Bahn 19.09.2008, 19:37 Uhr

Im Schienenfahrzeugbau wird künftig nach DIN geklebt  

Während für das Schweißen von sicherheitsrelevanten Bauteilen eine entsprechende Qualifikation vorzuweisen ist, konnte bislang jeder zur Klebepistole greifen und Bauteile miteinander verkleben. Dies wird sich zumindest für den Schienenbereich bald ändern. Nach dem Willen des Eisenbahn-Bundesamtes muss das Klebpersonal der Schienenfahrzeughersteller demnächst eine anerkannte klebtechnische Qualifizierung nachweisen.

Dieses Gütesiegel wird von den bisher einzigen vom EBA anerkannten Prüfstellen – dem IFAM in Bremen und der Technologiezentrum Kleben GmbH (TC-Kleben) in Übach-Palenberg – ausgestellt. Die Grundidee hinter der DIN-Norm 6701 erläuterte Niermann: „Ist ein Unternehmen an dem Gütesiegel interessiert, begutachten wir vor Ort die Konstruktions- und Fertigungsabläufe, die Räumlichkeiten und die Logistik. Weiterhin testen wir in Fachgesprächen das Wissen des Personals. Ist die Qualität gewährleistet, verleihen wir dem Betrieb die Zulassung für drei Jahre.“ Nach Ablauf von eineinhalb Jahren erfolge eine Zwischenprüfung, bevor der Betrieb nach Ablauf von drei Jahren eine neue Zulassung für die kommenden drei Jahre beantragen kann.

„Die Klebtechnik hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten rasant entwickelt. Industrie und Forschung sehen deshalb immer stärker die Notwendigkeit, das vorhandene Wissen zusammenzutragen“, bestätigte Prof. Andreas Groß, Leiter des Klebtechnischen Zentrums am IFAM. Auf dieser Basis seien dann gemeinsame Standards festzulegen, die für maximale Qualität und Sicherheit bürgen sollen. Dabei sei es kein Zufall, dass der deutsche Schienenfahrzeugbau bei der Normung eine Vorreiterrolle spielt. „Zusammen mit der Automobil- und der Luftfahrtbranche ist er einer der größten Anwender der Klebtechnik. Von den 2,5 Mio. t Klebstoff, die in den westeuropäischen Ländern jährlich verbraucht werden, entfallen 24 % auf Deutschland. Mehr als die Hälfte davon wird im Transportbereich eingesetzt“, erläuterte der Wissenschaftler.

Auch nach Aussage von Julian Band, Geschäftsführer der TC-Kleben, ist die Klebtechnik eine der führenden Zukunftstechnologien: „Repräsentative Umfragen in der deutschen Industrie haben gezeigt, dass der Klebstofftechnik das größte Entwicklungspotenzial unter den Fügetechniken eingeräumt wird. Viele moderne Werkstoffe wie etwa Keramiken oder faserverstärkte Kunststoffe lassen sich durch Kleben fügen.“

Neue Produkte entstehen nach seiner Ansicht meist nur dann, wenn auch neue Werkstoffe eingesetzt werden. Diese aber benötigten geeignete Fügeverfahren. Band: „Schweißen eignet sich für klassische Stähle – bei höherfesten wird es bereits schwierig. Nieten und Schrauben produzieren Spannungsspitzen. Sie eignen sich deshalb nicht für dünne Fügeteile. Mit dem Kleben dagegen kann ich nahezu beliebige Werkstoffe fügen.“

Als weiteres Beispiel nannte der Klebeexperte den Windkraftanlagenbau. Momentan werden die Rotoren in den Aufnahmen meist noch mit Schrauben befestigt. Dieses Fügeverfahren lässt sich durch Klebungen zumindest unterstützen. Das Kleben erlaubt eine gleichmäßige Kräfteeinleitung. Daraus resultieren eine größere Tragfähigkeit und eine höhere Lebensdauer. Doch auch Band sieht es als problematisch an, dass bislang quasi jeder Kleben darf. „Zumindest wenn es um sicherheitsrelevante Klebungen geht, ist es zwingend erforderlich, dass die Anwender das entsprechende Know-how haben. Dafür muss der Erwerb eines Gütesiegels verbindlich vorgeschrieben sein“, forderte der Experte. R. MÜLLER-WONDORF/KIP

Ein Beitrag von:

  • Dietmar Kippels

    Redakteur VDI nachrichten im Ressort Produktion. Fachthemen: Maschinenbau, CAD, Lasertechnik

  • Rolf Müller-Wondorf

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