Verkehr 22.01.2010, 19:44 Uhr

Raser müssen jetzt immer häufiger zahlen  

Digitale Verkehrsüberwachungskameras lösen die alten Fotoapparate mit Rollenfilm ab. Die Jenoptik-Tochter Robot Visual Systems aus Monheim am Rhein hat sich weltweit einen Spitzenplatz bei Rotlichtkameras und mobilen wie stationären Messanlagen gesichert. VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 1. 10, rb

Nur einen schwachen roten Blitz bemerken die beiden Männer, die in einem Opel Vectra mit 115 km/h durch den Rheinufertunnel in Düsseldorf rasen. Das Schwarz-Weiß-Bild, das die Verkehrsüberwachungskamera macht, ist gestochen scharf. Die Quittung kommt: vier Punkte, 200 € Bußgeld und ein Monat Fahrverbot.

„Das ist keine Abzocke, man muss sich nur an die Regeln halten“, sagt Hartmut Hoffmeister, Vertriebsleiter Inland bei der Robot Visual Systems GmbH aus Monheim am Rhein, die die 400 000 € teure Anlage für zwei Spuren geliefert hat. Nur 70 km/h, sogar 10 km/h mehr als vor Installation der Überwachungsanlage, sind im engen Tunnel mit Ein- und Ausfahrten erlaubt. Raser gibt es hier häufig – der Rekord liegt bei 182 km/h. Täglich sind über 250 Fahrer zu schnell. „Wird jemand bei einer Durchfahrt zweimal geblitzt, wird nur der höhere Verstoß geahndet“, sagt Ordnungsdezernent Werner Leonhardt. Das Recht ist gnädig.

Traffistar S330, wie die Kombination aus Digitalkamera, Blackflash-Blitz (nahe dem Infrarotbereich, fürs menschliche Auge unsichtbar) und drei Piezosensoren in der Fahrbahn heißt, ist gnadenlos präzise. Ein bis zwei Jahre dauert es, bis die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig solche Geräte geprüft und zur Verwendung freigegeben hat. „Die Messergebnisse müssen durch Gutachter überprüfbar sein“, erklärt Hoffmeister die strengen Anforderungen.

Sonst können Raser die Tempomessung anfechten, wie es clevere Anwälte gern versuchen. Gerade die laserbasierten Anlagen von der Wiesbadener Kokurrenz Vitronic stehen deshalb in der Kritik. Die drei Piezosensoren der Robot-Anlage liefern drei Messergebnisse (1-2, 2-3 und 1-3) und gelten deshalb als besonders präzise. Lasermessgeräte bietet Robot aber für den mobilen Einsatz an und steht dort in Konkurrenz zu den erfolgreichen Lichtschrankensystemen der Eso GmbH aus Tettnang, die mehrere Spuren überwachen kann. „Wir entwickeln gerade ein laserbasiertes System, das so etwas auch kann“, sagt Hoffmeister.

Robot Visual Systems, eine Tochter der Jenoptik AG, ist in einer starken Position: „Wir sind weltweiter Marktführer in allen drei Verkehrsüberwachungsbereichen: stationär, mobil und Rotlicht“, sagt der Verkaufsleiter. Allein in Deutschland stehen 2500 stationäre Anlagen, der Markt ist weltweit sehr zersplittert. Jenoptik mit Robot und den anderen Töchtern Traffipax in den USA und Multanova in der Schweiz ist in 60 Ländern vertreten und hat sich bei der fotografischen Verkehrsüberwachung den ersten Rang gesichert.

Robot entstand aus der Firma Otto Berning & Co., die 1934 ein Patent für eine automatische Kamera für den Fotoamateur erhielt und Hochgeschwindigkeitskameras entwickelte. Ab 1955 erhielten Streifenwagen der deutschen Polizei automatische Robot-Kameras – die Basis für den Produktbereich Traffipax der Robot Visual Systems GmbH in Monheim, die heute über 200 Mitarbeiter hat. Umsatzzahlen werden nicht veröffentlicht.

Der deutsche Markt gilt als größter, ist aber sehr aufgesplittert wegen der 16 Bundesländer: Während Baden-Württemberg an 700 Stellen stationär das Tempo überwacht, sind es in Bayern nur sieben Anlagen, weil dort die Polizei mit mobilen Geräten Raser fangen soll. „Deutschland investiert mehr in die Verkehrsüberwachung als andere Länder“, weiß Hoffmeister. 30 Mio. € bis 35 Mio. € fließen jährlich in die „repressive Überwachung“ (Tempo- und Rotlichtkontrolle), schätzt Hoffmeister. 60 % der Umsätze von Robot kommen aus dem Ausland, wo die Verkehrsüberwachung oft an private Betreiber ausgelagert wird. „Der Trend geht international klar zu Service-Providing“, sagt Hoffmeister. Dann wickeln Firmen die Kontrolle und Inkasso ab, was in Deutschland rechtlich ausgeschlossen ist. Wachstumsmärkte sind die arabischen Länder, China, Malaysia und aufstrebende Länder wie Indien und Indonesien.

Technisch geht der Trend zur weiteren Digitalisierung der Kameras, bei denen nicht die Megapixel, sondern die Dynamik zählt, um Nummernschilder lesbar und Innenraum erkennbar abzubilden. Die Datenfernübertragung der Bilder und Messdaten per UMTS hält immer mehr Einzug, um Verstöße schneller zu ahnden. Denn dafür haben die Behörden nur 30 Tage Zeit. Die Digitalisierung schützt stationäre Anlagen vor Sabotageakten. Gleich nach dem Blitz ist das Foto in der Bußgeldstelle. F. WEIDELICH

www.robot.de

Von F. Weidelich
Von F. Weidelich

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