Eurobike 2012 07.09.2012, 12:00 Uhr

Vielfalt bei E-Bikes lockt neue Käufer

1250 Aussteller zeigten vorige Woche auf der Eurobike in Friedrichshafen neueste Zweirad-Trends. Die Branche will mit Nischenprodukten für Pendler, Familien und Gewerbetreibende neue Kunden aufs Rad locken. Außerdem nimmt die Zahl der elektrischen Antriebslösungen weiter zu.

E-Bikes beleben den Fahrradmarkt

E-Bikes beleben den Fahrradmarkt

Foto: ADFC

Das trübe Wetter im ersten Halbjahr hat das große Interesse an Pedelecs und E-Bikes nicht abflauen lassen. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) rechnet dieses Jahr mit 400 000 verkauften Einheiten, nach 310 000 im Vorjahr. Mittelfristig erwartet der Verband einen jährlichen Absatz von 600 000 Elektrofahrrädern. Verändertes Mobilitätsverhalten, neue Modellgruppen und technische Weiterentwicklungen ließen dieses Ziel realistisch erscheinen.

Auf der Messe Eurobike in Friedrichshafen füllte die Branche diese Einschätzung ihres Verbandes vorige Woche mit Leben. Etwa mit Faltpedelecs und elektrifizierten Lastenrädern. Beide Angebote sprechen Kunden an, die neuen Mobilitätslösungen gegenüber aufgeschlossen sind.

Kostenloses Gepäckstück in der Bahn: Das E-Bike als Faltrad

So bieten sich Falträder mit Elektroantrieb für Pendler an, die den Innenstadtstau umgehen wollen. Zusammengefaltet passen sie bequem in den Kofferraum und fahren auch in der Bahn als kostenloses Gepäckstück mit. Ausgeklappt versprechen sie flottes, unverschwitztes Fortkommen. Dafür stattet Biketronic aus Pasching/Österreich seinen 18 kg leichten „Falcon“ optional sogar mit zwei E-Motoren an Vorder- und Hinterrad aus. Ab 2013 soll der Falter zudem als 45 km/h schnelles S-Pedelec mit 2 kW Antriebsleistung auf den Markt kommen – anmeldepflichtig mit StVo-Ausstattung und TÜV-Zulassung. Biketronic spricht vom „ersten am Markt erhältlichen Faltmofa”.

Ein Manko von Falträdern ist die ölverschmierte Kette. Das südkoreanische Modell MandoFootloose verzichtet darauf und setzt stattdessen auf „Antrieb-by-wire”. Gestrampelt wird bei dem futuristischen Faltrad nur, um per Generator Strom zu erzeugen und so die angegebenen 30 km Akku-Reichweite zu steigern. Die Geschwindigkeit wird per Gasgriff reguliert. Laut Hersteller sind Varianten als 25 km/h schnelles E-Bike, als E-Scooter oder als „ePOD“ (Mix aus Motor- und Pedalantrieb) verfügbar. Mitte 2013 soll das Fahrrad ohne Kette in den Handel kommen.

Neue Wege beim Antrieb geht auch der dänisch-niederländische E-Bike-Spezialist Protanium. Statt auf Kette und E-Motor setzen die Kopenhagener auf einen Kardanantrieb, den sie elegant in der rechten Schwinge zwischen Pedalkurbel und Hinterradnabe unterbringen. Leistungsdaten des voll gekapselten Antriebs: 250 W, 36 V und 63 Nm Drehmoment. Beim Treten unterstützt er den Fahrer und stoppt sofort, wenn dieser den Rücktritt bedient.

In Friedrichshafen traten neue Antriebshersteller und etablierte Hersteller mit neuartigen Antriebslösungen auf den Plan. So will der Frontmotor-Spezialist TranzX künftig auch mit Mittelmotoren punkten, während die Platzhirsche Panasonic und Derby Cycle ihre Motorenpalette auf Heckantriebe ausdehnen.

