Bahn 07.10.2005, 18:40 Uhr

Transrapid nimmt Fahrt auf  

Die USA wollen mit 90 Mio. Dollar Machbarkeitsstudien für zwei Strecken finanzieren und Bundesverkehrsminister Stolpe sieht positive Signale für den Bau einer zweiten 180 km langen Trasse in China. In Deutschland befindet sich derzeit das Magnetbahnprojekt in München kurz vor dem Start in das Planfeststellungsverfahren.

Endgültig ist auch noch nichts in München. Den expandierenden Flughafen mit der City per Transrapid zu verbinden sei optimal, und so werde das Planfeststellungsverfahren zügig vorangetrieben, bestätigte Hans-Peter Friedrich, bei der Deutschen Bahn (DB) zuständig für den Transrapid. Anfang 2006 könnten die Papiere bei der zuständigen Genehmigungsbehörde in Bayern eingereicht werden, so Friedrich: „Wir rechnen mit rund einem Jahr, bis das Ja-Wort vom Regierungspräsidium kommt. Dann könnten noch einmal drei bis vier Jahre ins Land gehen, ehe die ersten Passagiere mit Höchsttempo vom Flugplatz zur Münchner City gebracht werden.“

Mögliche Planungszahlen will Friedrich nicht beziffern. Angepeilt seien jedoch 10 Mio. Fahrgäste, die sich pro Jahr für den Transrapid entscheiden könnten. Aber solche Prognosen seien schwierig. DB-Chef Hartmut Mehdorn habe eine neue Untersuchung für Ende 2006 angekündigt und erklärt immer wieder, dass es sich rechnen müsse, damit die Bahn auf der Spur bleibt.

Derartige pauschale Äußerungen führen zum Widerspruch von Prof. Schach: „Nur wirtschaftliche Argumente für die Entscheidungsfindung heranzuziehen, ist zu kurz gesprungen“, hält er dem Bahn-Mann Friedrich entgegen. Es müssten auch volkswirtschaftliche und industriepolitische Überlegungen mit einfließen, so Schach. „Wo wollen wir noch Zukunftstechnologie aufbauen? Das Auswahlverfahren für den Bundesverkehrswegeplan sieht immer nur Vergleiche unter seinesgleichen vor. Welche Chance hat da ein neues Transportkonzept?“, fragte der Professor der TU Dresden.

Schach zweifelt zudem an der Aussagekraft mittelfristiger Verkehrsprognosen, die ja fast ausschließlich als Basis für die Wirtschaftlichkeitsberechnungen herangezogen würde. Auch die gängigen Finanzierungsmodelle träfen nach seiner Ansicht nicht immer ins Schwarze. Hier würden schon kleine Zinsveränderungen große Wirkung zeigen.

Derweilen trommeln die Transrapid-Konsortionalpartner Siemens und ThyssenKrupp fordernd auf die Tischplatte. Sie haben bereits sehr viel Geld in die Technik gesteckt und wollen endlich auch eine Anwendung am Standort Deutschland verwirklichen – München, Bayerns glänzende Metropole und ein großes Tor für Touristen nach Deutschland, dürfte mit dem Transrapid um eine Attraktion reicher werden.

Derweil fördert der Bund die technische Entwicklung der Magnetbahn mit 182 Mio. € weiter. Die Mittel werden u.a. bei Siemens in die Verbesserung der Antriebsregelungen und der Leittechnik der Magnetbahn eingesetzt. Reiner Lehrmann von Siemens, nennt als konkrete Anwendung die Verkürzung des Reservefahrwegs. Die werde benötigt, um im Fall des Fehlverhaltens eines Subsystems, das Hinausgleiten über den Zielpunkt zu verhindern. „Hier ist die Leittechnik entscheidend. Eingriffe in Antriebs- und Fahrzeugtechnik müssen ein sicheres Anhalten an einem definierten Spätestpunkt garantieren“, erklärte er.

Das habe handfeste Kostengründe. Je kürzer der Durchrutschweg, desto kompakter könnten beispielsweise die Endhaltestellen in München gehalten werden. Beide Bahnhöfe werden bei dem jetzigen Planungsstand unterirdisch errichtet. Da summierten sich schon wenige Meter zu einem Millionenvorteil, so Lehrmann.

„Die Forschungsgelder fließen bei uns u. a. in die weitere Anpassung des Transrapids an die Erfordernisse des Regionalverkehrs“, sagte Bernd Krekeler von der ThyssenKrupp Projektentwicklung. Das hätte Folgen für die Wagenkastenstruktur, mit veränderten Einstiegslösungen und Tragfähigkeiten. Daran arbeiten „unsere Ingenieure, in enger Zusammenarbeit mit einigen Hochschulen, zu denen auch seit Jahren ie TU Dresden zählt“, betonte Krekeler.

Die Transrapid-Fachtagung im Elbflorenz entwickelte sich mit den Jahren zur wichtigsten nationalen Informationsbörse rund um die Magnetbahn und hat sich über die Grenzen Deutschlands einen Namen gemacht. Im nächsten Jahr richten die Sachsen vom 13. bis 15. September nun den internationalen Magnetbahn-Kongress aus, der dieses Jahr in der „Transrapid-Stadt“ Shanghai stattfand. Dann dürften sicherlich viele britische Fachleute dabei sein. Denn ehrgeizige Pläne sehen den Transrapid bis 2012 auch schon durch London schweben. Die Olympischen Spiele machen es vielleicht möglich. T. LIEHS/WOP

Von T. Liehs/Wolfgang Pester
Von T. Liehs/Wolfgang Pester

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Fahrzeugtechnik

RUETZ SYSTEM SOLUTIONS GmbH-Firmenlogo
RUETZ SYSTEM SOLUTIONS GmbH Testingenieur / Engineeringconsultant (m/w/d) Systemintegration Car Infotainment, Fahrerassistenz und Telematik Systeme München
in-tech GmbH-Firmenlogo
in-tech GmbH Systemingenieur modellbasierte Entwicklung (MBSE) (m/w/d) Garching bei München, Leipzig, Erlangen, Berlin
in-tech GmbH-Firmenlogo
in-tech GmbH Versuchsingenieur für Betreuung von Teilsystemplätzen (m/w/d) Garching bei München, München
Zurich Gruppe Deutschland-Firmenlogo
Zurich Gruppe Deutschland Risk Engineer (m/w/d) Haftpflicht für unsere Industriekunden Frankfurt am Main
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation-Firmenlogo
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation Ingenieur*in (m/divers/w) für den Bereich Unfallanalyse Berlin
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Öhringen
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Schwäbisch Hall
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Vaihingen an der Enz
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Crailsheim
Eisenbahn-Bundesamt-Firmenlogo
Eisenbahn-Bundesamt Ingenieurin / Ingenieur oder Physikerin / Physiker (Uni-Diplom/Master) als Wissenschaftliche Referentin / Wissenschaftlicher Referent (m/w/d) für Schallschutz / Erschütterungsschutz Bonn, Dresden

Alle Fahrzeugtechnik Jobs

Top 5 Verkehr

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.