Verkehr 15.12.2000, 17:27 Uhr

Köln will der Mobilität auf die Sprünge helfen

Bus-, Bahn- und der private Pkw-Verkehr sollen gut miteinander vernetzt werden. Im Rahmen von „stadtinfoköln“ wird in der Domstadt am Rhein ein universell nutzbares Verkehrsinformationssystem aufgebaut. Schon bald soll es die verstopften Straßen der viertgrößten Stadt Deutschlands entlasten.

Erste Ergebnisse des Forschungs- und Entwicklungsprojekts „stadt-infoköln“ lassen die Mobilitätsexperten der Domstadt am Rhein hoffen. Die Projektbeteiligten, neben der Stadt auch Industriepartner und Forschungsinstitute, präsentierten Anfang Dezember eine erste Zwischenbilanz des Vorhabens, das vor zwei Jahren als einer der Sieger aus dem vom Bundesforschungsministerium initiierten Wettbewerb „Mobilität in Ballungsräumen“ hervorgegangen war und mit einem Gesamtvolumen von 32 Mio. DM ausgestattet ist.
Die wichtigsten Ziele des Projekts sind, die Grundlagen für ein vernetztes Verkehrsinformations- und Leitsystem zu schaffen, das sowohl dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) als auch dem Individualverkehr zugute kommt. Dabei steht nicht nur eine effiziente Verkehrsführung im Vordergrund. Um die Stadt vom Autoverkehr zu entlasten ist auch an eine bessere Verknüpfung der unterschiedlichen Verkehrsträger wie Auto, Bus, Bahn, Taxi und Fahrrad gedacht. Dazu sollen dem Nutzer aktuelle Verkehrsinformationen und Hinweise über Umsteigemöglichkeiten auf den ÖPNV, freie Park- und Park-and-Ride-Plätze sowie Parkhausstellplätze angeboten werden.
Alle Informationen hierzu werden von einer Leitstelle zentral gesammelt, verarbeitet und aufbereitet. Gedacht ist auch an Online-Informationen zu Verkehrsprognosen, Reisezeitempfehlungen, Reisekostenvergleiche und Angebote für Parkreservierungen sowie Car-Sharing. Diesbezügliche Planungen sehen vor, dass über unterschiedliche elektronische Schnittstellen wie Internet, Handy oder Navigationssysteme die Informationen abgerufen werden können. Über eine Betreibergesellschaft nach dem Modell des Public-Private-Partnership sollen künftig verschiedene Mobilitätsdienste als Service dem Kunden im Abonnement angeboten werden, so Peter Hasberg, Projektleiter von stadtinfoköln.
Vieles davon ist erst Zukunftsmusik. Zunächst haben die Kölner Verkehrsexperten fleißig Daten gesammelt, um möglichst realistische Modelle und treffsichere Wirkanalysen erstellen zu können. Mit Hilfe von Induktionsschleifen wird derzeit auf allen Kölner Hauptstraßen das Verkehrsauf-kommen erfasst. Aus den Daten entwickeln das Institut für Stadtbauwesen der RWTH Aachen und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Köln, dynamische Prognosemodelle zur Mobilitätssteuerung innerorts.
Zugleich wird die Verkehrsbeeinflussung auch praktisch auf einer die Metropole durchschneidenden Hauptverkehrsstraße erprobt. Die per Induktionsschleifen ermittelten aktuellen Reisezeiten von Autos und Bussen werden miteinander verglichen und über Tafeln den Verkehrsteilnehmern angezeigt. „Auf diese Weise wollen wir möglichst viele Autofahrer zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel animieren“, erläutert Hasberg. Zahlen, die eine konkrete Wirkung der Maßnahme auf die Autofahrer belegen würden, nannte er jedoch nicht.
Ein weiterer Baustein zur Erweiterung des städtischen Verkehrsmanagementsystems bildet die zur Zeit vorgenommene Vernetzung aller Parkscheinautomaten in der Kölner Innenstadt. Auf diese Weise will die Stadt nicht nur den Betrieb der Automaten fernkontrollieren, sondern kann auch die aktuelle Auslastung mit Fahrzeugen realistisch abschätzen. Da in die Hochrechnung auch die übermittelte Stellplatzauslastung in den meisten Parkhäusern der Innenstadt eingehen wird, lasse sich eine ganzheitliche Betrachtung des ruhenden Verkehrs erzielen, so der Projektleiter.
Die Informationen laufen mit aktuellen Reiseinformationen und Störungsmeldungen des ÖPNV in einer zentralen Datenbank zusammen. Sie dient als Basis für den Aufbau eines Internetportals, an dem die Stadt gemeinsam mit dem Karlsruher Unternehmen PTV Planung Transport Verkehr arbeitet. Über diese Schnittstelle werden künftig alle Verkehrsinformationen in Form individueller Dienste abrufbar sein. Mit dem öffentlichen Auftritt des Infoservers wird im kommenden Jahr gerechnet. Dann sollen außer einer detaillierten Fahrtroutenplanung mit Hilfe eines geografischen Informationssystems auch konkrete Hinweise auf Park- und Umsteigemöglichkeiten auf den ÖPNV im Kölner Stadtgebiet angeboten werden.
Die Mobilitätsdienstleistun-gen soll der Kunde freilich nicht nur über PC, Radio und Videotext empfangen können. Sie werden künftig auch mit dem Mobiltelefon, RDS-TMC- oder -DAB-Autoradio und per Navigationsgerät zu erhalten sein. Für diese Schnittstellen zeichnen im stadtinfoköln-Projekt die Unter-nehmen BMW, Bosch und Ford verant-wortlich.
Wie die mobile Zukunft in der City mit dem Auto aussehen könnte, demonstrierte BMW schon einmal vorab mit einem Versuchsfahrzeug. Auf Knopfdruck klinkt sich das Navigationssystem in das Kölner Verkehrsleit- und Informationssystem ein. Nach der Auswahl des Zielgebietes übermittelt der Service-Provider die in Frage kommenden Parkhäuser, unter denen der Fahrer dann auswählt. Auch kann er einen Stellplatz für einen bestimmten Zeitpunkt reservieren, zu dem ihn dann das Navigationssystem zügig geleitet. Über die Angabe des Fahrzeugkennzeichens oder über die Vergabe einer Nutzer-Feststellung bei der Reservierung ist eine schnelle und komfortable Identifikation an der Einfahrt des Parkhauses möglich. „Variotafeln“ leiten den Fahrer bis zu seinem reservierten Stellplatz. Beim Verlassen des Parkhauses erfolgt schließlich die bargeldlose Abrechnung der Parkgebühren über den Service-Provider. SILVIA VON DER WEIDEN/WOP
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Von Silvia Von Der Weiden/Wolfgang Pester
Von Silvia Von Der Weiden/Wolfgang Pester

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