Verkehrssicherheit 04.01.2013, 11:33 Uhr

Sichere Wege für Pedelecs und E-Bikes sind nötig

Mit Pedelec, E-Bike und Leichtbau-Stromern tun sich zwischen Pkw und Fahrrad neue Fahrzeugklassen auf. Der Stadtverkehr ist nicht auf diese Vorboten der Elektromobilität vorbereitet. Konflikte auf Radwegen und Straßen sind vorprogrammiert. Vertreter der Fahrradbranche fordern nun mehr Raum und sichere Wege für Zweiräder. Die Herausforderung ist enorm: Es gilt, die Koexistenz von Lkw, Pkw, Stromern und Zweirädern in Städten ohne Einbußen bei der Verkehrssicherheit zu organisieren.

Der Stadtverkehr ist nicht auf E-Bikes und Co. vorbereitet.

Der Stadtverkehr ist nicht auf E-Bikes und Co. vorbereitet.

Foto: ADFC

Ein trüber Novemberabend. Stau an den Einlasskontrollen des Bundestags. Eine ältere Dame schimpft, sie habe schon beim Parkplatzsuchen eine halbe Stunde verloren. Ohne es zu ahnen, liefert sie die perfekte Einstimmung auf den Parlamentarischen Abend, den der Zweirad-Industrieverband (ZIV) hier gleich ausrichten wird.

Der ZIV-Abend greift den Trend auf, dass sich immer mehr Städter vom Auto abwenden. In Berlin hat nur noch jeder zweite Haushalt eines in den Innenstadtbezirken kommen weniger als 200 Pkw auf 1000 Einwohner – im Bundesdurchschnitt sind es 622. In Bezirk Kreuzberg erledigen die Leute schon mehr Wege mit dem Fahrrad als mit dem Auto. Sie ziehen die Konsequenz daraus, dass die Parkplatzsuche oft länger als die Fahrt dauert und Autofahren in verstopften Straßen wenig Spaß, aber dafür hohe Kosten mit sich bringt.

Das Thema zieht. Jan Mücke, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, ist nur einer von vielen Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen. Mücke lobt den wirtschaftlichen Beitrag der Fahrradindustrie, der in Zahlen so klingt: 50 000 Beschäftigte in Produktion und Handel, gut 5 Mrd. € Jahresumsatz und 4,05 Mio. verkaufte Fahrräder in 2011. Die Branche ist seit Jahren im Aufwind – 81,9 Mio. Deutsche haben laut ZIV 70 Mio. Fahrräder.

1 Mio. Pedelecs und E-Bikes sind in Deutschland schon unterwegs

„Radfahren wird immer beliebter“, so Verbandsgeschäftsführer Siegfried Neuberger, „weil es ideal zu Megatrends wie Gesundheit, Mobilität, Flexibilität und Nachhaltigkeit passt.“ Das gelte auch für die neuen Erfolgsgaranten der Branche. 1 Mio. Pedelecs und E-Bikes sind hierzulande schon unterwegs. Allein 2011 lag der Absatz bei 310 000 Stück. Für 2012 geht der ZIV von 400 000 verkauften Einheiten aus. Der Wachstumsschub ist nach Neubergers Einschätzung noch lange nicht erschöpft. „Pedelecs werden gerade in der urbanen Mobilität eine immer wichtige Rolle spielen“, sagt er.

Mücke sieht den deutschen Radverkehr „auf dem Weg zu holländischen Verhältnissen“. Dafür gelte es, ihn zusammen mit Fahrradindustrie und -verbänden, aber auch mit den Ländern und Kommunen attraktiver zu machen. Der Bund habe gerade erst beschlossen, 10 Mio. € von den zusätzlichen 750 Mio. € für Verkehrswege in Fahrradwege entlang der Bundesstraßen und Wasserwege zu investieren. Insgesamt flössen 72 Mio. € in die Radverkehrsförderung.

Radverkehr ist allerdings weniger Sache des Bundes als der chronisch klammen Kommunen. Sie sind gefragt, ihn attraktiver zu machen. Ein riesiges Aufgabenfeld. Das sieht auch Mücke so: „Pedelecs, die viel schneller als Fahrräder unterwegs sind, beanspruchen mehr Platz. Für Kommunen wird es eine große Herausforderung, diesen zusätzlichen Platzbedarf in ihrer Verkehrsplanung vernünftig einzuordnen“, erklärt er.

