Verkehr 23.06.2000, 17:25 Uhr

Nachhaltige Mobilität maßgeschneidert

Die Entwicklung von intelligenten Telematiksystemen und die Optimierung verbrauchsarmer Antriebe ist die technische Klammer für die individuelle Mobilität und einen umweltverträglichen Verkehr. Dies verdeutlichte der Fachkongress „Mobilität“ auf dem Weltingenieurtag, den der VDI vom 19. bis 21. Juni in Hannover ausrichtete.

Der Erhalt von individueller Mobilität und umweltverträglichem Verkehr sind keine Gegensätze. Darauf verwiesen internationale Experten am 19. und 20. Juni auf dem Fachkongress „Mobilität“ der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik (FVT) beim Weltingenieurtag in Hannover. „Wir sollten bedenken, dass Mobilität ein wichtiger Wettbewerbsfaktor ist“, auf diese Formel brachte Jean-Martin Folz, Chef des PSA-Konzerns (Peugeot/Citroën) die wirtschaftliche Herausforderung an die Technik im 21. Jahrhundert. Seine Vision: „Die Städte müssen wieder als Aktivitätszentren und Treffpunkte belebt werden.“ Folz sprach von „multimodaler Mobilität“ und meint damit „Koexistenz und Kooperation verschiedener Verkehrsträger wie Auto, Elektrofahrzeuge und Busse, die durch -Informationssysteme miteinander kundenfreundlich vernetzt werden müssen.“ Eine Perspektive, die in den USA die großen Konzerne auf den Plan ruft.
„Wenn Unternehmen wie Microsoft, IBM, Sun, Ford, Toyota und Intel in das Telematikgeschäft einsteigen, ist das ein untrügliches Zeichen für einen großen Wachstumsmarkt“, gibt John Collins, Präsident der Intelligent Transportations Systems-America zu bedenken. Sein Rezept gegen den Stau: „Wir müssen die Menschen zeitnah über die Verkehrssituation informieren und ihnen die Möglichkeit einer vorausschauenden Reiseplanung geben.“ Bei heutigen Navigationshilfen gäbe es jedoch noch Schwachpunkte zu verbessern, so Russel Shields von Ygomi LLC, USA:“Wir müssen weg von den unflexiblen und rasch veraltenden Verkehrsinformationssystemen, die heute noch auf CD-Rom-Datenspeicher angeboten werden. Was wir brauchen, sind neue Möglichkeiten für ein Echtzeit-Updating.“ Zum Fahren werde mehr denn je ein umfassendes Telematikserviceangebot gehören, das vor allem Komfort und Sicherheitsfunktionen umfassen werde. Hier seien jedoch viele integrierbare Lösungen nötig, so Shields.
Mit welchem Zuspruch die Telematik in den Ballungszentren rechnen kann, beschrieb Kenichi Aoyama von der japanischen Polizeibehörde eindrucksvoll: „Um die vielen Verkehrsstaus, Unfälle und die immensen Umweltprobleme in Tokio mit 12 Mio. Einwohnern und seinem 23 000 km langen Straßennetz in den Griff zu bekommen, entwickelten wir ein integrierbares intelligentes System zur Verkehrsführung und -überwachung. Sie können sich kaum vorstellen, mit welchem Enthusiasmus die Telematik hier angenommen wird.“
Doch „das Auto allein ist nicht in der Lage, den Mobilitätsbedarf in den Mega-städten Asiens zu decken“, erinnerte Dr. Shoichiro Toyoda, der legendäre Firmenlenker von Toyota. In den bevölkerungsreichen Ballungszentren müssten sich private und öffentliche Verkehrsträger ergänzen und durch intelligente Systeme miteinander verknüpft werden. „Asien werde zu einem Vorbild für nachhaltige Mobilität werden“, meinte der weltweit hochangesehene Ingenieur.
Freilich lässt sich die optimale Vernetzung der Verkehrsträger nicht von deren Energieeffizienz trennen. Beides läuft auf das Ziel einer nachhaltigen Mobilität hinaus. Alternative Antriebe würden dabei eine wesentliche Rolle spielen, bekräftigte Dr. Michael Franck, Forschungsdirektor bei DaimlerChrysler. „Unser Ziel ist die Markteinführung des ersten serienmäßigen Brennstoffzellen-Autos bis Mitte des Jahrzehnts,“
Detlef Frank, Leiter Wissenschaft und Forschung bei BMW, rechnet dagegen nicht mit dem Brennstoffzellen-Pkw vor 2015. BMW setzte im anbrechenden Erdgaszeitalter auf eine stufenweise Umstellung zu gleichfalls umweltschonenden Antrieben. „Wir sehen im Einsatz von komprimiertem Erdgas einen ersten Schritt in die Wasserstoffwirtschaft. Der Übergang könnte dann mit verflüssigtem Erdgas und schließlich mit Flüssigwasserstoff erfolgen. Diese Vorgehensweise hätte den großen Vorteil einer besser harmonisierbaren Entwicklung in der Fahrzeugtechnik.“
Dass auch mit noch sparsameren und umweltschonenden Dieselantrieben zu rechnen sei, machte der Deutz-Vorstandsvorsitzende Dr. Leopold Mikulic klar: Sie würden in naher Zukunft mit Hochdruckeinspritzung und DeNOx-Katalysator-System ausgerüstet werden, um die strengen Abgasvorschriften zu erfüllen. SvdW/WOP
Jean-Martin Folz, Chef des PSA-Konzerns, will mit „multimodaler Mobilität“ die Städte wieder als Aktivitätszentren und Treffpunkte beleben.
Shoichiro Toyoda, legendärer Unternehmens- Chef von Toyota, meint, dass „Asien zu einem Vor- bild für nachhaltige Mobilität werde“.

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