Eröffnung vielleicht 2020 02.12.2019, 10:06 Uhr

BER verschlingt nochmal 300 Millionen Euro

Nein, das ist keine Satire: BER soll nun wirklich am 31. Oktober 2020 eröffnen. Das bestätigte der Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. In Tegel soll nur wenige Tage später kein Flieger mehr starten und landen. Eine weitere Meldung sorgt aber wieder für erzürnte Reaktionen: In den Jahren 2021 bis 2024 sollen die Kosten für den Hauptstadtflughafen 300 Millionen Euro höher liegen als geplant. Geht der Irrsinn also weiter?

Der BER am 19. Mai 2017: Der Hauptstadtflughafen sieht eigentlich fertig aus. Und doch werden die Arbeiten an der zu klein dimensionierten Sprinkleranlage erst Ende 2017 abgeschlossen. Die Eröffnung 2018 ist wohl nicht mehr zu schaffen – vielleicht 2019.

Der BER am 19. Mai 2017: Der Hauptstadtflughafen sieht eigentlich fertig aus. Und doch werden die Arbeiten an der zu klein dimensionierten Sprinkleranlage erst Ende 2017 abgeschlossen. Die Eröffnung 2018 ist wohl nicht mehr zu schaffen – vielleicht 2019.

Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Diesmal soll alles besser werden: Der Flughafen BER soll am 31. Oktober 2020 Eröffnung feiern. Am 8. November schließt kurz darauf der Flughafen Tegel. Der Umzug von Tegel nach Schönefeld soll in 3 Schritten durchgezogen werden. Noch kann man es kaum glauben, dass in weniger als einem Jahr tatsächlich Flugzeuge am BER landen und starten werden.

Von Tegel nach Schönefeld in 3 Schritten

Im ersten Schritt ziehen am 31. Oktober die größte Airline Easyjet sowie einige weitere Fluggesellschaften nach Schönefeld um. Weiter geht es dann am 3. und 4. November. Der letzte Schritt betrifft die Schließung von Tegel am 8. November 2020. Zum Umzug der Lufthansa-Gruppe als zweitgrößter Anbieter in Berlin, ließ Lütke Daldrup nichts verlauten. Als Entlastung sind Flüge vom alten Terminal in Schönefeld für einige Jahre geplant, um BER so lange es geht den Rücken frei zu halten.

Nun soll es endlich gut werden: Um den Start des Flughafens nicht weiter zu gefährden, sei ein „intensiver Probebetrieb“ zwischen April und Oktober 2020 eingeplant.

Was lange währt…

Seit Jahren verschiebt sich die Eröffnung des neuen Airports. Seit 2006 wird an dem Flughafen in Berlin gebaut; im Jahr 2011 sollte Eröffnung gefeiert werden. Nun sind es 9 Jahre später. Erinnerungen werden wach, wie vor genau 2 Jahren im Dezember 2017 das geplante Startdatum doch noch verschoben wurde. Die Baukosten steigen derweil ins Unermessliche. Aktuell liegen sie bei mehr als 6,5 Milliarden Euro. Nach der Eröffnung sei es damit noch lange nicht getan. Für die Jahre 2021 bis 2024 seien Kosten von 792 statt 508 Millionen Euro nötig. Das sind 300 Millionen Euro mehr als angedacht. Die Finalisierung des Hauptterminals benötige laut Medienberichten noch 212 Millionen Euro an Nachlaufkosten. Weiterhin bestehe Mehrbedarf von rund 60 Millionen Euro für den Masterplan 2040.

Mittlerweile zählt das BER-Projekt zu den peinlichsten in ganz Deutschland. Wer einen Blick über den Tellerrand wagen möchte, sollte nach China schauen. Dort eröffnete Pekings Giga-Flughafen Beijing Daxing Airport nach 4 Jahren Bauzeit.

Rückblick BER: Wie alles begann

Wie schön, dass die Bundeshauptstadt vor vielen, vielen Jahren beschlossen hat, dass eine Hauptstadt auch einen Hauptstadtflughafen braucht. Wir hätten viele Berichte nicht schreiben und viele Lachtränen nicht weinen können wie diese hier über den Vorschlag der CDU, den Flughafen einfach abzureißen und nochmal neu anzufangen. Es folgte die nächste Episode der unendlichen Geschichte. Der Flughafen BER wollte einen Eröffnungstermin nennen. Alle Welt dachte, dass wohl Ende 2018 der Betrieb beginnen könnte.

Flughafenchef legt sich auf keinen Termin fest

Zu früh gefreut: Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup zuckte nach einer Sitzung des Aufsichtsrates nur mit den Schultern. Immerhin konnte er sagen, dass es 2018 nicht klappen wird. 2019 vielleicht? Im Sommer, da kann er vielleicht mehr sagen. Könnte aber auch 2020 werden, denn dann wird erst das neue Flughafenterminal für die Billigflieger fertig. Erst? Ein Jahr früher als geplant! Verspricht jedenfalls Lütke Daldrup.

