Bahn 17.03.2000, 17:24 Uhr

Regionalbahn kreuzt ohne Halt Ländergrenzen

Bequemer, grenzüberschreitender öffentlicher Nahverkehr soll Regionen eng zusammenwachsen lassen. Als Beispiel eines euroregionalen Nahverkehrssys- tems im grenznahen Raum von Bayern, Böhmen (Tschechien), Sachsen und Thüringen gilt das „Egronet“, ein externer Beitrag zur Expo 2000.

Zwischen den Freistaaten Bayern, Sachsen, Thüringen und der Tschechischen Republik wird der grenzüberschreitende -öffentli-che Nahverkehr ausgebaut. Dort -entsteht derzeit durch die Zusammenarbeit von Landkreisen und kreisfreien Städten, von staatlichen und privaten Bahngesellschaften, Bus- und Taxi-Unternehmen das Euroregionale Nahverkehrssystem -„Egronet“. So soll der ÖPNV in der Euregio „Egrensis“ das Miteinander wieder beleben und kräftigen.
Ziel ist es, das dichte Eisenbahnnetz und andere Verkehrsträger in der Region zu nutzen, die Verkehrsverbindungen auszubauen und zu verbessern. Zu den Maßnahmen in der Kernzelle des Nahverkehrskonzeptes, dem sächsischen Vogtland, gehören neue Gleis- und Signalanlagen sowie die Erneuerung der Brücken und Stützmauern. Der Verkehr soll auf mehreren Strecken grenzüberschreitend die regionalen Zentren der Euregio Egrensis verbinden. Das schließlich ist die Grundidee für das externe Exponat der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover. In dieser Weise – komplex integriert und umweltorientiert – ist bisher noch kein Verkehrssystem verwirklicht worden.
Als Beitrag zur Expo 2000 wird in dieser Region damit ein völlig neues Kapitel des öffentlichen Personen-Nahverkehrs aufgeschlagen. Das Grenzgebiet von Sachsen und Tschechien erhält als Wirtschaftsstandort durch die Streckenmodernisierung von Eisenbahn und Straßenbahn eine starke Unterstützung. Darüber hinaus dürfte der Aufbau der Infrastruktur mit neuen Verkehrsmitteln und erweiterten Angeboten für die Fahrgäste auch dem Tourismus zugute kommen. Das „Euroregionale ÖPNV-System“ soll weltweit als Modell für weitere derartige Projekte dienen.
Gern erinnern die Verantwortlichen von Egronet an die Einweihung der größten Ziegelsteinbrücke der Welt, der Göltzschtalbrücke, am 15. Juli 1851, die damals für Menschen und Wirtschaft in den Länder Sachsen, Thüringen und Bayern mehr als nur Zeichen des Fortschritts war. Heute ist die „Vogtlandbahn“ fester Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs. Ihre neuen Dieseltriebwagen „Regiosprinter“, energie- und umweltfreundliche Leichtmetallwagen, verkehren auf der Trasse sowohl der Eisenbahn wie auch der Straßenbahnen bis ins Zentrum der sächsischen Stadt Zwickau.
Die am externen Exponat beteiligten Bahngesellschaften, Deutsche Bahn (DB) und Vogtlandbahn, sollen noch vor Beginn der Expo neue Fahrzeuge des Typs „Regiosprinter“ für den Einsatz im ländlichen Raum erhalten. Bei diesen Wagen wurden rund 30 % Gewicht gespart und sie erhielten Dieselmotoren, die die Abgasnorm Euro 2 erfüllen. Ihr Sicherheitskonzept ist auf hohe Bremskraft und kurze Bremswege ausgerichtet.
Kooperation ist dem Projekt Egronet systemimmanent. Neben Deutscher Bahn, Vogtlandbahn und Tschechischer Staatsbahn sind auch Bus-, Taxi- und Straßenbahnunternehmen sowie Tourismusinstitutionen in das grenzüberschreitende System eingebunden. Man möchte auch die touristischen Anziehungspunkte wie Aue, das Wintersportparadies des Mittelgebirges Schöneck, Klingenthal, Karlovy Vary (Karlsbad) und Cheb (Eger) gut in den ÖPNV einbinden. Darüber hinaus sollen die Schnittstellen zum Eisenbahnfernverkehr ebenso mit schienengebundenen Fahrzeugen zu erreichen sein. Deshalb haben die Projektträger, das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit und das Ministerium für Verkehrs- und