierte Ingenieure und Naturwissenschaftler für Forschung und Entwicklung.

Dass Messen heute als Branchenbühne immer noch Sinn machen – aufgrund der zunehmenden Komplexität sich entwickelnder Technologien vermutlich mehr denn je –, zeigte die Composites Europe“. Für Arbeit suchende Ingenieure auch eine gute Gelegenheit, nachzuhorchen, wie ernst es die Arbeitgeber denn nun mit ihrer „händeringenden“ Suche nach qualifizierten Arbeitskräften meinen. WOLFGANG SCHMITZ

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