Wo soll der Platz in den überfüllten Ballungsräumen herkommen? Laut Bernhard Lange, Chef der hinter Shimano Deutschland stehenden Paul Lange & Co., muss das Fahrrad zuerst angemessenen Raum in den Köpfen der Verkehrspolitiker und Stadtplaner bekommen. „Bisher entspricht ihre Aufmerksamkeit in keiner Weise den Möglichkeiten, die der Radverkehr ihnen zur Lösung ihrer Probleme bietet“, sagt er.

Fahrradindustrie: Politik muss Megatrend Fahrrad endlich erkennen

Die deutsche Verkehrspolitik sei hier nicht auf der Höhe der Zeit. „Wer die drängenden Verkehrsprobleme in Ballungsräumen zu vertretbaren Kosten lösen will, kommt am Fahrrad nicht vorbei“, so Lange. Noch trage es hierzulande erst 10 % zur Verkehrsleistung bei. Er hält 20 % für ein realistisches Ziel.

Langes Zuversicht fußt auf der Entwicklung in New York, Paris, London, Amsterdam und Kopenhagen: „Die Bürgermeister dort haben Autobesitz in der Stadt zum Auslaufmodell des 21. Jahrhunderts erklärt.“ Der Verkehr werde nun zunehmend auf Radfahrer und Fußgänger zugeschnitten, Radwege und Fahrradparkhäuser gebaut. Das stoße auf enorme Resonanz. „Als Fahrradindustrie erheben wir den Anspruch, dass die deutsche Politik den Megatrend Fahrrad endlich erkennt. Sie muss urbane Fahrradmobilität massiv fördern“, so der Shimano-Chef.

Auch Severine Lönne, Geschäftsführerin der Oldenburger Cycle Union fordert, dass die Infrastruktur der lebendigen Fahrradkultur angepasst wird. Radverkehr müsse endlich gleichwertig mit anderen Verkehrsmitteln behandelt werden. Eine der drängendsten Aufgaben: sichere Wege für schnelle E-Bikes.

Torsten Staffelt, der täglich im Fahrradsattel und als FDP-Abgeordneter im Verkehrsausschuss des Bundestags sitzt, findet die Forderungen der Fahrrad-Lobby berechtigt. „Als Radfahrer in Großstädten lebt man gefährlich“, weiß er aus Erfahrung. Als Lösung für Städte schwebt ihm vor, dass Fahrrad- und Autoverkehr die Straße teilen. Das setzte allerdings mehr gegenseitige Rücksichtnahme voraus, „damit nicht eine Generation von Radfahrern als Märtyrer auf der Strecke bleibt“.

Geteilte Wege also, um Autos, Fahrräder und all die Fahrzeugkonzepte, die als Vorboten der Elektromobilität in den Verkehr drängen, im begrenzten Stadtraum unterzubringen. E-Bikes, schnelle Pedelecs oder drei- und vierrädrige Kleinststromer eint, dass sie deutlich leichter als heutige Pkw sind und kaum Knautschzone bieten.

Verkehrspolitik kommt an Fahrrad, Pedelecs & Co. nicht mehr vorbei

In der Transformationsphase vom heutigen Individualverkehr zur Elektromobilität werden sie die Straßen mit SUV, Limousinen, Lieferwagen und Lkw teilen müssen. Die Forderung der Fahrrad-Lobby nach einer Verkehrs- und Stadtplanung, die Fahrrad, Pedelec & Co. gegenüber dem dominanten Autoverkehr besser stellt, greift insofern den ohnehin anstehenden Aufgaben der Elektromobilität voraus.

Mancher Stadtplaner plädiert für Entschleunigung, um Verkehrssicherheit trotz wachsender Vielfalt im knappen Straßenraum zu gewährleisten: Flächendeckend Zone-30 in Städten, bis auf wenige Magistralen. Lange und Lönne könnten sich damit anfreunden, auch wenn sie es nicht direkt fordern.

„Die Mobilität in Innenstädten wird sich in den kommenden Jahrzehnten ohnehin drastisch verändern“, prognostiziert Lange. Kommunen hätten nicht mehr das Geld, um die Infrastruktur für den Autoverkehr zu erhalten, geschweige denn auszubauen. „Um dem drohenden Verkehrsinfarkt vorzubeugen, sind sie auf kostengünstige, nachhaltige und flexible Mobilitätslösungen angewiesen. Fahrräder und Pedelecs werden Teil dieser Lösungen sein“, ist er überzeugt.

 

Von Peter Trechow

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