Fernmeldewesen der Tschechischen Republik, vereinbart, die Eisenbahnverbindung zwischen Klingenthal und Kraslice (Graslitz) wiederherzustellen. Der dazu notwendige Brückenbau und der Einbau der Gleisanlagen sollen bis Ende des Monats vollendet sein. Damit ergeben sich interessante Touren für die Touristik, zum Beispiel eine Rundreise von Zwickau nach Plauen über Cheb (Eger), Karlovy Vary (Karlsbad) und Klingenthal zurück nach Zwickau. Auch eine Bädertour unter Einschluss von Bad Elster, Bad Brambach und dem Bäder-Dreieck Tschechiens dürfte möglich werden.
Es bedarf einer besonderen Organisation, um die Wünsche an den speziellen Egronet-Verkehr unter einen Hut zu bringen. Die Planer haben dazu „Mobilitätszentralen“ geschaffen. Sie erfüllen nicht nur die Aufgabe von Information und Verkehrsdisposition, sondern sollen auch mit den Kunden auf Tuchfühlung gehen. Sie bieten über die Auskunft hinaus auch Begleitservice und Mitfahrvermittlung. Selbstverständlich ist der bargeldlose Fahrkartenerwerb.
Große Aufmerksamkeit widmen die Projektingenieure dem behindertengerechten Übergang von Bahn und Bus. Bahnsteige verfügen über hindernisfreie Zugänge sowohl für Behinderte als auch für Reisende mit Kinderwagen und/oder großen Gepäckstücken. Begleitdienste für Hilfsbedürftige stehen ebenso bereit.
Eine Arbeitsgruppe aller Bahngesellschaften erstellt derzeit ein grenzüberschreitendes Fahrplankonzept für den Zeitraum der Expo 2000 vom 1. Juni bis 31. Oktober. „Alles im Takt – ein gemeinsamer Fahrplan und ein einheitlicher Expo-Tarif“, heißt das Motto für Planer. Bis zur Expo-Eröffnung sollen außerdem die deutschen und tschechischen Mobilitätszentralen miteinander verbunden sein. Ein Angebot für die Besucher der Grenzregion per Schiene haben Deutsche Bahn und die Tschechische Staatsbahn (CSD) schon jetzt unterbreitet: Das „Schöne Wochenende Ticket“ gilt auch auf den grenznahen Streckenabschnitten im Norden Tschechiens.
Während der Expo erhalten Fahrgäste und Besucher von Egronet in den Mobilitätszentralen Plauen, Zwickau, Falkenstein, Schöneck und Cheb (Eger) auch Informationen zum Gesamtprojekt. Das umfangreiche Programm des externen Expo-Beitrags enthält u.a. Themen wie „Mobilitätssysteme der Zukunft“, „Umweltfreundliche Mobilität für die Zukunft“ und Veranstaltungen mit Exkursionen beispielsweise zur Göltzschtalbrücke und anderen eisenbahnspezifischen Sehenswürdigkeiten der Region. Ein kulturelles Rahmenprogramm bezieht Maler, Bildhauer, Grafiker und Karikaturisten in die Verkehrsthematik ein.
Mit der Zusammenführung unterschiedlicher Verkehrssysteme und der Verwendung neuer Informations- und Kommunikationsmittel soll in der Euregio Egrensis ein optimales Mobilitätssystem entstehen, das die Vorteile des öffentlichen Personen-Nahverkehrs als attraktive und ökologische Alternative zum Auto verdeutlicht. Finden Besucher der Expo 2000 den Weg von Hannover in die ferne Region des externen Ausstellungsbeitrages Egronet, soll sich für sie, so die Planer, ein nachahmenswerter Neuigkeits- und Erkenntnisgewinn einstellen. HEINZ WERNER ALBERT/WOP
In das euroregionale öffentliche Nahverkehrssystem „Egronet“ ist auch die fast 150 Jahre alte Göltzschtalbrücke bei Mylau im Vogtland integriert. Klein, aber dennoch zu sehen – der „Regiosprinter“ auf der 78 m hohen größten Ziegelsteinbrücke der Welt.
Der Nahverkehr ohne regionale Grenzen soll mit speziellen Angeboten auch den Tourismus ankurbeln helfen. Dieseltriebwagen der Vogtlandbahn, hier vor der Station „Zwickau Zentrum“, verkehren auf Trassen sowohl der Eisen- als auch der Straßenbahn.

Von Heinz Werner Albert/Wolfgang Pester
Von Heinz Werner Albert/Wolfgang Pester

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