Vorbild Internet 24.02.2014, 16:02 Uhr

Mit Transportbehältern aus dem Drucker Waren befördern

Daten suchen sich im Internet stets den besten Weg. Jetzt hat die europäische Union ein Projekt angestoßen, das dieses Prinzip auf den Warenverkehr überträgt.

Schnell und effizient: Der Transport realer Güter soll bis 2030 global nach dem Prinzip des Datenverkehrs im Internet funktionieren. Dieses Ziel verfolgen Wissenschaftler aus Graz.

Schnell und effizient: Der Transport realer Güter soll bis 2030 global nach dem Prinzip des Datenverkehrs im Internet funktionieren. Dieses Ziel verfolgen Wissenschaftler aus Graz.

Foto: dpa/Jens Wolf

Manche schreien angeblich vor Glück, wenn das Paket mit den hippen Schuhen eintrifft. Doch wenn der Inhalt ganz anders aussieht als auf den Fotos im Online-Shop gibt es ein böses Erwachen. Dann wandert das Paket zurück zum Absender.

Kaufen per Internet ist in. Das Volumen, das Logistikunternehmen befördern, wächst stetig. Jeder Paketdienst hat sein eigenes Netz. Unzählige Leer- oder auch Doppelfahrten sind nötig, die die Kosten erhöhen und die Umwelt schädigen. Ein Internet der Dinge oder, anders ausgedrückt, ein „Physical Internet“ könnte Abhilfe schaffen. Die Grundidee: Genormte Transportbehälter werden wie Datenpakete auf der jeweils schnellsten und billigsten Route befördert. Das ist das Ziel des Projekts Modulushca, das die Europäische Union in Fahrt gebracht.

Effiziente Güterströme: Im EU-Projekt MODULUSHCA wird das Internet zum Vorbild der weltweiten Logistik.

Effiziente Güterströme: Im EU-Projekt MODULUSHCA wird das Internet zum Vorbild der weltweiten Logistik.

Foto: MODULUSHCA

Forscher am Institut für Technische Logistik der Technischen Universität Graz entwickeln die Transportboxen, die eine Reihe von Anforderungen erfüllen müssen. Sie sollen sich unter anderem recyceln, stapeln und untereinander verbinden lassen.  Auch sollen sie in sämtliche Transportmittel passen, ISO-genormt in verschiedenen Größen nach Bedarf kombinierbar sein, zudem einheitlich gekennzeichnet und schliesslich identifizierbar sein. Der Energieverbrauch bei der Herstellung und damit die CO2-Emissionen sollen minimiert werden.

Einen ersten Prototypen haben die Grazer Wissenschaftler Florian Ehrentraut und Christian Landschützer jetzt präsentiert. Die Einzelteile der Kunststoffbox stammen aus dem 3D-Drucker. Diese Herstellungsmethode ist bei Prototypen, deren endgültige Form oft erst nach vielen Modifikationen feststeht, billiger und Zeit sparender als klassischer Modellbau. Später werden die Boxen dann industriell hergestellt, etwa im Spritzgussverfahren.

Feldtest beginnt im Mai

Der Prototyp wird jetzt sorgfältig getestet. Dabei kommt es auf die Haltbarkeit des Schließmechanismus, den Verschleiß und seine Fähigkeit an, den Inhalt trotz der oft groben Behandlung beim Umladen und Ausliefern optimal zu schützen. Ende Mai 2014 sollen erste Tests im realen Warenumlauf mit bis zu 40 weiterentwickelten Prototypen in zwei verschiedenen Größen beginnen. Transportiert werden Waren eines nicht genannten Konsumgüter-Produzenten.

Transportbehälter aus dem Drucker: Florian Ehrentraut und Christian Landschützer vom Institut für Technische Logistik der TU Graz mit dem ersten

Transportbehälter aus dem Drucker: Florian Ehrentraut und Christian Landschützer vom Institut für Technische Logistik der TU Graz mit dem ersten „physischen“ Beitrag zum Internet der Güter.

Foto: TU Graz

„Die physische, digitale und operative Vernetzung der weltweiten Logistikbranche ist ein Kraftakt“, sagt Landschützer. Notgedrungen lassen sich die Architekten des Internet der Dinge viel Zeit: „Bis 2030 wollen wir das Ziel des globalen physischen Internets aber erreichen“, sagt der Grazer Logistikexperte.

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