Weniger Verkehrschaos als angekündigt 11.08.2013, 08:03 Uhr

Verkehrsteilnehmer stellen sich auf angekündigte Behinderungen ein

Verkehrsbehinderungen aufgrund von Straßensperrungen und Baustellen sind meist nicht so dramatisch wie vorher erwartet. Oftmals treten Staus und Chaos gar nicht ein. Nach einer Studie der TU Wien stellen sich die Verkehrsteilnehmer meist auf veränderte Situationen ein.

Staus müssen nicht sein: Forscher der Wiener TU meinen, dass Autofahrer auf andere Verkehrsmittel wie Bus, Bahn und Fahrrad ausweichen, wenn sie rechtzeitig von Verkehrsstörungen erfahren. Das gilt besonders bei absehbaren Straßensperrungen, Bauarbeiten oder Großereignissen.

Staus müssen nicht sein: Forscher der Wiener TU meinen, dass Autofahrer auf andere Verkehrsmittel wie Bus, Bahn und Fahrrad ausweichen, wenn sie rechtzeitig von Verkehrsstörungen erfahren. Das gilt besonders bei absehbaren Straßensperrungen, Bauarbeiten oder Großereignissen.

Foto: TU Wien

Verkehrsstaus sind der Alltag in allen Großstädten: Sie entstehen nicht nur durch zu viele Autos, sondern vorübergehend auch aufgrund lokaler Veränderungen wie Fahrbahnsperrungen, Baustellen und Verengungen. Manchmal fallen Straßen für die Autofahrer jedoch ganz weg, wenn etwa aus einer Verkehrsstraße zu einer Fußgängerzone wird. Diese Verkehrsbehinderungen sind vorhersehbar.

Nicht vorhersehbar dagegen sind kurzfristige Behinderungen aufgrund von Unfällen, schlechter Witterung und erhöhtem Verkehrsaufkommen durch Reiseverkehr oder Berufsverkehr. Verkehrswissenschaften der TU Wien haben jetzt untersucht, wie das Verhalten der Verkehrsteilnehmer bei Behinderungen tatsächlich aussieht und dabei festgestellt, dass die angekündigten Staus oftmals gar nicht eintreten.

Verkehrsbehinderungen werden oftmals überschätzt

Für die vorhersagbaren Behinderungen werden üblicherweise Computermodelle eingesetzt, die das veränderte Verkehrsaufkommen berechnen sollen. Die eingesetzten Rechenmodelle jedoch prognostizierten oftmals große Probleme auf der Straße, denn sie berücksichtigen einige Punkte auf der Straße nicht.  „Wenn die Auswirkungen von Verkehrssperren prognostiziert werden sollen, verwendet man heute meist recht einfache Computermodelle“, erklärt Harald Frey vom Institut für Verkehrswissenschaften der TU Wien. Das Rechenmodell des Computers verteilt den Verkehr der gesperrten Straße dann einfach nach bestimmten mathematischen Regeln auf die anderen Straßen. Unberücksichtigt bleiben dabei das Verhalten der Verkehrsteilnehmer sowie das veränderte meist zurückgehende Verkehrsvolumen.

Rechtzeitige Informationen entzerren den Stau

„Entscheidend ist, dass die Verkehrsbehinderung rechtzeitig bekannt ist“, betont der Verkehrswissenschaftler Harald Frey. Erfährt der Verkehrsteilnehmer von einem Unfall oder einer Baustelle auf seiner Strecke erst, wenn er bereits unterwegs ist, bleibt nur das Ausweichen auf eine andere Straße. Wird jedoch eine Sperre langfristig angekündigt, kann der Verkehrsteilnehmer auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen oder möglicherweise ganz auf die Fahrt verzichten.  „Stau ist somit auch ein Instrument zur Verkehrserziehung“, erklärt Frey.

Ein gutes Beispiel dafür war die Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich, als die Wiener Ringstraße – normalerweise stark befahren – zur Fußball-Fanzone erklärt wurde. Damals kam es nur bedingt zu Verkehrsproblemen, da rechtzeitig von dem Großereignis über mögliche Verkehrsbeeinträchtigungen informiert wurde. Folglich ging der Autoverkehr zurück und die Bewohner stiegen auf andere Verkehrsmittel wie Busse, Bahnen und das Fahrrad um. Vor allem die Passagierzahlen der Straßenbahnen ging stark nach oben. Standard-Rechenmodelle sagten dagegen ein viel höheres Auto-Aufkommen vorher.

450 000 Kilometer Stau im Jahr 2011 auf deutschen Straßen

Ähnlich verhält es sich offenbar mit den Staus auf Autobahnen. 2011 erhöhte sich die Zahl der Staus auf 189 000, die Gesamtlänge der Staus stieg um 50 000 auf 450.000 Kilometer, errechnete der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC). Die Verkehrswissenschaftler sind jedoch der Meinung, dass ein Verkehrsaufkommen keine Konstante ist, sondern sich vielmehr nach den vorhandenen Kapazitäten richtet. Sie bestätigen die These, dass neue Straßen auch neue Verkehre erzeugen.

Auch könne der Bau einer Ausweichroute zu weniger Entlastung führen als erhofft, wenn weiterhin die gewohnte Strecke zur Verfügung steht und deshalb auch gefahren wird.

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