Automobilbau 15.08.2008, 19:36 Uhr

Toyota und BMW nutzen Ressourcen am effizientesten  

Asiens Autobauer wirtschaften nachhaltig – BMW schneidet sehr gut ab.

Toyota ist die Nummer 1 der Autobranche. Ein Grund: Die Japaner setzen Ressourcen effizienter ein als andere Hersteller. Das zumindest ermittelten Forscher des Berliner Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und der Queen“s University Belfast in einer aktuellen Studie.

Sie vergleichen ökonomische, ökologische und soziale Kennzahlen von 16 der 20 größten Autohersteller im Zeitraum zwischen 1999 und 2005. Toyota lag die ganze Zeit vorn. Zuletzt schaffte der japanische Konzern mit seinen eingesetzten Ressourcen 6,5 Mrd. € mehr Wert, als der Branchendurchschnitt mit demselben Einsatz erzielt hätte. Zum Vergleich: General Motors (GM) hinkt dem Wettbewerb im gleichen Jahr 2005 um 13,7 Mrd. € hinterher.

Um den so genannten Sustainable Value zu ermitteln, erweitern die Verfasser der Studie, Dr. Tobias Hahn vom IZT und Prof. Frank Figge von der Uni Belfast, den im Finanzmarkt etablierten Opportunitätskostenansatz um eine ökologische und soziale Ebene. Ihr Grundgedanke: Unternehmen schaffen immer dann Wert, wenn sie Ressourcen effizienter einsetzen als der Wettbewerb.

Emittiere ein Unternehmen 10 t CO2 (Kohlendioxid), um 100 € Gewinn zu erzielen, während die Konkurrenz im Schnitt nur 60 € Gewinn aus der gleichen CO2-Emission zieht, schaffe es 40 € mehr Wert, so die Forscher.

Als Eingangswert für den „Sustainable Value“ dient der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit). Diesen stellen sie zur ökologischen Bewertung jeweils den Emissionen von CO2, Stickoxiden, Schwefeloxiden und flüchtiger organischer Verbindungen sowie dem Wassereinsatz und der Abfallerzeugung gegenüber. Als soziale Kategorien halten die Zahl der Beschäftigten und die Zahl der Arbeitsunfälle her.

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Hahn und Figge errechneten für jede Kategorie sowohl die Nachhaltigkeitswerte einzelner Konzerne als auch den Branchendurchschnitt. Die Differenz zwischen Einzelkonzern und Markt markiert dann den Sustainable Value, den ein Unternehmen erzielt.

So grob das Maß, so lückenhaft die vorliegenden Daten und so sehr in der Betrachtung der Anteil von Zulieferern an der Autoproduktion fehlt – die Methode liefert interessante Vergleichsdaten. Am miserablen Abschneiden der US-Hersteller GM und Ford zeigt sich, dass deren Krise zu einem Gutteil hausgemacht ist und dem Management nun die vernachlässigten Ressourcenfragen auf die Füße fallen. Umgekehrt zeigt sich, dass die produktivsten Hersteller Toyota und BMW auch am verantwortungsvollsten mit natürlichen und sozialen Ressourcen umgehen.

So erzielt BMW beim Wassereinsatz 1000 €/m3 mehr Gewinn als der Branchendurchschnitt, was sich 2005 auf einen Gesamtwert von 3,45 Mrd. € summierte. Im gleichen Jahr büßte GM durch ineffizienten Wassereinsatz 11,3 Mrd. € ein, und Ford lag um 5,9 Mrd. € unter dem Branchendurchschnitt. Toyota legt in allen Kategorien kontinuierlich zu. Die Anstrengungen für einen effizienten Ressourceneinsatz lassen sich auch beim Wasser deutlich ablesen: Dort stieg der Sustainable Value von 2,2 Mrd. € 1999 auf 10,7 Mrd. € im Jahr 2005.

Auch andere asiatische Hersteller wie Honda, Nissan, Suzuki und Hyundai erzielen fast durchweg positive Nachhaltigkeitswerte. Dagegen zählten VW und DaimlerChrysler im Betrachtungszeitraum der Studie ebenso wenig zu den nachhaltigen Vorbildern wie Peugeot/Citroën, Renault und Fiat.

„Gemessen an der Unternehmensgröße steht BMW in sechs der sieben betrachteten Jahre sogar vor Toyota auf Platz 1“, erklärt Hahn vom IZT. Am unteren Ende des Rankings fänden sich auch in dieser Betrachtung GM und Fiat, die pro Euro Umsatz 8,9 Cent bzw. 4,8 Cent Sustainable Value verlören.

Zweierlei bleibt anzumerken: Schon im Vorwort stellen die Autoren klar, dass BMW ihre Studie bezahlt hat. Die Münchener hätten aber zu keinem Zeitpunkt Einfluss auf deren Inhalte genommen.

Kritischer ist die Auswahl der Bewertungskategorien und die lückenhafte Datenbasis. Die Autoren sind sich dessen bewusst: „Die Berichterstattung einiger Konzerne ist so lückenhaft“, bemerkt Figge, „dass eine sinnvolle Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung nicht möglich ist.“ In Einzelfällen habe die Qualität der Berichte zuletzt sogar noch nachgelassen. Porsche, Kia sowie die indischen und chinesischen Hersteller wurden mangels Daten erst gar nicht berücksichtigt.

PETER TRECHOW

BMW in sechs von sieben Jahren sogar vor Toyota

 

Ein Beitrag von:

  • Peter Trechow

    Peter Trechow ist Journalist für Umwelt- und Technikthemen. Er schreibt für überregionale Medien unter anderem über neue Entwicklungen in Forschung und Lehre und Unternehmen in der Technikbranche.

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