Verkehrssicherheit 10.09.2004, 18:33 Uhr

Safety first – Sicherheit im Sinne des Fahrgastes

VDI nachrichten, Essen, 10.9.04 -Busse und andere Personentransporter stellen hohe Sicherheitsanforderungen an die entwicklenden Ingenieure. Eine Schlüsselrolle kommt der Elektrotechnik zu. „Es ist ein ungeheuer reizvolles Produkt, ein Riesen-PKW, mitunter ein Einfamilienhaus auf Rädern“, schwärmt ein erfahrener Maschinenbauingenieur.

Safety First: Ob in PKW oder Nutzfahrzeugen, aktive und passive Sicherheitssysteme sind längst zum Standard geworden. LKW, Reisebusse und all die anderen Nutzfahrzeuge haben jedoch spezielle Konstruktionsmerkmale und sind in der Praxis häufig anderen Belastungen ausgesetzt als PKW und benötigen deshalb angepasste oder originäre Sicherheitssysteme.
Ob Anti-Blockier-System (ABS), Antriebs-Schlupfregelung (ASR) oder Elektronisches Brems-System (EBS): Reinhard Schreiber, Leiter der Entwicklung Reisebusse bei EvoBus, einem Tochterunternehmen von DaimlerChrysler, fällt kein Sicherheitssystem ein, das seine Firma nicht als Fast-Follower des PKW-Bereichs für Reisebusse serienreif gemacht hat. „Wenn es omnibusspezifische gesetzliche Vorschriften gibt, wie zur Überrollfestigkeit eines Omnibusgerippes, dann machen wir das selbst, ansonsten ist die Ableitung aus den anderen erprobten Systemen immer der bessere Weg.“
Bei 67 % aller tödlichen Busunglücke, ergab eine Studie der Dekra-Unfallforschung, kippten die Fahrzeuge um oder überschlugen sich. Die Gefahr des so genannten „Rollover“ ist bei Reisebussen besonders groß, da sie bauartbedingt einen hohen Schwerpunkt haben und „weich“ gefedert sind.
Es gibt nur noch wenige Hersteller wie VW oder DaimlerChrysler, die sowohl Nutzfahrzeuge als auch PKW produzieren. Im Nutzfahrzeugbereich sind die gebauten Stückzahlen sehr viel niedriger und aus den Serienmodellen werden häufig nach Kundenwünschen Sondermodelle gefertigt. Es gibt viele verschiedene Antriebsbauformen, Achsabstände, Gesamtgewichte und Motorisierungen. „Diese Fahrzeuge haben unterschiedliche Eigenschaften in der Fahrdynamik, wenn es um Systeme wie Bremse oder Stabilitätsregelung geht. Das macht die Aufgaben komplex und reizvoll, erfordert aber häufig Spezialisierungen. Deshalb stützen sich die Hersteller auch auf Zuliefer- und Systempartner wie uns“, erläutert Christian Wiehen, Vice President Product Marketing and Development bei Wabco, einem Anbieter von elektronischen Brems- und Fahrzeugregelsystemen sowie von Federungs- und Antriebssystemen für Nutzfahrzeuge. In Deutschland gehören von 3000 Beschäftigten 650 zur Entwicklungsabteilung – darunter überwiegend Ingenieure -, die entweder in der Vorentwicklung oder direkt in Projekten mit den Ingenieuren der Fahrzeughersteller in einem Team zusammenarbeiten.
Rund 1000 Ingenieure arbeiten in Deutschland bei den Herstellern im Bereich Fahrzeugsicherheit, schätzen Norbert Jähn, Abteilungsleiter Fahrzeugsicherheit, und Rolf Bergmann, Unterabteilungsleiter Fahrzeugsicherheit, Bauteilerprobung bei VW Nutzfahrzeuge. „Die Sicherheitsingenieure der einzelnen Häuser kennen sich untereinander. Es ist wie eine große Familie. Über Sachthemen reden wir offen. Wenn es um den Wettbewerb geht, geht das nicht mehr“, erläutert Jähn.
