Verkehr 14.09.2001, 17:31 Uhr

Maßgeschneiderte Lösungen zur Rettung vor dem Verkehrskollaps

Rund ums Auto entstehen neue Mobilitätsdienste, die den Verkehr mit maßgeschneiderten Informationen flüssig halten. An der Schnittstelle zwischen Elektronik und Informationstechnik sind Mitarbeiter für Forschung und Entwicklung heiß begehrt.

Die deutlich gestiegene Mobilität hat auch Schattenseiten. Vor allem Ballungszentren und Metropolen sind vom Verkehrskollaps bedroht. Sie setzen deshalb verstärkt auf intelligente Telematiklösungen.

Seit drei Jahren entwickelt die mit 160 Mio. DM Bundesmitteln ausgestattete Verkehrsinitiative „Mobilität in Ballungsräumen“ in fünf Modellprojekten neue Informationskonzepte und Leittechniken, um die unterschiedlichen Verkehrsträger besser zu vernetzten. Die Kooperation aus Fahrzeugherstellern, Kommunen, Informationsdienstleistern, Ingenieurbüros und Forschungsinstituten setzt auf situationsangepasste Verkehrsleit- und -navigationssysteme und daran anknüpfbare, neue Online-Informationsdienste. „Moderne Verkehrsmanagementsysteme werden bald auch aktuelle Informationen wie Fahrplanauskünfte und Umsteigemöglichkeiten beim ÖPNV, Reisekostenvergleiche, Carsharing-Angebote, Park-and-Ride-Möglichkeiten, Reisezeitvergleiche, Verkehrslagemeldungen und Veranstaltungsbuchungen anbieten, die über verschiedene elektronische Schnittstellen wie WAP-Handy, Palmtop oder Internet abgerufen werden“, prophezeit Peter Hasberg, Projektleiter bei Stadtinfo Köln.

Als einer der ersten Fahrzeughersteller hat BMW in München im Rahmen der Forschungsinitiative einen Parkassistenten bis zur Praxisreife entwickelt, dessen Leistungen weit über die üblichen Navigationshilfen hinausgehen. Wer etwa einen Einstellplatz in der Innenstadt vorbestellen möchte, kann dies bald mit Hilfe neuer Mobilitätsserver tun. Eine automatische Suchfunktion wählt den jeweiligen örtlichen Dienst an. Das Navigationssystem klinkt sich automatisch etwa in den Kölner Mobilitätsdienst ein und sucht nach Auswahl des Zielgebietes durch den Fahrer nach freien Parkhausstellplätzen. Diese können mit Hilfe eines zugewiesenen Indentifikationscodes oder durch Angabe des Fahrzeugkennzeichens reserviert werden.

„Wir räumen der Telematik als Zukunftstechnologie einen hohen Stellenwert ein. Von insgesamt 90 000 Mitarbeitern sind rund 6000 im Bereich Forschung und Entwicklung tätig,“ sagt BMW-Sprecher Tobias Nickel. 48 Mitarbeiter zählt die unmittelbar am Mobilitätsforschungsprogramm beteiligte Forschergruppe, darunter Ingenieure.

„Die Fragestellungen gehen weit über die rein technischen Aspekte hinaus. Wir haben festgestellt, dass 70 % aller politischen Entscheidungen letztlich die Mobilität von Bürgern und Wirtschaft betreffen. Deshalb ist es notwendig, dass unsere Mitarbeiter solide Kenntnisse aus anderen Fachbereichen mitbringen“, erklärt Nickel. „Wir haben Fachkräfte eingestellt, die über eine Zusatzausbildung etwa in Verkehrs- und Städteplanung verfügen. Auch Mitarbeiter mit Zusatzqualifikationen wie Soziologie haben eine Chance, da sie insbesondere mit statistischen Erhebungstechniken vertraut sind.“

Auch die Ford AG in Köln arbeitet innerhalb der Mobilitätsinitiative an neuartigen Telematikdiensten. Im hauseigenen Forschungszentrum in Aachen ist eine Gruppe von sieben Mitarbeitern, darunter Wirtschaftsingenieure, Elektro- und Nachrichtentechniker, mit dem Projekt beschäftigt. Ziel ist die Entwicklung vernetzbarer Kommunikationssysteme, die verkehrsrelevante Informationen auf einem Multimediabildschirm im Fahrzeug darstellen. Darüber hinaus sollen weiterführende Dienste wie Parkraumabfrage, elektronisches Buchen und Bezahlen im Fahrzeug durch neue Endgeräte möglich werden.

„Obwohl wir dringend Nachrichtentechniker und Informatikspezialisten suchen, können wir nicht alle offenen Stellen besetzen“, sagt Marcos Michaelsen, verantwortlich für den Forschungsbereich Telematik. „Viele Hochschulabsolventen denken bei der Jobsuche vor allem an die Zulieferindustrie. Doch entwickeln zunächst die Automobilhersteller neue, maßgeschneiderte Systeme für die Fahrzeuge.“ Einstiegschancen bieten sich Studenten, die mit einem Praktikum oder einer Diplomarbeit Erfahrungen in Forschung und Entwicklung sammeln.

Die neuen Herausforderungen in der Verkehrstelematik und die steigende Nachfrage von Städten und Gemeinden nach leistungsfähigen Leit- und Informationssystemen haben bereits ihren Niederschlag in einer Vielzahl neuer Jobs gefunden. Davon profitieren auch kleine Unternehmen. Herwig Wulffius, Geschäftsführer der Gevas Software GmbH in München, spricht von einem „Boom“ bei Verkehrssteuerungssystemen. Das Unternehmen ist auf die Softwareentwicklung für adaptive Verkehrssteuerungssysteme spezialisiert und arbeitet im Münchner Modellprojekt „Mobinet“ mit.

Längst steigt auch bei den mittelgroßen Städten die Nachfrage nach flexibel reagierenden Verkehrsmanagementsystemen. Die Berufschancen für den Nachwuchs könnten kaum besser sein. S. VON DER WEIDEN

 

Projekt

Mobilität in Ballungsräumen

Die Entwicklung adaptiver Telematiksysteme ist eines der Hauptziele des Leitprojektes „Mobilität in Ballungsräumen“. Fünf Modellvorhaben sollen die neuen Techniken bis zur Marktreife bringen:

– „Stadtinfo Köln“: Ausbau der Verkehrsleitzentrale zum vielfältig nutzbaren Verkehrsmanagementsystem.

– „Mobinet München“: Optimierung des Innenstadtverkehrs mit Hilfe adaptiver Steuer- und Informationsverfahren.

– „Mobilist Stuttgart“: Elektronische Buchungssysteme für Fahrkarten, Parkplatzreservierung.

– „WayFlow RheinMain“: Aufbau einer Informationsplattform auf der Basis von Multi-Agenten-Systems.

– „Inter-Mobil Dresden“: Entwicklung eines elektronischen Fahrausweises. vdw

Von S. Von Der Weiden
Von S. Von Der Weiden

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