Verkehrssicherheit 14.03.2003, 18:24 Uhr

Versicherer konzentrieren ihre Unfallforschung

Die Unfallforschung der deutschen Versicherer wird ab Ende 2003 in Berlin zentralisiert. Als neues „Verkehrstechnisches Institut der Deutschen Versicherer“ (VTIV) soll die engere Kooperation mit den Experten der Versicherungswirtschaft die Forschung publikumswirksamer machen. Rund 50 Unfallforscher aus München und Köln ziehen nun in die Hauptstadt.

Mehr Sicherheit im Straßenverkehr haben sich die deutschen Versicherer schon seit Jahrzehnten auf ihre Fahnen geschrieben. Sicherheitseinrichtungen und -vorschläge wurden von der Unfallforschung der Autoversicherer seit 1951 bzw. 1969 in zwei Büros in Köln und München entwickelt und gefördert. Bis zum Jahresende wird nun der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) seine Forschungsarbeiten im „Verkehrstechnischen Institut der Deutschen Versicherer“ (VTIV) in Berlin fusionieren.
Seit Jahren kämpfen die Autoversicherer z.B darum, das Unfallrisiko junger Fahrer zu senken. Aktuell unterstützen die Assekuranzen die Forderung nach einer zweistufigen Fahrausbildung. Sie wird schon bald gesetzliche Pflicht werden. Doch die Versicherer sind bereits einen Schritt weiter. Jetzt wollen sie, dass das Autofahren bereits für Fahrer ab 17 Jahren, wenn auch unter Aufsicht, salonfähig wird.
Basis und Triebfeder solcher politischen Appelle ist die eigene, seit über 40 Jahre aktive Unfallforschung. Unzählige Verkehrsteilnehmer verdanken den innovativen Ideen der Wissenschaftler ihr Leben und ihre Gesundheit. Kaum wegzudenken sind heute Fahrbahnmarkierung, 2+1-spurige Straßen, reflektierende Leitpfosten, der „Gurt-Klick“ vor dem Starten des Autos oder die Rückhaltesitze für Kinder.
Doch gerade die historisch bedingte Spezialisierung – das Kölner Institut für Straßenverkehr (ISK) kümmert sich um die sichere Straßengestaltung und das Münchener Institut für Fahrzeugsicherheit (IFM) um sichere Kraftfahrzeuge – ist nun wohl ein Grund dafür, die gesamten Unfallforschung in? Berlin zusammenzufassen. „Themen wie gefahrlose Alleen, junge Fahrer oder Kindersicherheit können an einem Ort noch koordinierter erforscht werden“, sagte Klaus Brandenstein, GDV-Pressesprecher, gegenüber den VDI nachrichten.
Die verheerende Wirkung von Zusammenstößen mit Bäumen kann z.B. nicht nur durch Auswertung von realen Fahrzeugunfällen, sondern muss gleichzeitig durch Analyse der örtlichen Unfallschwerpunkte beschrieben werden. Fahrzeug- und Straßenforschung greifen dann ineinander. Auch Problemfelder wie Motorradsicherheit, Nässeunfälle und komplexe Fahrerassistenzsysteme sollen künftig stärker aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden.
Mit der Fusion der Unfallforschung in Berlin glaubt der GDV-Geschäftsführer Stefan Richter, auch ohne Abstriche an der wissenschaftlichen Qualität Kostensynergien realisieren zu können. „Die gesamte elektronische Datenverarbeitung der Unfallforscher kann in die bestehende Großrechner-Anlage des GDV integriert werden“, erläutert er den VDI nachrichten. Folgen hat die Fusion für die rund 50 Mitarbeiter in Köln und München: Sie müssen in die Bundeshauptstadt umziehen.
Für bestimmte Härtefällen hat der GDV „eine für beide Seiten interessengerechte Lösung entwickelt“, so Richter. „Eine genau definierte Anzahl von Kollegen, die den Umzug aus Altersgründen nicht mehr leisten können, erhalten voraussichtlich einen Telearbeitsplatz, an dem sie von zu Hause aus arbeiten.“
Von der direkten Integration der Unfallforschung in die Verbandsstruktur verspricht sich der GDV zudem, dass die Wissenschaftler noch stärker praxisorientiert arbeiten. Bestes Beispiel hierfür sei die bereits intensive Kooperation zwischen den Transportversicherern und den Lkw-Forschern. Während die Transportversicherer immer mehr Schäden durch ungesicherte Ladung beklagten, hätten die Unfallforscher gleichzeitig die frei bewegliche Ladung als tödliches Unfallrisiko entlarvt und beide Seiten gemeinsam die rasenden Kleintransporter als besondere Übeltäter ausgemacht. An der Stelle wird nun weitergeforscht. Gleichzeitig fordert die Versicherungswirtschaft schon heute ein Tempolimit von 130 km/h für die rasenden Mini-Laster.
„Je aktueller wir mit unseren Ergebnissen in die Öffentlichkeit gehen können, desto größer sind die Chancen auf eine rasche Umsetzung“, sagte Richter. So kämpft der Verband derzeit für ein Verbot von „Bullenfängern“ an Off-Road-Fahrzeugen. „Unsere Unfallforscher können die Gefährlichkeit dieser Angeber-Gestelle für Fußgänger klar belegen“, sagte Richter. Für Furore soll auch der gerade in Entwicklung befindliche „Crash-Test für Straßen“ sorgen. Er enthüllt gefährliche Strecken und dürfte so manche Behörde gehörig wachrütteln.
Mehr Außenwirkung für die Versicherungsbranche erhofft sich der GDV-Chef aber auch vom neuen Namen. Als „Verkehrstechnisches Institut der Deutschen Versicherer“ sei die Herkunft der Unfallforschung schon im Namen präsent. „Wir wollen Schäden verhüten, statt sie später zu vergüten“, meinte Richter. Dabei gehe es der Branche nicht nur um gesellschaftliches Ansehen, sondern auch um ein vitales Eigeninteresse. „Weniger Schäden bedeutet stabile Prämien.“ Versicherung blieben so bezahlbar und verkäuflich. Ganz zu schweigen vom menschlichen Leid, das durch Unfallprophylaxe vermieden werde. Dafür ist die Branche bereit, ordentlich zu investieren. Die jährlichen Forschungsaktivitäten dürften einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen.
UWE SCHMIDT-KASPAREK/WOP

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