Remote-Tower-Konzept 20.05.2014, 06:55 Uhr

Von Leipzig aus wacht die Flugsicherung bald über vier deutsche Flughäfen

Um Kosten zu sparen, will die Deutsche Flugsicherung künftig auch Flugsicherung aus der Ferne betreiben. Dafür sollen in einem ersten Schritt ab August in Leipzig Hochleistungskameras installiert und getestet werden. Wenn beim Probebetrieb alles glatt läuft sollen künftig von dort aus die Flughäfen in Leipzig, Dresden, Erfurt und im 450 Kilometer entfernten Saarbrücken kontrolliert werden. 

Fluglotsen der Deutsche Flugsicherung (DFS) regeln im Düsseldorfer Tower den Luftverkehr. An kleineren Flughäfen sollen die Kontrolltürme nach DFS-Plänen demnächst geschlossen werden. Um Kosten zu sparen soll Flugsicherung aus der Ferne betrieben werden.  

Fluglotsen der Deutsche Flugsicherung (DFS) regeln im Düsseldorfer Tower den Luftverkehr. An kleineren Flughäfen sollen die Kontrolltürme nach DFS-Plänen demnächst geschlossen werden. Um Kosten zu sparen soll Flugsicherung aus der Ferne betrieben werden.  

Foto: dpa/Oliver Berg

Mit dem sogenannten „Remote-Tower-Konzept“ sollen Kosten gespart werden. Es gilt im Vergleich zum Kontrollturm als deutlich günstiger. 

Bereits eine Geräte-Ausschreibung für Saarbrücken

Als voraussichtlich erster der drei Flughäfen wird Saarbrücken die eigene Flugsicherung verlieren. Für Saarbrücken sind von der DFS bereits die Geräte für die Echtzeit-Video-Übertragung der Fernsehbilder ausgeschrieben worden. Neben hochauflösenden Fernsehkameras müssen dort wie später auch in Erfurt und Dresden verschiedene meterologische Geräte, speziell Sensoren, sowie Kameras, die Bewegungen auf dem Flughafen (auch von Kraftfahrzeugen) bei Tag und Nacht festhalten, installiert werden. Führender Anbieter von Geräten für die Flugsicherung aus der Ferne ist derzeit der schwedische Saab-Konzern mit seinem Sensis-System.

Probebetrieb ab 2016

Die DFS geht davon aus, dass zur Mitte dieses Jahres die Aufträge für die Geräte-Lieferungen für Saarbrücken vergeben sein werden. Bis Ende kommenden Jahres müssten dann diese Geräte installiert worden sein. 2016 soll der Probebetrieb laufen. Am Ende der Testphase steht die Zulassung für die Flugsicherung aus Leipzig für den Flughafen Saarbrücken. Wenn all das 2016 über die Bühne geht, sollen Erfurt und Dresden bis zum Jahre 2018 folgen.

Hoher Flugsicherungs-Personalbedarf auch für kleine Flughäfen

Derzeit beschäftigt die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Saarbrücken, Erfurt und Dresden jeweils zwischen 12 und 18 hochbezahlte Fluglotsen. Hinzu kommen an allen diesen Plätzen noch eine Reihe von Hilfskräften. Sie kontrollierten 2012 in Dresden 25.800 so genannte Flugzeugbewegungen. In Saarbrücken und Erfurt waren es deutlich weniger Starts und Landungen.

Weniger Starts und Landungen

Seit einiger Zeit geht die Zahl der Flugbewegungen zurück. Zum einen weil die Fluggesellschaften für ihre Flüge größere Flugzeuge einsetzen. Das ist kostengünstiger als zusätzliche Flüge anzusetzen. Teilweise werden Flüge zusammengelegt, um auf diese Weise Einsparungen zu erreichen. Zudem wächst der Flugverkehr in Deutschland längst nicht mehr so stark wie in früheren Jahren. So nahm die Zahl der Flugbewegungen in Dresden 2012 um 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. Das wirkt sich aber nicht auf den Personalbedarf der örtlichen Flugsicherung aus: Während der Betriebsstunden, in denen der Flughafen  geöffnet ist, muss die Flugsicherung voll funktionsfähig sein – auch wenn beispielsweise in einer Stunde kein Flugzeug landet oder startet.

Vom Remote-Tower-Center aus überwacht ein Fluglotse den Verkehr aus der Ferne.

Vom Remote-Tower-Center aus überwacht ein Fluglotse den Verkehr aus der Ferne.

Quelle: Saab Sensis

Rechtlich ist die Flugsicherung aus der Ferne längst zulässig. Die International Civil Aviation Organisation (ICAO) lässt sie mit den Dokumenten 4444 und 9426 ausdrücklich zu. Die europäische Flugsicherung, Eurocontrol, hat sie ebenfalls  bereits abgesegnet.

Andere Länder praktizieren Flugsicherung aus der Ferne bereits

Sowohl in Skandinavien wie auch in Alaska gibt es bereits Flughäfen, die von Fluglotsen aus der Ferne betreut werden. Australien bereitet Ähnliches vor. In Kontinentaleuropa tragen sich mehrere Länder mit ähnlichen Plänen, die allerdings meist nur dort eine Verwirklichungschance haben, wo die Flugsicherung entweder ganz privatwirtschaftlich betrieben wird oder zumindest teilprivatisiert ist. Bei rein staatlichen Fluglotsen ist der Widerstand gegen die Fernbetreuung als Rationalisierungsmaßnahme meist sehr hoch. Das gilt speziell für Frankreich, Spanien und Italien.

Von Peter Odrich
Von Peter Odrich

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