Straßengüterverkehr 09.01.2004, 18:28 Uhr

Österreicher lassen die Maut-Euros schon rollen

Pünktlich zum geplanten System-Start am 1. Jänner meldeten sich die kleinen On-board-Geräte mit einem kurzen Piepton bei jedem durchfahrenen Maut-Portal. Sie signalisierten damit den Fahrern von abgabepflichtigen Lkw die korrekt ausgeführte elektronische Maut-Transaktion.

Auf die Mikrowellentechnik ist Verlass: Problemlos verlief in Österreich zum Jahreswechsel der Start des neuen flächendeckenden Mauterhebungssystems für das hochrangige Straßennetz der Alpenrepublik. Während in Deutschland der reguläre Betrieb des satellitengestützten Toll-Collect-Systems noch immer in den Sternen steht und zu Jahresbeginn sogar die Wiedereinführung des bisherigen Euro-Vignettenverfahrens diskutiert wird, um die Fuhrunternehmer für ihren Schwerlastverkehr auf deutschen Autobahnen zur Kasse zu bitten, rollen die Maut-Euros bereits sicher auf das Konto der österreichischen Mautbetreiber. Sie rechnen mit jährlichen Zusatzeinnahmen in Höhe von 600 Mio. € €
Seit dem 1. Januar sorgt Europpass Lkw-Mautsystem, Wien, für die automatisierte Abrechnung der Benutzungsgebühren für alle Fahrzeug über 3,5 t höchstzulässiges Gesamtgewicht. Rund 80 000 Maut-Transaktionen konnten von dem Unternehmen am ersten Tag registriert werden. Doch damit hat das System seine Nagelprobe erst zum Teil bestanden. Denn Marc Zimmermann, Sprecher der österreichischen Autobahngesellschaft Asfinag, rechnet erst nach der ersten Woche mit dem richtigen Härtetest. Wenn nach den Feiertagen der Lkw-Strom wieder anschwillt, sei täglich mit rund 2 Mio. Transaktionen zu rechnen.
Im Durchschnitt zahlen die mautpflichtigen Fahrzeuge – Lkw und Busse, aber auch Wohnmobile über 3,5 t – für jeden gefahrenen Autobahnkilometer 22 Cent. Konkret wird für einen zweiachsigen Lkw 13 Cent/km berechnet, der Betreiber eines dreiachsigen Fahrzeugs zahlt 18 Cent/km und für einen Vierachser 27 Cent/km.
Sorgen bereitet dem österreichischen Mautbetreiber allerdings weniger die Leistungsfähigkeit der Technik als vielmehr die noch schleppend verlaufende Verbreitung der zur automatischen Kontrolle nötigen „Go-Box“, die an der Windschutzscheibe eines jeden mautpflichtigen Fahrzeugs anzubringen ist. Denn von den rund 300 000 ausländischen Fahrzeugen mit Mautpflicht waren nach den Informationen von Europpass zum Jahresbeginn erst knapp 40 % mit der Go-Box ausgerüstet.
Doch ohne diese Box unbemerkt durch das Kontrollsystem zu schlüpfen, ist kaum möglich. Denn laut Europpass konnten am ersten Tag 99 % aller mautpflichtigen Fahrzeuge erfasst werden und 200 Mautpreller habe man erwischt – fünf davon aus dem Ausland.
Das Kontrollsystem funktioniert nach dem DSRC-Konzept (Dedicated Short Range Communikation). Für den Fahrer sind von dem österreichischen Mautsystem zwei wesentliche Komponenten sichtbar: die kleine Go-Box (110x66x27 mm) in seinem Fahrzeug und die auf seiner Strecke zu durchfahrenden Mautportale (insgesamt derzeit 426). Sobald das Fahrzeug in den Kommunikationsbereich der auf den Portalen angebrachten Mikrowellen-Antennen einfährt, findet der Datenaustausch zur Mautabrechnung für die Benutzung des entsprechenden Streckenabschnitts statt.
Die Go-Box kann an rund 220 Vertriebsstellen im In- und Ausland (130 davon haben rund um die Uhr geöffnet) für ein einmaliges Bearbeitungsentgelt von 5 € bezogen werden. Dabei kann zwischen zwei unterschiedlichen Zahlungsarten gewählt werden: Pre-Pay und Post-Pay. Für die Pre-Pay-Variante muss die Go-Box bei der Erstausgabe mit einem Guthaben in Höhe von mindestens 45 € (danach jeweils mindestens 50 €) aufgeladen werden. Bei der Fahrt unter den Portalen hindurch wird dann die entsprechende Maut direkt von der Go-Box abgebucht. Bei der Post-Pay-Variante erhält der Fahrzeughalter regelmäßig im Nachhinein eine Abrechnung über die gefahrenen mautpflichtigen Kilometer.
Für das abgabenpflichtige Schnellstraßennetz gibt es laut dem Mautbetreiber rund 100 stationäre Kontrolleinrichtungen, für die Europpass zuständig ist. Diese werden ergänzt von mobilen Kontrollen durch speziell geschulte uniformierte Asfinag-Mitarbeiter, die mit Blaulichtfahrzeugen ausgestattet sind. Sie dürfen mautpflichtige Fahrzeuge anhalten und bei Verstößen Ersatzmauten bzw. Sicherheitsleistungen erheben oder die Weiterfahrt unterbinden.
Die stationären elektronischen Kontrolleinrichtungen überprüfen alle durchfahrenden Fahrzeuge auf Mautpflicht und korrekter Kategorie-Vorwahl der Go-Box. Bei Unstimmigkeiten wird das Fahrzeug zur Identifizierung fotografiert. Die Daten und Bildinformationen werden in die Kontrollzentrale übermittelt. Je nach Ergebnis der anschließenden Prüfung durch Europpass-Mitarbeiter wird das Bildmaterial gelöscht oder der Fahrzeughalter schriftlich zur Zahlung einer Ersatzmaut aufgefordert. Das System fasst alle nicht bezahlten Mautabschnitte, die innerhalb von 5 h ab der ersten Nichtentrichtung angefallen sind, zu einem Delikt zusammen. So können für ein Fahrzeug ohne Go-Box auch mehrere Delikte anfallen, wenn nicht bezahlte Kontrollabschnitte außerhalb dieses Intervalls liegen.J. SIEBENLIST

Ein Beitrag von:

  • Jürgen Siebenlist

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Kunststofftechnik, Logistik, Verpackungstechnik, Textiltechnik.

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