Verkehr 28.11.2003, 18:27 Uhr

Wu und Wi zum Transrapid

Beim Transrapid gehe es am wenigsten um technische Probleme, die würden durchweg beherrscht. Das erklärte Wu Xiangming, Chefingenieur?des Transrapid-Projekts in?Shanghai, am?21.?November in München, als er vor der Presse über seine Erfahrungen mit dem Bau der Magnetbahn in Shanghai sprach. Wu stärkt damit Bayerns Verkehrsminister Otto Wiesheu als Verfechter der Magnetbahn-Verbindung zum Münchner Flughafen den Rücken.

Chinas Boom-Town Shanghai wird Anfang kommenden Jahres den weltweit ersten kommerziellen öffentlichen Betrieb mit dem Transrapid starten. Wu Xiangming, Chefingenieur der Shanghai Maglev Transportation Development Co. (SMTDC), berichtete am 21. November in München über seine Erfahrungen mit dem Magnetbahn-Projekt, und dass „die Inbetriebnahme reibungslos vorangekommen ist.“ Die deutsche Magnetbahn-Entwicklung erhält mit dem Linienbetrieb einen entscheidenden Impuls: Endlich verlässt die innovative Bahntechnik das Entwicklungs- und Teststadium.
In Shanghai sind vor dem Linienbetrieb „nur noch einige wenige Tests durchzuführen“, so Wu. Mit sehr moderaten Worten umriss er das in Rekordzeit verwirklichte Projekt: „Mit dem Bau wurde am 1. März 2001 begonnen, am 31. Dezember 2002 fand die Jungfernfahrt statt“. Was sich in diesen nur 22 Monaten an der rund 30?km langen Trasse und im Hintergrund abgespielt hat, brachte dem Projektleiter den Respekt heischenden Titel „Commander Wu“ ein.
Der Chefingenieur ließ nicht nur die eigenen Leute auf der Baustelle erzittern, sondern auch die Manager des deutschen Konsortium, bestehend aus den Unternehmen Siemens, ThyssenKrupp und Transrapid International. So drang zunächst tiefes Aufatmen aus den Chef-Etagen, als an Silvester 2001 der damalige chinesische Ministerpräsidenten Zhu Rongji und Bundeskanzler Gerhard Schröder problemlos bei der Premiere des Transrapid über die Strecke schwebten.
Inzwischen wurde wiederum in wenigen Monaten die zweite Fahrspur für die Gegenrichtung fertig gestellt und in Betrieb genommen. Zwei Züge begegnen einander schon alltäglich mit der planmäßigen Geschwindigkeit von 430?km/h. „Am 11. November haben wir, nur als Versuch, 501?km/h erreicht, wenn auch bloß für wenige Sekunden“, sagte Wu bescheiden, ohne auf den Geschwindigkeitsrekord für Magnetbahnen zu verweisen. Für höhere Geschwindigkeit sei die erste Strecke, die den stadtnahen Bahnhof Long Yang Road mit dem Flughafen Pudong verbindet, einfach zu kurz, so Wu.
Bayerns Verkehrsminister Otto Wiesheu, der sich seit dem Scheitern des Transrapid-Projekts Hamburg – Berlin für eine Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Flughafen in München stark macht und deshalb schon „Commander Wi“ betitelt wird, nahm die Rückenstärkung aus China dankbar an: „Wir haben vereinbart, dass wir die Erfahrungen, die in Shanghai gemacht wurden, in München nutzen können“. Dazu gehöre vor allem eingehende Erprobung vor Beginn des öffentlichen Verkehrs.
Am wenigsten gehe es um technische Probleme, die, so Wu, durchweg beherrscht werden. Vielmehr trennen Wu und Wi in Wirklichkeit Welten: Während der Bauingenieur aus China mit unumschränkten Vollmachten eigentlich „nur“ zu bauen brauchte, ist in Deutschland ein demokratisches Verfahren vorgeschaltet – Planfeststellungs- und Raumordnungsverfahren sowie Einspruchsmöglichkeiten –, das nicht nur ein Mehrfaches an Zeit erfordert, sondern dessen Ausgang auch wegen Gerichtsentscheidungen alles andere als sicher ist.
Immerhin bekräftigte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe in einem Anruf bei Wiesheu kurz vor dessen Treffen mit Wu, die Bundesregierung stehe zu ihrer Absicht, den Transrapid in München zu bauen: „Das ist doch eine knackige Aussage“, freute sich der bayrische Minister, und Commander Wu entgegnete: „Ich wünsche mir, dass Ihr Projekt in München bald verwirklicht wird. Das sei nicht nur für Bayern gut, sondern erhöhe auch die Chance, dass der Transrapid auf weiteren Strecken in China und auch sonst in der Welt die verdiente Zukunft habe“.
RALF ROMAN ROSSBERG/WOP

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