Fahren in der Ruhezeit 05.07.2013, 17:14 Uhr

Lkw lassen sich durch zentrale Stellplätze besser auslasten

Lastwagen sollen künftig zu Treffpunkten fahren und dort von anderen Fahrern übernommen werden. Das verbessert die Auslastung.

Die Auslastung von Lkw könnte erhöht werden, wenn sich mehrere Fahrer einen Laster teilen und die Lkw an zentralen Parkplätzen getauscht würden, meinen Forscher FH Erfurt.

Die Auslastung von Lkw könnte erhöht werden, wenn sich mehrere Fahrer einen Laster teilen und die Lkw an zentralen Parkplätzen getauscht würden, meinen Forscher FH Erfurt.

Foto: dpa-Zentralbild

Die Namensschilder hinter der Windschutzscheibe sind weithin sichtbar. „Simon“ steht da, oder „Anton“. So heißt der jeweilige Fahrer. Er und sein Truck sind eine Einheit, das Führerhaus die – zumindest zweite – Heimat des Fahrers. Doch die Auslastung steigt, wenn sich Simon und Anton den Wagen teilen.

So heimelig wie heutzutage soll es künftig nicht mehr zugehen, wenn es nach Forschern der Fachhochschule Erfurt geht. In einem Forschungsprojekt erarbeiten sie „produktivitäts- und effizienzsteigernder Lösungen zur intelligenten Vernetzung nationaler Ladungsverkehre“ (I-LAN). Durch die enge Bindung von Fahrer und „seinem“ Fahrzeug wird der Truck im Extremfall nur zu weniger als 30 Prozent ausgelastet. Ruhepausen gelten für beide.

Tauschen an zentralen Stellplätzen

Dabei könnte das Fahrzeug doch von einem anderen Fahrer übernommen werden, der ausgeruht ist, meinen die Wissenschaftler des Instituts Verkehr und Raum. Ihnen schwebt ein Netzwerk vor, an dem verschiedene Speditionen beteiligt sind. Jeder Lkw fährt zu einem bestimmten Parkplatz. Dort übernehmen die Fahrer einen anderen Lkw, mit dem sie zurück fahren. Hin- und Rückfahrt sind so ausgelegt, dass kein Trucker seine erlaubte Lenkzeit überschreitet. Übernachtungen in Motels oder der Fahrerkabine werden überflüssig. Jeder kommt täglich heim.

Fahrten von Hamburg nach Mailand oder von Berlin nach London sind dann passé. Jeder hat nur noch einen eingeschränkten Aktionsradius, dessen Grenzen er im Normalfall nicht mehr passieren darf. „Ein Transportauftrag wird dann durch dynamisch installierte Begegnungsverkehre von verschiedenen Teilnehmern des zu entwickelnden Netzwerks getragen“, sagt Professor Matthias Gather, der das Projekt gemeinsam mit seinem Kollegen Sergey Dashkovskiy leitet.

Damit würde auch ein anderes Problem gelöst: Das der fehlenden Parkplätze. Manch ein Fahrer muss die erlaubten Lenkzeiten überschreiten, weil alle Stellplätze besetzt sind. Oft stehen Lkw sogar noch auf den Ausfädelspuren der Raststätten.

Die Produktivität verbessert sich

Gather und Dashkovskiy erwarten eine deutliche Produktivitätssteigerung durch längere Einsatzzeiten jedes Fahrzeugs, eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die effizientere Nutzung der existierenden Infrastruktur sowie mittelfristig eine Verlagerung von Transporten auf umweltverträglichere Verkehrsmittel, vor allem auf die Bahn. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt mit 420 000 Euro.

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