12.02.1999, 17:20 Uhr

Verkehrslärm nervt ohne Ende

Immer mehr Bürger klagen über unerträglichen Verkehrslärm. Doch anders als in Betrieben und auf Baustellen gibt es beim Straßenlärm kaum Aussicht auf Besserungen.

Die Deutschen lieben ihr Auto – aber dessen Lärm lieben sie nicht. Etwa 70 % aller Bürger, so Dieter Gottlob, Lärmexperte am Umweltbundesamt (UBA) in Berlin, fühlen sich vom Straßenlärm belästigt. Über Fluglärm klagen 35 %, über Schienenverkehr, Industrielärm oder zu laute Nachbarn je 20 %.
Die Folgen von Dauerlärm sind inzwischen erwiesen. Erhebungen haben ergeben, daß Häuser an Straßen mit jedem Dezibel (dB (A)) Lärmzunahme 0,5 % ihres Wertes verlieren. Lärm führt auch zu erheblichen Gesundheitsbeeinträchtigungen. Solange Lärm die einzige Belastung sei, verträgt der Mensch kurzzeitig zwar Pegel bis 90 dB – das entspricht starkem Verkehrslärm oder lauter Musik – ehe es zur Ausschüttung von Streßhormonen kommt. In Verbindung mit anderen Anspannungen reichen aber schon Pegel um 69 dB aus, um die Streßhormone Adrenalin und Noadrenalin freizusetzen. Die erhöhte Hormonausschüttung führt zu einer Änderung des Calzium-Magnesium-Verhältnisses in den Blutgefäßen. Im Herzmuskel bewirkt dies eine „künstliche Alterung“.
„Menschen, die an Straßen mit Lärmpegeln von mehr als 65 bis 70 dB (A) wohnen, haben ein etwa 20 % erhöhtes Herzinfarktrisiko“, warnt Hartmut Ising, Mediziner am Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene des UBA. Das betrifft etwa 16 % oder 13 Mio. Bundesbürger. Straßenlärm ist damit nach dem Rauchen der bedeutendste Risikofaktor für Herzinfarkte. Würden alle Straßen, in denen Lärmpegel über 75 dB (A) herrschen, verkehrsberuhigt, wären 1 % weniger Herzinfarkte zu erwarten – immerhin etwa 1500 weniger pro Jahr.
Bei bestehenden Straßen gibt es kaum Möglichkeiten für die Betroffenen, auf Verbesserungen zu bestehen. „Für 90 % aller Straßen gibt es keine Regelungen, um den Lärm zu mindern“, so UBA-Experte Gottlob. Lediglich bei der Planung neuer Straßen würden Lärmemissionen geprüft: Danach dürfen 59 dB (A) am Tage und 49 dB (A) nachts nicht überschritten werden. Ergibt die Prognose eine Überschreitung, sind Lärmschutzmaßnahmen vorgeschrieben.
Mehr Ruhe können neben Geschwindigkeitsbegrenzungen und Verkehrslenkung technische Neuerungen schaffen. Allerdings sind Auto und Lkw-Motoren inzwischen so leise, daß die Rollgeräusche ab 40 km/h bis 60 km/h als Lärmquelle dominieren. Für leise Reifen, die gleichzeitig auch noch den Teibstoffverbrauch um 5 % reduzieren, hat das UBA inzwischen das Umweltzeichen „Blauer Engel“ vorbereitet: Solche Pneus haben ein geändertes Profil und eine weichere Gummimischung. Doch den Reifenherstellern sind die Werte für den Blauen Engel zu ehrgeizig. So gibt Continental in Hannover an, mit einem neuen Reifen den geforderten Geräuschpegel zwar nur knapp zu verfehlen, allerdings rentiere sich weiterer Entwicklungsaufwand für leisere Reifen nicht. Den Kunden sei Sicherheit weit wichtiger als Lärmschutz.
Gleichzeitig arbeitet die Industrie an leiseren Straßenbelägen. Sogenannte Drain-Asphalte sind offenporig und reflektieren den Schall nicht so stark wie die heutigen, geschlossen Oberflächen. Allerdings prüft das UBA noch, ob Wasser eindringen und im Winter die Oberfläche sprengen kann und ob die neuen Beläge wie gefordert 15 bis 20 Jahre halten. Insgesamt erwarten Experten von leisen Reifen und Fahrbahnen ein Minderungspotential von 3 dB (A) in Innenstädten. Größere Erfolge feiern die Lärmschützer bei Gewerbe und Industrie. „Das ist heute fast kein Thema mehr“, sagt Volker Irmer, Leiter des Fachgebietes Lärmminderung am UBA. Die TA Lärm von 1968 habe die Emissionen genehmigungsbedürftiger Anlagen deutlich gesenkt. Seit der Novellierung der TA im vergangenen November würden auch nicht genehmigungsbedürftige Anlagen überprüft. Ziel ist es, den Restlärm durch Lärmprognosen bei Neuanlagen oder wesentlichen Betriebsänderungen langfristig noch einmal um 5 bis 10 dB (A) zu senken. Erfolge vermeldet auch Eberhard Fischer-Scheikh-Ali, beim UBA zuständig für Baulärm. Die meisten großen Baumaschinen wie Bagger und Radlader seien heute lärmgedämpft.
Darum faßt das UBA nun die Bauorganisation ins Auge. Außer der Bestimmung, nachts keinen Lärm zu mache, gelten hier an Werktagen keine Einschränkungen. Stefan Becker vom Schalltechnischen Büro BeSB GmbH in Berlin hat an der Baustelle einer Sparkasse in Dessau untersucht, welchen Lärmpegeln die Anwohner ausgesetzt sind. Der Krach bei der Anlieferung des Beton, beim Zusammenhämmern einer Verschalung oder beim Einsatz von Kreissägen sollen gemindert werden: indem solche Arbeiten dort plaziert werden, wo der Abstand zur nächsten Wohnbebauung am größten ist, durch lärmarme Sägeblätter oder durch Fertigverschalungen, die fernab in der Werkstatt gefertigt werden.
Doch Becker weiß: „Dabei gibt es viele praktische Probleme, seien es Anfahrtswege oder Platzprobleme“. Um die Möglichkeiten lärmarmen Bauens zu erkunden, will das UBA beim Bau des neuen Amtsgebäudes in Dessau mit gutem Beispiel vorangehen und fordert in den Ausschreibungen erstmals, daß die Baustelle so geplant wird, daß die Anwohner nicht unnötig belästigt werden. Becker: „Wenn man sich schon bei der Planung Gedanken über den Lärmschutz macht, kann man ohne Mehrkosten mit organisatorischen Maßnahmen einiges erreichen.“
MARCUS FRANKEN
Nur wenige Bundesbürger haben das Pech, direkt in einer Einflugschneise zu wohnen. Dennoch fühlt sich bundesweit mehr als jeder Dritte durch Fluglärm belästigt. Fluglärm ist eine Schallquelle, die besonders stark die Gesundheit schädigen kann.

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