Bahn 20.04.2001, 17:29 Uhr

Transrapid für München – Stuttgart

Politiker der CSU wollen ICE-Projekte zu Gunsten der Magnetschnellbahn Transrapid kippen. Ihre Verkehrs- und Umweltpolitiker stellen herkömmliche Schienen-Neubautrassen grundsätzlich in Frage. Als erstes Großprojekt bringen sie die Verbindung München – Stuttgart ins Gespräch.

Ungeahnte Folgen könnte der Besuch des Umweltausschusses des bayerischen Landtags auf der Transrapid-Versuchsstrecke im Emsland haben, den die Parlamentarier aller Fraktionen im letzten Oktober unternahmen. Ausschussvorsitzender Henning Kaul (CSU) zeigt sich von den Vorzügen der Magnetbahn so beeindruckt, dass er jetzt sogar das mühsam aus der Taufe gehobene Milliarden-Projekt der ICE-Neubautrasse München – Stuttgart und eventuell weiter über Mannheim nach Paris zu Gunsten des Transrapid kippen will. Man sollte bei diesen und anderen Neubau-Fernstrecken „darüber nachdenken, ob wir Schienen verlegen sollen, die uns wieder für 100 Jahre an eine Technik von gestern binden“, sagte Kaul.
Unterstützung erhält Kaul vom Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses Adolf Dinglreiter (CSU). Es sei ein Jammer, dass die erste Transrapid-Strecke für den Alltagsbetrieb nicht im Hightech-Land Deutschland, sondern in China in Betrieb gehen werde, beklagte er. Ein Fehler sei es gewesen, die schon zehn Jahre alte Idee, die großen deutschen Flughäfen durch die Magnetbahn miteinander zu verbinden, im Sande verlaufen zu lassen. Jetzt müsse diese innovative Technik bei der Gestaltung des transeuropäischen Schnellbahn-Netzes zum Zuge kommen.
Dabei haben die CSU-Politiker besonders die Verbindung Paris – Stuttgart – München – Wien im Visier. Wenn erst einmal ein Teilstück zwischen München und Stuttgart errichtet sei, würden die Reisenden die Vorzüge der Transrapid-Technik so schätzen lernen, dass der Weiterbau dann keine Frage mehr sei, meinte Kaul. Der Umweltpolitiker begeistert sich am Fahrkomfort des Transrapid, an dem niedrigen Geräuschpegel sowohl innen wie außen („Es macht nur husch“) und an der im Vergleich zum ICE erheblich höheren Steigfähigkeit des Transrapid, durch die aufwändige Tunnel- und Brückenbauwerke sowie Aufschüttungen vermeidbar würden. In Sachen Umweltschutz „hat der Transrapid die Argumente auf seiner Seite“, so Kaul.
Freilich hatten die Unions-Regierungen in Stuttgart und München erst vor wenigen Monaten den Bau der ICE-Schienenstrecke zwischen den beiden Landeshauptstädten in Berlin durchgesetzt, und auch das nur, weil sich die beiden Südstaaten zu milliardenschweren Vorfinanzierungen bereit erklärten. Der CSU-Umweltpolitiker Kaul bestreitet, dass er mit seinen Transrapid-Vorschlägen in der Münchener Staatskanzlei deshalb auf Granit stößt. Im Gegenteil, er fühle sich „ermuntert, das Thema von Bayern aus ins Gespräch zu bringen“. Derzeit führten die bayerischen Transrapid-Befürworter Gespräche mit baden-württembergischen Landes- und Bundespolitikern, um auch die für die Idee zu gewinnen.
Der diskutierte Einsatz der Transrapid-Technik vom Münchener Hauptbahnhof zum 40 km entfernten Flughafen reicht den CSU-Politikern nicht aus, obwohl sie auch diese Strecke schnellstens realisiert sehen möchten. In einem Landtagsantrag fordert eine Gruppe von CSU-Parlamentariern darüber hinaus, bei allen Fernverkehrs-Neubaustrecken künftig „Alternativberechnungen für den Einsatz des Transrapidsystems“ anzustellen.
Dem Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion und Münchener Landtagsabgeordneten Franz Maget kommt die CSU-Begeisterung für den Transrapid ein wenig zu schnell. Es sei bekannt, dass er zu den Anhängern der Magnetbahn-Technologie zähle, sagte Maget auf Anfrage, aber erst einmal sollten Alltagstauglichkeit, Akzeptanz und Finanzierbarkeit mittels einer Magnetbahn-Strecke zum Flughafen getestet werden. „Man darf nicht den zweiten Schritt vor dem ersten tun“, sagte Maget. Der SPD-Politiker setzt sich massiv für die Flughafenverbindung ein, während die bayerischen Grünen den Flughafen-Transrapid ohne Studienergebnisse schon jetzt als „Milliardengrab“ ablehnen. RALF MÜLLER/WOP

Von Ralf Müller/Wolfgang Pester
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