Zusätzliche Konkurrenz: AEG steigt in den E-Bike-Markt ein

Daneben tritt mit der Elektrolux-Marke AEG ein ganz neuer Akteur in den Boom-Markt der Elektrofahrräder ein. In Zusammenarbeit mit der hessischen Bike-Solutions hat AEG-E-Bike im Grunde einen modularen Antriebsstrang entwickelt, dessen Herzstück wahlweise ein Mittel- oder Hinterradmotor ist.

Beim Mittelmotor handelt es sich um einen schlanken Scheibenläufer, der ohne Getriebe auskommt und seine Leistung direkt auf die Tretlagerwelle überträgt. Weil weder ein Rahmenadapter noch Änderungen des Radstands nötig sind, eignet sich das 250 W (53 Nm) starke Aggregat auch als Nachrüstlösung. AEG-E-Bike bietet den Motor in Kombination mit einem eigens dafür entwickelten Kurbelsatz sowie einem Sensor-Innenlager zur Abnahme des Drehmoments an. Alternativ bietet der Hersteller einen ebenfalls 250 W starken Hinterradmotor mit 50 Nm Drehmoment, integriertem Controller und Drehmomentmessung. Beide Antriebe sind für rekuperative Auslegungen geeignet.

Auch Energiespeicher will AEG-E-Bike liefern. Wahlweise ist der hierzulande gefertigte 36 V Lithium-Ionen-Akku als Unterrohr- oder Gepäckträger-Akku verfügbar. Maximale Kapazität: 11,6 Ah (417 Wh) beim Unterrohr-Akku und 17 Ah (612 Wh) in der Gepäckträgervariante. Passend dazu hat der Hersteller einen Gepäckträger, ein LCD-Display und Griffe mit integrierter Fernbedienung entwickelt.

Lastenräder mit Elektroantrieb sind im Trend

Neben Faltpedelecs und neuen Antrieben liegen auch Lastenräder mit Elektroantrieb im Trend. Zwei Highlights der Eurobike setzen hier KTM und die hessische Riese&Müller. Während KTM auf einen Tiefeinsteiger mit zwei festen Körben setzt, der dank Bosch-Antrieb und 8-Gang-Nabenschaltung auch bei 150 kg Zuladung gut vorankommt, setzen die Hessen bei ihrem Modell „Load“ auf stark verlängerten Radstand und eine Ladefläche zwischen Lenker und Vorderrad. Ab 2013 soll dieser elektrifizierte Muli mit Bosch-Antrieb und drei Schaltungsoptionen in den Handel kommen. Zielgruppe: Lieferanten, Familien und Wohngemeinschaften, die ihren Einkauf bequem und umweltfreundlich erledigen wollen.

Einen komplett modularen Kindertransporter mit Elektroantrieb zeigte Zigo. Die Kinderkabine kann dabei je nach Bedarf vorn oder hinten an ein E-Bike mit Bionx-Motor angedockt werden oder als Kinderwagen und Jogger genutzt werden. Sind die Kinder abgeliefert, kann der Hänger stehen bleiben.

Unfallforscher befürchten schwerere Verletzungen durch E-Bikes

Zunehmend rücken allerdings auch die Risiken der Elektrofahrräder in den Fokus. So befürchten Unfallforscher und -mediziner, dass die höheren Durchschnittsgeschwindigkeiten von Pedelecs und E-Bikes bei Unfällen zu drastischeren Verletzungen führen werden. Crashtests von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zeigen die Gefahren eindrücklich. Daneben bemängeln Prüforganisationen wie der TÜV Süd fehlende Standards und Zertifizierungen.

Auch gibt es große Skepsis gegenüber den benötigten Hochleistungsbatterien. ZVEI und ZIV forderten am Rande der Eurobike „klare Vorschriften für die sichere Bauweise der Hightech-Kraftpakete“. Die Risiken bei Kurzschluss und mechanischen Einwirkungen zeigen z. B. Tests der internationalen Battery Safety Organization (Batso) eindrücklich. Daher will die Organisation ihren Standard schnell in eine internationale IEC-Norm zu überführen.

 

Von Peter Trechow

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