Überzogen korrekt 02.10.2015, 07:46 Uhr

Wie das Google-Auto dem Menschen ähnlicher werden soll

Selbstständig fahrende Autos sollen den Straßenverkehr einmal sicherer machen und den fehleranfälligen Menschen hinterm Steuer ablösen. Nun aber möchte Google seinen Roboter-Fahrzeugen mehr „Menschlichkeit“ lehren. Grund: Das hyperkorrekte Verhalten der Autos sorgte mitunter für erhöhte  Unfallgefahr.  

Das selbstfahrende Google-Auto ist zu perfekt: Es hält sich an jede Geschwindigkeitsbegrenzung und überfährt auch im Notfall keine durchgezogenen Linien. Deshalb soll die Steuerung nun "menschlicher" werden. Das bedeutet: Kleine Regelverstöße sollen erlaubt sein.

Das selbstfahrende Google-Auto ist zu perfekt: Es hält sich an jede Geschwindigkeitsbegrenzung und überfährt auch im Notfall keine durchgezogenen Linien. Deshalb soll die Steuerung nun "menschlicher" werden. Das bedeutet: Kleine Regelverstöße sollen erlaubt sein.

Foto: Google/dpa

In der Regel sind Menschen hinterm Steuer in der Lage, die jeweils realen Verkehrsbedingungen den vorgeschriebenen Regeln überzuordnen – zum Wohl der Allgemeinheit. So fahren auf einem Autobahnabschnitt, auf dem 80 km/h erlaubt sind, wohl die meisten 90, wenn das der Geschwindigkeit entspricht, mit der sich die Blechlawine gerade fortbewegt. Eine strikte Anpassung an die 80 würde hier unter Umständen zu künstlichen Staus führen.

Ebenfalls fährt ein Fahrer, der als erster an der roten Ampel steht, vorsichtig ein, zwei Meter über die Linie, um von hinten heranbrausende Rettungsfahrzeuge durchzulassen. Dieser „menschliche Faktor“ fehlt Googles autonom fahrenden Autos offenbar derart stark, dass sie durch ihr überzogen korrektes Fahrverhalten sogar Unfälle provozieren.

Auch mal durchgezogene Linien kreuzen

Laut Google und einer vorgelegten Unfallstatistik ist bislang keines der kugelähnlichen Autos offiziell Schuld an einem Zusammenstoß. Mitunter bremsen die Fahrzeuge aber so abrupt, dass Hinterherfahrende oft keine Chance haben, einen Auffahrunfall abzuwenden. Deshalb soll nun Schluss sein mit „Don’t be evil“.

Zumindest an den Grenzen der Ordnungswidrigkeit sollen die Autos, die seit Sommer in den USA im Testbetrieb rollen, nun einmal schnuppern dürfen, sprich Kurven anschneiden, Verkehrsschilder ein bisschen missachten, Tempolimits toppen – alles in moderatem Rahmen und nur dann, wenn es der allgemeinen Sicherheit dient. Führt ein parkendes Auto auf der Straße dazu, dass ein Google-Car anhalten muss und so den Verkehrsfluss stoppt, hat es nun die Erlaubnis, durchgezogene Mittellinien auf der Fahrbahn zu überqueren – einprogrammiert im Silicon Valley.

Selbstfahrendes Auto mit Technik von Google in Mountain View in den USA: Manche Google-Autos bremsen aus Sicherheitsgründen so abrupt und früh, das nachfolgende Autofahrer damit nicht rechnen und auffahren.

Selbstfahrendes Auto mit Technik von Google in Mountain View in den USA: Manche Google-Autos bremsen aus Sicherheitsgründen so abrupt und früh, das nachfolgende Autofahrer damit nicht rechnen und auffahren.

Foto: Andrej Sokolow/dpa

Bislang seien die Autos und deren Software noch deutlich vorsichtiger als sie eigentlich sein müssten, zitiert das amerikanische Wall Street Journal Chris Urmson, der bei Google die Entwicklung fahrerloser Autos koordiniert. Aber: Ist die Idee hinter computergelenkten Fahrzeugen nicht gerade die, den Verkehr sichererer zu machen, das oft zitierte menschliche Versagen von den Straßen zu verbannen? Jetzt soll also wieder mehr „menschliches“ Verhalten hinzugefügt werden. Ein Kurswechsel?

Mensch und Maschine – im Zusammenspiel doch nicht kompatibel?

Vielleicht gäbe es tatsächlich weniger Unfälle, wenn nur noch selbstfahrende Autos auf den Straßen unterwegs wären. Tempoüberschreitungen wären nicht mehr notwendig, eben weil sich alle Autos an die vorgeschriebenen Limits hielten. Der gleichzeitige Einsatz zweier Systeme – menschliche Fahrer aus Fleisch und Blut auf der einen Seite und „Algorithmenlenker“ auf der anderen – führt in der Praxis offenbar zu größeren Problemen, als sich manche Entwickler einst ausgemalt haben dürften.

Sollte es irgendwann einen völlig autonom fahrenden Straßenverkehr geben, so wird es also vor allem die Übergangszeit sein, die Probleme bereiten wird. Mensch und Maschine sind eines vor allen Dingen offenbar doch nicht: auf einer Wellenlänge.

Bislang hat Google 50 autonom fahrende Autos gebaut, die auf Amerikas öffentlichen Straßen immerhin knapp zwei Millionen Kilometer zurückgelegt haben. Das deutsche Bundesverkehrsamt lässt Fahrzeuge im Autopilot hingegen bislang nur auf abgeriegelten Teststrecken und – mit seltenen Ausnahmegenehmigungen – auf ausgewählten Autobahnabschnitten zu. 

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