Verkehrssicherheit 17.11.2000, 17:27 Uhr

Wir wollen den unfallfreien Straßenverkehr!

DaimlerChrysler-Forschungschef Klaus-Dieter Vöhringer hielt vergangene Woche einen Vortrag zur Bedeutung der Innovation und skizzierte dabei die Vision vom unfallfreien Straßenverkehr. Im Folgenden sein Vortrag in Auszügen.

Erfolgreich sein am Markt heißt, sich von seinen Wettbewerbern in eindeutiger Weise zu differenzieren, heißt, die Produkte unverwechselbar und in einer Weise begehrenswert zu machen, der kein anderer Hersteller entsprechen kann.
DaimlerChrysler setzt voll auf Differenzierung durch Innovation.
Die Differenzierung über „Innovation“ ist nicht leicht zu bewerkstelligen, und sie führt nicht zwangsläufig zum Erfolg. Wer technologische Innovation will, muss erhebliche Ressourcen in allen relevanten Technologiefeldern vorhalten. Nur so steht genau dann, wenn es gefordert wird, genügend Know-how zur Verfügung.
Dies heißt aber nicht, alles selbst machen zu wollen. Die richtige Abwägung, mit welchem Partner was zu tun ist, und die Vermeidung des „not-invented-here“-Syndroms ist eine unternehmenskulturelle Frage. Sie entscheidet über die effiziente Umsetzung von der Idee in das Produkt.
Technologische Stärke setzt also voraus, dass man sich langfristig mit neuen Fragestellungen beschäftigt – um dann für vielleicht ein Jahr am Markt eine Alleinstellung zu haben. Dass sich diese Strategie trotzdem rechnet, beweist DaimlerChrysler seit langem. Die langjährige Befassung mit Themen, die Definition langfristiger und breit angelegter Forschungsgebiete, ist eine der schwierigsten Aufgaben. Aber sie ist der Schlüssel zum Erfolg schlechthin.
Spracherkennung und Sprachbedienung, Verkehrszeichenerkennung, Fußgängererkennung, Spurführung, Umfelderkennung – dies sind nur ein paar Beispiele, in denen Ergebnisse der Forschung in unseren Produkten umgesetzt wurden. Aber nicht nur dort: Natürlich spielt die Mustererkennung auch in der Produktion eine große Rolle, zum Beispiel bei der Bauteilprüfung und in der Qualitätssicherung.
Ähnlich langfristig angelegt sind unsere Forschungsarbeiten auf dem Gebiet von Virtual Reality. Schon Ende der 80er-Jahre haben wir in einer „Sitzkiste“ mit VR experimentiert. 1996 haben wir das „Virtual Reality Competence Center“ in unserem Forschungszentrum Ulm eingerichtet. Heute besitzen wir im ganzen Konzern hohe Kompetenz in allen Bereichen, in denen mit VR die Aufgaben schneller und effizienter gelöst werden können.
Ein weiteres Beispiel ist unsere lange Tradition in der Untersuchung alternativer Antriebe und Kraftstoffe: Vor 15 Jahren haben wir unseren Feldversuch in Berlin abgeschlossen, in dem wir Wasserstoff als Treibstoff für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren untersucht haben. Darauf aufbauend haben wir uns seit rund zehn Jahren intensiv mit der Brennstoffzelle befasst. Wir haben mittlerweile genügend Know-how gewonnen, um ab 2002 diese Technik in Bussen auf den Markt zu bringen und ab 2004 die ersten Pkw folgen zu lassen.
Zum ersten Mal berichten wir jetzt über ein weiteres Schwerpunktthema der DaimlerChrysler-Forschung. Es ist als Forschungsprogramm so komplex wie die Mustererkennung und ähnlich wie VR oder Telematik auf ein ganz großes Ziel fokussiert. Dieses Ziel, diese Vision heißt: Wir wollen den unfallfreien Straßenverkehr!
Noch immer sterben auf der Erde zu viele Menschen im Verkehr. Allein in Deutschland starben im letzten Jahr über 7000 Personen an den Folgen von Verkehrsunfällen. In Europa waren es 44 000 Menschen. Rund 500 000 Menschen wurden allein in Deutschland durch Verkehrsunfälle verletzt. Jeder Tote und jeder Verletzte ist einer zu viel.
