Verkehr 07.12.2007, 19:32 Uhr

Verkehrsplanung braucht integrierte Konzepte  

VDI nachrichten, Braunschweig, 7. 12. 07, wop – Immer mehr Menschen ziehen in Ballungsräume. In der Folge verstopfen dort die Verkehrsadern. Über die Zukunft der urbanen Mobilität diskutierten internationale Experten Ende November auf dem VDI-Gesamtverkehrsforum in Braunschweig. Dabei standen u. a. Probleme, die durch den Verkehr entstehen, ebenso zur Debatte wie Möglichkeiten, den wachsenden Verkehr effizienter, sicherer und umweltschonender zu gestalten.

Doch obwohl die rechtlichen Voraussetzungen hierzulande gut sind, stößt konkrete Planung schnell an Grenzen. Etwa bei Standortentscheidungen für verkehrsintensive Unternehmen. Laut Dr. Friedemann Kunst, Leiter der Abteilung Verkehr in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, scheitert die Verkehrsvermeidung hier „noch zu oft an den Widersprüchen zwischen Wirtschafts-, Sozial- und Verkehrspolitik“. Über ähnliche Probleme bei der Verkehrsanbindung neuer Vorstadtquartiere, wo gute Ansätze oft an Interessenkonflikten zwischen Städten und umliegenden Gemeinden scheiterten, sprach Prof. Dr. Klaus J. Beckmann, Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) in Berlin.

„Es fehlt an regionalen Verkehrskonzepten“, bemängelte Beckmann. Um den Verkehr in Ballungsräumen zukunftsgerecht zu gestalten, forderte er vernetztes Denken ein. Jede Planung sei auf ihre sozialen und wirtschaftlichen Folgen hin zu prüfen sowie auf ihre Folgen für Klima und Umwelt.

Generell plädierten Beckmann und Kunst für eine Aufwertung der Innenstädte. „Der Trend geht dahin, dass wieder mehr Menschen mit Kindern und Ältere dort wohnen bleiben wollen“, so der Difu-Chef. Oft würden sie dann angesichts kurzer Wege bewusst auf ein Auto verzichten. Dadurch ergäben sich neue Anforderungen an urbane Mobilität. Doch fehle das Geld für Erhaltung, Ausbau und Umbau der Verkehrsinfrastruktur.

Beckmann sprach sich darum für belastungs- und emissionsabhängige Abgaben aus. Etwa leistungsgerechte Preise im ÖPNV, eine City-Maut oder eine Abgabe für Unternehmen, die gut erschlossene Standorte nutzen.

Kunst teilt viele Vorstellungen Beckmanns. Doch berichtete Berlins oberster Verkehrsplaner von einer Kluft zwischen Zielen und der komplexen Realität – die teils nicht hinnehmbar sei.

So seien Bewohner der Innenstädte, die am wenigsten zum Verkehr beitragen, den Belastungen am stärksten ausgesetzt. Laut Beckmann sind in Berlin zwei Drittel der Verkehrstoten Fußgänger und Radfahrer, Lärm und Abgase sind in großen Straßen kaum erträglich und Kinder sind in ihrer Mobilität oft erheblich eingeschränkt.

Berater Kunst plädiert für einen Interessenausgleich zwischen motorisiertem, nicht motorisiertem, öffentlichem und privatem Verkehr. Da in der Stadt bereits 98 % der verfügbaren Infrastrukturflächen verteilt seien, müssten dafür bisherige Privilegien auf den Prüfstand. Unter anderem richtet Berlin gerade ein Umweltzone ein, um eine Modernisierung der Fahrzeugflotte in der City zu erzwingen, es verlegt Radwege von Gehwegen auf Straßen und weist Busspuren aus, um den motorisierten Individualverkehr etwas zurückzudrängen.

Kunst kann sich mehr vorstellen: „Langfristig ist eine Individualisierung kollektiver Verkehrsmittel und die Kollektivierung individueller Verkehrsmittel sinnvoll. Sei es durch Carsharing, Call-a-Bike oder nachfrageorientierte Busrouten außerhalb der Stoßzeiten“, sagte er.

Verkehrsplaner Kunst ist sich bewusst, dass auch flüssigerer Verkehr auf verstopften Straßen die Attraktivität der Städte hebt. Viele Hoffnungen ruhen hier auf Verkehrsmanagement, wo aber noch vieles im Argen läge. Es sei ungeklärt, wie Menschen auf Verkehrsinformationen reagieren, ob sie sich überhaupt einen Gefallen tun, wenn sie Staumeldungen beachten, und das Management selbst ist ebenfalls kein Selbstläufer.

Es gebe Schwierigkeiten, heterogene Außenanlagen und Leitstellen zu vernetzen, die mit Hard- und Software unterschiedlichster Epochen und Hersteller arbeiten, erklärte Wilke Reints, Deutschlandleiter Verkehrsmanagement von Siemens Intelligent Traffic Systems: „Es geht erst darum, Schnittstellen zu schaffen, ehe daran zu denken ist, aus den gesammelten Informationen gesicherte Handlungsempfehlungen abzuleiten.“ Doch diese Mühe führt nicht immer zum Ziel. Wie Reints berichtete, befolgen Autofahrer Handlungsempfehlungen um so weniger, je kurzfristiger sie bei ihnen eintreffen.

PETER TRECHOW/WOP

Buch zum Thema: Herbert Heitland. Alternativen im Verkehr – Abschätzungen ihrer Chancen und Risiken durch PC-Simulationsmodelle. Frank & Timme GmbH, Berlin 2007. 166 S., 100 Abb., Preis mit CD: 19,80 ¿. ISBN 978-3-86596-087-0.

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