Verkehr 23.04.2010, 19:46 Uhr

Maut für Pkw: technische Herausforderung für Toll Collect

Für großenWirbel sorgte letzte Woche der Präsident des Umweltbundesamts, indem er die streckenbezogene Pkw-Maut forderte. So umstritten die Idee, so schwierig scheint die sofortige technische Umsetzung.

Die Idee einer streckenbezogenen Kfz-Maut auf Deutschlands Straßen schwirrt immer wieder durch deutsche Medien. Letzte Woche löste das Umweltbundesamt (UBA) eine erneute Debatte um die Kfz-Maut aus, als es in einer Studie empfahl, ein flächendeckendes Kilometergeld von im Schnitt 6 Cent einzuführen, um 47 Mrd. € Kosten zu decken, die der Autoverkehr verursache, wenn man Umweltschäden mit berücksichtige.

Der Präsident des UBA, Jochen Flasbarth, erklärte: „Die streckenbezogene Maut ist die gerechteste Lösung, weil die Kosten dort bezahlt werden, wo sie entstehen.“ Er erntete Widerspruch von allen politischen Seiten. Bundesverkehrsminister Ramsauer und die Landesverkehrsminister lehnten eine Pkw-Maut ab.

Weitgehend unbeachtet blieb bei der Debatte ein Passus in der Studie, der sich auf die technische Umsetzbarkeit einer flächendeckenden Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen und Bundesstraßen bezieht. Die flächendeckende Maut hält das UBA für nötig, um durch verschiedene Tarife den Verkehr so zu lenken, dass Staus und Belastungen von Anwohnern und Umwelt vermieden werden.

Das UBA plädiert dafür, das satellitengestützte Lkw-Maut-System von Toll Collect auf die rund 45 Mio. Pkw in Deutschland auszuweiten. Das sei jedoch eine hohe technische Herausforderung. Dazu sagte auf Nachfrage der VDI nachrichten der an der Studie beteiligte UBA-Forscher Martin Lambrecht: Zwar seien ihm keine technischen Hindernisse bekannt, aber es sei unklar, in welchem Verhältnis Kosten und Nutzen bei einer Anwendung des Systems auf die Pkw-Maut stünden. Nehme man die von Toll Collect angegebenen Erfassungskosten als Grundlage, würden sie bei 6 Cent/km Pkw-Maut ein Drittel der Einnahmen betragen. Lambrecht: „Es ist aber wahrscheinlich, dass es Skalierungseffekte gibt, die zu einer Verbilligung führen.“

So könnten z. B. die On-Board-Units (OBU), die jedes an der Maut teilnehmende Fahrzeug zur Erfassung der Fahrtrouten per GPS, zur Kalkulation der Gebühren und zur Kommunikation mit einer Gebührenzentrale bräuchte, durch Massenproduktion deutlich günstiger werden. Sie kosten zurzeit etwa 250 €.

Dass Kostensenkungspotenzial vorhanden sei, glaubt auch Toll-Collect-Sprecherin Claudia Steen: Die Betriebskosten des Systems seien durch Verbesserung der Technik innerhalb eines Geschäftsjahres von 13,2 % auf 11,2 % gesunken. Allerdings sei keine seriöse Vorhersage über die Betriebskosten einer satellitengestützten Pkw-Maut möglich. „Wir wissen heute z. B. noch nicht, wie sich die Mobilfunkkosten entwickeln werden“, sagt Steen. Die Daten über die fällige Maut werden per Mobilfunk an die Toll-Collect-Zentrale gesendet.

Außerdem könne die Kontrolle bei einer flächendeckenden Maut nicht auf die gleiche Weise durchgeführt werden wie bei der Lkw-Maut, sagt Lambrecht. Auf den Autobahnen gibt es Mautbrücken, von denen aus automatisch Nummernschilder von Lkw fotografiert und per Infrarot-Signal die Fahrzeugdaten von der OBU ausgelesen werden. Anschließend wird automatisch ermittelt, ob für den Lkw Maut gezahlt wurde. Solche Mautbrücken könnten nicht in jedem Dorf aufgestellt werden.

Es müssten Kontrolleure durch die Lande fahren. Allerdings könnten die OBUs schon ab Werk in den Pkw integriert werden, so dass sie sich nicht ausschalten lassen. Wenn zudem das Manipulieren schwer gemacht werde, sei der Kontrollaufwand gering.

Stellt sich die Frage, ob andere Techniken als die satellitengestützte besser für eine flächendeckende Mauterhebung geeignet sind. In Österreich wird die Lkw-Maut auf Autobahnen und Schnellstraßen mithilfe von Mautbrücken erhoben, die per Mikrowelle mit einer sogenannten Go-Box im Fahrzeug kommunizieren. Den Betriebskostenanteil schätzen Experten deutlich geringer ein als bei der satellitengestützten Maut.

Allerdings: „Eine flächendeckende Mauterhebung wäre mit diesem System unwirtschaftlich“, sagt Markus Friedrich, Inhaber des Lehrstuhls für Verkehrsplanung und Verkehrsleittechnik an der Universität Stuttgart. Denn an jeder mautpflichtigen Straße müssten Mautbrücken aufgebaut werden. Durch die Satellitenortung sei dies beim Toll-Collect-System nicht nötig. CHRISTIAN MEIER

Von Christian Meier
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