Feinstaubmessung in EU-Städten 16.10.2013, 13:31 Uhr

Stark Luftverschmutzung gefährdet 90 Prozent der Stadtbewohner

In 90 Prozent der europäischen Städte gefährden Feinstaubpartikel die Gesundheit der Bewohner. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Europäischen Umweltagentur. Um die Gefahr zu bannen, müsste die EU die Grenzwerte senken.

Stau auf der Autobahn: Rund 90 Prozent der Stadtbewohner in der EU sind einer Schadstoffkonzentration ausgesetzt, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als gesundheitsschädlich einstuft.

Stau auf der Autobahn: Rund 90 Prozent der Stadtbewohner in der EU sind einer Schadstoffkonzentration ausgesetzt, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als gesundheitsschädlich einstuft.

Foto: dpa

Pünktlich zum aktuellen Spendenskandal der CDU, wonach sich die Partei bei ihrer CO2-Emissionspolitik von BMW-Großaktionären finanzieren und möglicherweise auch beeinflussen lässt, kommt eine neue Hiobsbotschaft von der Europäischen Umweltagentur (EUA): Rund 90 Prozent der Stadtbewohner in der EU sind einer Schadstoffkonzentration ausgesetzt, welche die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als gesundheitsschädlich einstuft. „Ein Großteil unserer Bevölkerung lebt nach heutigem Standard nicht in einer gesunden Umwelt“, erklärt Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der EUA, mit besorgtem Blick auf die neuen Messwerte zur Belastung durch Feinstaub. Sogar in ländlichen Umgebungen seien teilweise kritische Werte überschritten.

Problematisch für die Bürger sind besonders Feinstaubpartikel vom Typ PM 2,5. Diese werden größtenteils durch Straßenverkehr und Industrie freigesetzt. Die Partikel messen lediglich 2,5-Millionstel-Meter oder besser verständlich den 2500. Teil eines Millimeters. Damit sind so winzig klein, dass man sie tief in die Lunge einatmen kann. Welt.de zitiert eine Langzeitstudie aus dem Ruhrgebiet mit 4800 Bürgern. Diese sei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Einatmen des Feinstaubes die Hauptschlagader verkalkt und verhärtet. Auch Atembeschwerden und Herz-Kreislauferkrankungen könnten die Folge sein.

Werte der WHO sind strenger als Grenzwerte der EU

Die überschrittenen Grenzwerte der WHO sind wesentlich strenger als die der EU. Doch Grund zur Entwarnung ist dies für die EUA nicht: Denn neue wissenschaftliche Untersuchungen hätten gezeigt, dass schon eine geringe Luftschadstoffkonzentration – eine geringere als bisher angenommen – der menschlichen Gesundheit schadet. Die Messungen ergaben zudem, dass 31 Prozent der EU-Bürger in Städten wohnen, in denen sogar der niedrigere EU-Grenzwert überschritten wird. Deshalb fordert Bruyninckx die EU auf, ihre Schadstoffpolitik zu überdenken: „Europa muss ehrgeizig sein und über die derzeitigen Rechtsvorschriften hinausgehen, um einen nachhaltigen Weg einzuschlagen.“

Viele Bürger sind sich der Gefahr bewusst und reagieren

Tatsächlich gab es in den vergangenen Jahren bereits Bemühungen, die Schadstoffemissionen zu senken. So haben sich etwa die Schwefeldioxidemissionen aus Kraftwerken, Industrie und Verkehr im Laufe des letzten Jahrzehnts verringert. Zudem sinkt durch die schrittweise Abschaffung verbleiten Benzins die Bleikonzentration in der Luft, die dem menschlichen Nervensystem schadet. Das läge auch an der wachsenden Initiative der Bürger, zeigt sich Umweltkommissar Janez Potočnik im Bericht der EUA überzeugt: „Umfragen zeigen, dass der überwiegende Anteil der Bürger sehr gut über die Auswirkungen der Luftqualität auf die Gesundheit Bescheid weiß“, so der Kommissar. Sie würden die Behörden auffordern, „wirksame Maßnahmen auf EU-weiter, nationaler und lokaler Ebene zu ergreifen“.

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