5,2 Billionen Teile 12.12.2014, 11:54 Uhr

269.000 Tonnen Plastik treiben im Meer umher

Eine Inventur des Plastikmülls in den Meeren der Welt hat ergeben, dass gut 5,2 Billionen Plastikteile im Meer herum schwimmen. Und dabei sind die Kunststoffpartikel, die auf den Meeresboden gesunken sind oder von Fischen und anderen Bewohner der Ozeane fälschlicherweise für Plankton gehalten und gefressen wurden, noch nicht einberechnet.

Rund 270.000 Tonnen Plastik schwimmen inzwischen im Meer umher: Zu diesem Ergebnis sind jetzt Forscher um den US-amerikanischen Umweltschützer Marcus Eriksen vom Five Gyres Institut in Los Angeles gekommen. 

Rund 270.000 Tonnen Plastik schwimmen inzwischen im Meer umher: Zu diesem Ergebnis sind jetzt Forscher um den US-amerikanischen Umweltschützer Marcus Eriksen vom Five Gyres Institut in Los Angeles gekommen. 

Foto: Nic Bothma/dpa

Doch auch so reicht die  Bestandsaufnahme der Forscher um den US-amerikanischen Umweltschützer Marcus Eriksen vom 5Gyres Institut in Los Angeles aus, um die Dimension der immensen Vermüllung unseres Planeten zu offenbaren.

Genug für 38.500 Müllwagen

5,2 Billionen Plastikteile, die es auf ein Gewicht von 269.000 Tonnen bringen: Umgerechnet reicht das, um 38.500 Müllwagen zu befüllen. Eriksen und seine Kollegen haben für ihre Untersuchung, die sie im Fachjournal Plos One veröffentlicht haben, Daten von 24 Expeditionen zu den großen Meeresströmungen zwischen 2007 und 2013, darunter vor der australischen Küste, im Mittelmeer und im Golf von Bengalen, ausgewertet. In der Summe waren das mehr als 1500 einzelne Sammlungen und Beobachtungen.

Bestandsaufnahme des an der Wasseroberfläche schwimmenden Plastiks

Diese Bestandsaufnahme bezieht sich lediglich auf Plastikabfall, der an der Wasseroberfläche schwimmt und zu beobachten ist. Die Plastikmenge, die die Meeresböden bedeckt, haben die Wissenschaftler nicht untersucht. Mit Hilfe der Daten errechneten die Wissenschaftler die Verbreitung von Plastikmüll auf allen Weltmeeren. Es zeigte sich, dass große Plastikstücke, beispielsweise Flaschen oder Styroporbrocken, häufiger nahe den Küsten zu finden sind.

Wirbel wirken wie Riesenschredder

Es zeigte sich auch, dass die Wirbel in den Ozeanen, in denen sich das Plastik sammelt, die Wirkung eines Reißwolfs hat. Dort prallen die einzelnen Plastikteile immer wieder aneinander, das Licht der Sonne macht sie spröde und brüchig. Und dann werden die großen Stücke durch Wind und Wellen zusehends zerkleinert. Die schwimmenden Müllhalden werden so zu riesigen Schreddern, die immer mehr, immer kleinere Plastikteile bilden, die sich in der Folge immer weiter verbreiten.

Mehr als 5000 gebrauchte Plastiktüten wurden im Juli 2013 am Strand von Niendorf in Schleswig-Holstein zusammengeknotet und bilden einen Fisch bilden. Mit diesem Guinness-Rekord für die längste Plastiktütenkette der Welt sollte auf die wachsende Menge von Plastikmüll in den Meeren aufmerksam gemacht werden. 

Mehr als 5000 gebrauchte Plastiktüten wurden im Juli 2013 am Strand von Niendorf in Schleswig-Holstein zusammengeknotet und bilden einen Fisch bilden. Mit diesem Guinness-Rekord für die längste Plastiktütenkette der Welt sollte auf die wachsende Menge von Plastikmüll in den Meeren aufmerksam gemacht werden. 

Quelle: Angelika Warmuth/dpa

Denn die kleinsten Krümel aus Plastik fanden die Forscher um Eriksen in abgelegenen Gebieten nahe dem Nordpol.

Fische halten Plastik für Plankton und fressen es

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Müllteppiche in den fünf subtropischen Meereswirbeln nicht die letzte Ruhestätte des umhertreibenden Plastikmülls sind“, sagt Eriksen in einer Mitteilung von Plos One. Denn die kleinen Krümel können durch Absinken oder Zersetzung in tiefere Meeresregionen gelangen. Dort werden sie von Fischen oder anderen Bewohnern der Meere für Plankton gehalten und gefressen. So gelangt der giftige Plastikmüll in die Nahrungskette und am Ende auf den Tellern der Menschen. „Der Endeffekt des Mikroplastik ist sein Einwirken auf den gesamten Lebensraum Meer“, betont Forscher Eriksen.

Problem beginnt in den Flüssen

Das Problem beginnt allerdings schon in den Flüssen. So ergab eine Untersuchung der Universität Wien, dass in der Donau stellenweise mehr Plastik herumschwimmt, als sich dort Fischlarven tummeln. Und Flüsse neigen dazu, irgendwann in einem Meer zu münden. Die Donau schwemmt laut Hochrechnung der Wiener Forscher im Jahr 1533 Tonnen Plastikmüll in das Schwarze Meer. Das größte Problem an all dem Plastikmüll ist seine lange Haltbarkeit. Denn es dauert viele Hundert Jahre, bis sich das Plastik komplett zersetzt.

Von Detlef Stoller

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