Die Entwicklung ginge dahin, aktive Systeme, ABS oder ESP, mit passiven Sicherheitssystemen, Gurten und Airbags, zu vernetzen. Ein weiterer Schritt, um Unfälle zu vermeiden, sei jedoch, dass Fahrzeuge miteinander kommunizieren. Deshalb werde die Elektronik zunehmend eine Schlüsselrolle spielen. Dementsprechend seien Ingenieure aus dem Maschinenbau und der Fahrzeugtechnik genauso gefragt wie Ingenieure mit einer Ausbildung in der Elektrotechnik, erklärt Jähn.
Bei VW Nutzfahrzeuge sind die für die Sicherheit zuständigen Ingenieure von Anfang an in die Großserienentwicklung eingebunden. „Das macht die Aufgabe besonders reizvoll“, berichtet Rolf Bergmann: „Wir sind bereits in den frühen Designphasen dabei, aber auch, wenn es um Aggregat- und Fahrwerkskomponenten geht, und arbeiten mit den dortigen Experten eng zusammen. Die Aggregat- und Fahrwerkskomponenten beeinflussen nicht zuletzt die Crashperformance erheblich.“
Doch neben den Großserienfahrzeugen gebe es immer wieder Einzelfahrzeuge, Spezialanfertigungen, die individuelle Lösungen erforderlich machten. Auch Diskussionen mit Medizinern und Ingenieuren aus der VW-Unfallforschung, ergänzt Jähn, sorgten immer wieder für neue Impulse. Dass Ingenieure ganz aus dem Sicherheitsbereich herausgehen, käme deshalb nur sehr selten vor.
„Omnibusse bauen, macht süchtig“, ist Reinhard Schreiber überzeugt. Wer einmal dabei sei, ginge selten wieder weg, weiß der promovierte Maschinenbauingenieur mit über 20-jähriger Omnibuserfahrung. „Es ist eben ein ungeheuer reizvolles Produkt, ein Riesen-PKW, mitunter ein Einfamilienhaus auf Rädern“. Bei kleinen Stückzahlen – zirka 35 Omnibusse verlassen pro Tag die beiden Produktionsstätten von EvoBus in Deutschland – hätten die Ingenieure im Vergleich zum PKW-Bereich umfassendere Aufgaben, was auch zur Attraktivität der Nutzfahrzeugentwicklung beitrage.
Die üblichen Ausbildungswege, ob Berufsakademie, Fachhochschule oder Universität, seien gefragt. „Wir haben Maschinenbauer und Elektroniker, Kunststofftechniker, Werkstofftechniker und auch Spezialisten – die ganze Palette an Ingenieurqualifikationen“, berichtet Reinhard Schreiber.
MANFRED BURAZEROVIC

 

  • Dr. Manfred Burazerovic

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Fahrzeugtechnik

TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Vaihingen an der Enz
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Öhringen
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Crailsheim
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Schwäbisch Hall
Presswerk Krefeld GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Presswerk Krefeld GmbH & Co. KG Konstrukteur Kaltmassivumformung (m/w/d) Krefeld
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke München GmbH Leitung Betrieb Schiene (m/w/d) München
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG Spezialist (m/w/d) Display-Systeme Weissach
Hochschule Bremerhaven-Firmenlogo
Hochschule Bremerhaven Professur (W2) (w/m/d) für das Fachgebiet Anlagen- und Schiffsbetriebstechnik Bremerhaven
Lauer & Weiss GmbH-Firmenlogo
Lauer & Weiss GmbH Entwicklungsingenieur (m/w/d) modellbasierte Softwareentwicklung Fellbach bei Stuttgart
Lauer & Weiss GmbH-Firmenlogo
Lauer & Weiss GmbH Mitarbeiter Elektrik Musterbau (m/w/d) im Bereich Automotive Fellbach bei Stuttgart

Alle Fahrzeugtechnik Jobs

Top 5 Verkehr

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.