Verkehr 15.06.2007, 19:28 Uhr

Hilfe, wenn“s im Ausland kracht  

Beim Urlaub im Ausland in einen Unfall verwickelt zu sein. Sprachprobleme und die Unkenntnis der jeweiligen Landesgesetze können die Schadenabwicklung schnell zum Abenteuer werden lassen. Aber es gibt auch Hilfen.

Rund 150 000 deutsche Autofahrer sind jährlich in einen Verkehrsunfall im Ausland verwickelt. Für sie gilt dann das Recht des Landes, in dem dieser Unfall geschah. Andere Länder, andere Sitten, heißt es bekanntlich. Auch wenn innerhalb der Europäischen Union inzwischen vieles vereinheitlich wurde, bei Verkehrsunfällen im Ausland trifft dies nur auf die Abwicklung zu, nicht aber für den eigentlichen Schadensersatz. Selbst die Frage, ob ein Autofahrer für verursachte Schäden überhaupt haftet, ist unterschiedlich geregelt. In Belgien setzt die Haftung nur Verschulden voraus, in den meisten anderen Ländern gilt hingegen die weitreichendere Gefährdungshaftung, wonach im Prinzip schon das Autofahren an sich als Tatbestand ausreicht. In einigen Ländern wie etwa Frankreich oder die Niederlande haftet der Autofahrer selbst dann, wenn der Unfall aus Fehlern besonders schwacher Verkehrsteilnehmer (z. B. Kinder, Ältere, Behinderte) resultiert.

Ist ein Deutscher im Ausland schuldlos in einen Autounfall verwickelt, dann muss er wissen, dass dort der Schadensersatz meistens geringer ausfällt als in Deutschland. So werden die Reparaturkosten oft nur auf Basis des „einheimischen“ Preisniveaus übernommen (wie in Dänemark): Kein Problem, wenn man eine Werkstatt im Urlaubsland nutzt, aber man zahlt zu, wenn das Auto erst nach dem Urlaub in Deutschland repariert wird. Gezahlt wird auch nur nach Vorlage der Rechnung, nicht jedoch auf Basis eines Gutachtens. Die Kosten für einen Gutachter werden vielfach nur anerkannt, wenn der Versicherer oder ein Gericht diesen beauftragt hat. In Spanien werden Gutachterkosten generell nicht ersetzt. Die Aufwendungen für einen Mietwagen werden in einigen Ländern ausschließlich ersetzt, wenn das Fahrzeug beruflich zwingend erforderlich ist und keine öffentlichen Verkehrsmittel genutzt werden können (z. B. Belgien, Polen oder Portugal). Auch bei der Wertminderung hat der deutsche Geschädigte zuweilen das Nachsehen.

Wer im Schadensfall nicht auf den Kosten, die sich aus den unterschiedlichen Entschädigungsusancen ergeben, sitzen bleiben will, kann bei den großen Versicherern – wie Allianz oder HUK-Coburg – eine „Auslandsschutzdifferenzversicherung“ abschließen. Geht es nur um die Schäden am eigenen PKW, dann springt gegebenenfalls auch die eigene Kaskoversicherung ein. „Beinhaltet die gegnerische Haftpflichtversicherung eine sehr geringe Deckungssumme, reicht diese bei Personenschäden oder sehr hohen Sachschäden oft nicht aus. In diesem Fall, oder wenn zu erwarten ist, dass die Klärung der Schuldfrage bzw. die Regulierung des Schadens lange dauern wird, sollte die Vollkaskoversicherung in Anspruch genommen werden“, rät die R + V Versicherung. Das geht allerdings zulasten der eigenen Prämie, weil der Kaskoversicherte zurückgestuft wird.

Einfacher ist hingegen die Schadensregulierung. Mit der europaweiten Umsetzung der „Vierten Kraftfahrthaftpflicht-Richtlinie“ seien die Erfahrungen mit der Abwicklung „recht gut“, berichtet Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Dank dieser EU-Richtlinie kann der Schaden auch nach dem Urlaub, wenn man wieder im eigenen Land ist, geregelt werden. Die Versicherer haben nämlich europaweit „Regulierungsstellen“ eingerichtet, denen das Unfallgeschehen gemeldet und Ansprüche gestellt werden können. Wer in Deutschland der zuständige Schadensregulierungsbeauftragte des ausländischen Haftpflichtversicherers ist, erfährt man beim Zentralruf der Autoversicherer in Hamburg. Diese Einrichtung kann auch den zuständigen ausländischen Versicherer anhand des Kennzeichens ermitteln. Wer den Schaden noch im Ausland regulieren will, kann sich für ein kleines Entgelt an die Büros der Grünen Karte wenden, die es europaweit gibt. Das Deutsche Büro Grüne Karte wird zwar nicht für im Ausland eingetretene Schadensfälle tätig, vermittelt aber Kontakte zu den zuständigen Dependancen im Ausland.

Mit dem „Europäischen Unfallbericht“ kann der Unfallhergang beschrieben und die eigenen Ansprüche ausreichend gesichert werden. Dieses Formular gibt es in allen europäischen Sprachen und ist jeweils gleich aufgebaut, so dass jeder der Beteiligten in seiner Muttersprache den Unfallhergang schildern kann. „Der Europäische Unfallbericht kann im Schadensfall goldwert sein“, meint eine Sprecherin des Deutschen Büros Grüne Karte. Dieses Formular wird von vielen Behörden und Versicherungen als Beweismittel anerkannt. In einigen Ländern, wie etwa in Frankreich, werden reine Sachschäden von der Polizei nicht aufgenommen, sondern obliegen den Beteiligten. Bei der Schadensschilderung, die auf dem Formular an sich kein Schuldeingeständnis darstellt, ist Obacht geboten: Zuweilen ist der Europäische Unfallbericht nämlich die unverrückbare Basis für Gerichtsverfahren.

Klappt es mit der Schadensregulierung nicht, dann springt der Hamburger Verein Verkehrsopferhilfe (Tel. 040/30180-0) ein. Er ist die Entschädigungsstelle für die Fälle, in denen der ausländische Versicherer keinen Schadensregulierungsbeauftragten in Deutschland hat, sich der Unfallgegner oder der Haftpflichtversicherer nicht innerhalb von zwei Monaten ermitteln lässt oder der ausländische Haftpflichtversicherer bzw. sein Beauftragter nicht innerhalb von drei Monaten auf die Geltendmachung von Entschädigungsleistungen reagieren. M. LIER

  • Monika Lier

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