Weit über die Hälfte der verletzten oder getöteten Verkehrsteilnehmer sind Benutzer von Pkw. Es folgen die Benutzer von Motorrädern und die Fußgänger. Von den rund 500 000 durch Fahrzeugführer verursachten Unfällen in Deutschland 1999 sind 20 % auf zu schnelles Fahren zurückzuführen. 14 % beruhen auf Nichtbeachtung der Vorfahrt, 11 % auf ungenügendem Abstand, 7 % auf Fehlern beim Abbiegen und 4 % auf falschem Verhalten gegenüber Fußgängern.
Nur die rasanten Fortschritte der Elektronik werden die Umsetzung dieser Vision in die Realität möglich machen. Wir glauben, dass in den nächsten zehn, 20 Jahren die fahrzeugbedingten Verkehrsunfälle aufgrund unserer Arbeiten erheblich zurückgehen werden. Dazu benötigen wir hohe Rechengeschwindigkeiten und effiziente Algorithmen. Nur ein Automobilhersteller, der diese Technologien beherrscht, kann hier Schrittmacher sein. Wir arbeiten schon seit einigen Jahren an Systemen, um diese Vision eines „unfallfreien Straßenverkehrs“ umzusetzen. Manche basieren darauf, in den letzten Sekundenbruchteilen vor dem Unfall die Elektronik einschreiten zu lassen. Denn der Blick in die Unfallstatistik zeigt auch: Sehr viele Unfälle würden verhindert, wenn nur ein Fünftel einer Sekunde mehr an Zeit zur Reaktion zur Verfügung stehen würde. Einige dieser Systeme sind bereits verfügbar:
Durch zaghaftes Bremsen in Notsituationen wird oft kostbarer Bremsweg verschenkt. Der „Bremsassistent“ baut schnellstmöglich die maximale Bremskraft auf.
Der „Lane Departure Warner“ verhindert einen unbeabsichtigten Spurwechsel auf Autobahnen. Eine Kamera übersieht die Straße. Die intelligente Elektronik wertet die Kamerabilder aus und stellt fest, wenn sich das Fahrzeug ohne gesetzten Blinker nach rechts oder links bewegt. Wenn das System mehrfach anspricht, ist dies ein klares Zeichen für den Fahrer, dass er übermüdet ist. Dieses System wird gerade für Nutzfahrzeuge eingeführt und hat das Potenzial, viele schlimme Unfälle zu verhindern.
Noch im Forschungsstadium sind folgende Projekte:
Die „elektronische Knautschzone“, mit der ein Fahrzeug gebremst wird, wenn es einem vorausfahrenden Fahrzeug zu nahe kommt und der Fahrer vorher nicht reagiert, kann wesentlich zur Verhinderung von Auffahrunfällen beitragen.
Die Pre-Crash-Sensorik erkennt durch automatisches Scannen des Umfelds, wenn zwei Fahrzeuge zusammenzustoßen drohen. Sie warnt den Fahrer und — falls keine Reaktion erfolgt — greift kurz vor dem Zusammenstoß ein, wenn der Fahrer aufgrund seiner längeren Reaktionszeit keine Chance zum Abwenden der Gefahr mehr hat.
Mit „Night Vision“ wird die Sicht — auch auf Radfahrer und Fußgänger — bei Regen, Nebel und Gegenlicht erheblich verbessert.
Der „Fußgängerassistent“ merkt zuverlässiger als der Fahrer, ob beim Abbiegen rechts noch ein Fußgänger geht oder ein Radfahrer fährt.
Das Fahren mit dem Joystick anstelle des gewohnten Lenkrads bringt auch in Bezug auf die Unfallstatistik erhebliche Vorteile: Mit diesem System reagiert der Fahrer erheblich schneller als mit der konventionellen Bedienung.
Bei unseren Forschungsarbeiten zeigt sich immer wieder, dass Forscher, die sich ein Ziel setzen, auch Lösungen finden. Deshalb sind wir nicht gerade glücklich, wenn uns Politiker den Weg zum Ziel verbindlich festlegen wollen.
Wir wissen, dass der „Faktor Sicherheit“ ein starkes Kaufargument für Mercedes-Benz-Pkw ist. Vielleicht ist das Attribut „wesentlich seltener beteiligt an Verkehrsunfällen“ ein weiteres Argument – auch für Versicherungen. Ob Sicherheit, Qualität oder Komfort als Kaufargument, ob Markenwert oder Preis-Premium: Innovation zahlt sich auch betriebswirtschaftlich aus. Weil der Nutzen den Aufwand bei weitem übersteigt. Klaus-Dieter Vöhringer

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