Counter im unfertigen BER-Terminal: Der Flughafen ist schon jetzt zu klein und will deshalb für Billigflieger ein Billigterminal bauen. Die Halle wird in Modulbauweise gefertigt. Sie soll sogar nur halb so viel kosten wie ursprünglich geplant – und schneller fertig werden.

Counter im unfertigen BER-Terminal: Der Flughafen ist schon jetzt zu klein und will deshalb für Billigflieger ein Billigterminal bauen. Die Halle wird in Modulbauweise gefertigt. Sie soll sogar nur halb so viel kosten wie ursprünglich geplant – und schneller fertig werden.

Quelle: Bernd Settnik/dpa

Neues Terminal? Ja, denn der BER ist ja schon jetzt, obwohl noch gar nicht eröffnet, viel zu klein. Deshalb hatte die Politik ja auch am Hauptterminal ständig herumgedoktert, mehr Schalter einbauen lassen und damit schließlich den Brandschutz ad absurdum geführt. Denn die plötzlich viel größeren Passagierzahlen konnte das Terminal und vor allem die Lüftung im Fall eines Brandes nicht mehr bewältigen.

Neues Billigfliegerterminal soll nur halb so teuer werden

Und so will der BER eine weitere Abfertigungshalle bauen – und bei der soll alles gut laufen. Kostensteigerungen? Auf keinen Fall. Billiger soll es sogar werden. Denn beim weiteren Ausbau wollen die Verantwortlichen stärker auf die Kosten achten, wie Lütke Daldrup versichert. Na endlich. Wurde ja auch Zeit, stärker auf das Geld der Steuerzahler zu achten, nachdem die Kosten von ursprünglich zwei Milliarden Euro bei Baubeginn 2006 auf inzwischen 6,6 Milliarden gestiegen sind.

BER-Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im unfertigen Flughafenterminal: Er will jetzt stärker auf die Kosten und die Bauzeit achten. Deshalb baut der BER jetzt nur noch Hallen im Industriestandard.

BER-Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im unfertigen Flughafenterminal: Er will jetzt stärker auf die Kosten und die Bauzeit achten. Deshalb baut der BER jetzt nur noch Hallen im Industriestandard.

Quelle: Bernd Settnik/dpa

Also, das neue zusätzliche Abfertigungsgebäude neben dem Hauptterminal soll nur 100 Millionen Euro kosten. Und das wäre nur die Hälfte der bislang kalkulierten Kosten. Das gibt es nur in Berlin: Da freut man sich über eine Kosteneinsparung, die es bislang nur auf dem Papier gibt. Und es stellt sich ja die Frage, ob das Terminal jemals für 100 Millionen Euro fertig wird.

Und warum soll das Terminal so billig werden? Weil der BER jetzt in Modulbauweise in Industriebaustandard bauen will. Wir sind auf die Baumarkthalle gespannt. Flughafenchef Lütke Daldrup verspricht immerhin, dass die Halle, die im Jahr sechs Millionen Passagiere von Billigfluglinien abfertigen können soll, „schon“ 2020 fertig sein soll. Das wäre ein Jahr früher als bislang geplant. Noch eine Erfolgsmeldung.

BER: Wir bauen nur noch einfache Gebäude

Aus dem BER-Desaster will Lütke Daldrup lernen. „Wir werden keine hochkomplexen Gebäude mehr konzipieren, die einen so hohen Standard haben, dass man sie am Ende nicht beherrschen kann“, versprach der Flughafenchef am Montag. Das lässt hoffen. Denn Lütke Daldrup wird an dem BER noch viele Jahrzehnte bauen müssen, um das Passagierwachstum bewältigen zu können. Nach 2025 soll der Ausbau aus Eigenmitteln beginnen. Den „Masterplan 2040“ berät der Aufsichtsrat im Juli. Das sind grandiose Aussichten für die Bauindustrie.

Palettentransport im BER-Terminal: So sehen die Bauarbeiten im Hauptstadtflughafen aus.

Palettentransport im BER-Terminal: So sehen die Bauarbeiten im Hauptstadtflughafen aus.

Quelle: Bernd Settnik/dpa

Ach, und das Beste an der Aufsichtsratssitzung in Berlin: Die Politiker konnten „keine gewaltigen Fortschritte“ auf der Baustelle feststellen. Also dürften sich die Bauarbeiter immer noch mit den Türen rumschlagen, die nicht funktionieren wollen, und den zu dünnen Wasserrohren der Sprinkleranlage.

Und hier hätten wir noch mehr zum Schmunzeln oder Ärgern: die zehn größten Baustellenflops der Welt.

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Von Axel Mörer-Funk und Sarah Janczura
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