Fahrrad-Industrie wehrt sich 02.11.2013, 07:29 Uhr

Hersteller protestieren gegen Pedelec-Test der Stiftung Warentest

Die Fahrradhersteller wehren sich: 17 Pedelecs prüfte die Stiftung Warentest, neun erhielten die Note Mangelhaft. Die Industrie zieht jetzt die Testmethoden der renommierten Verbraucherschutzorganisation in Zweifel. Drei Hersteller haben nun die Ergebnisse ihrer eigenen Tests präsentiert.

Kenntnisse der Elektrotechnik sind jetzt auch in den Fahrrad-Werkstätten gefragt.

Kenntnisse der Elektrotechnik sind jetzt auch in den Fahrrad-Werkstätten gefragt.

Foto: www.flyer.ch

Es hat eine Weile gedauert, bis die Fahrrad-Hersteller an die Öffentlichkeit gingen. Bereits Ende Mai veröffentlichte die Stiftung Warentest ihre Testergebnisse zu Pedelecs – das sind Fahrräder mit „eingebautem Rückenwind“, bei denen ein Hilfsmotor die Bewegungen des Fahrers unterstützt. Gebrochene Lenker und Rahmen, schlechte Bremsen sowie elektrische Antriebssysteme, die elektromagnetische Strahlen aussenden, waren laut Stiftung Warentest für die schlechten Testergebnisse verantwortlich.

Dagegen wurden sofort Proteste aus der Fahrradbranche laut. „Die von der StiWa angewendeten Festigkeitsprüfungen von Bauteilen unterscheiden sich grundsätzlich von den Anforderungen der einschlägigen europäischen Normen. Aus diesem Grund sind die Ergebnisse der StiWa für die Industrie in vielen Punkten nicht nachvollziehbar und spiegeln, nach den uns vorliegenden Erkenntnissen, das Verhalten dieser Produkte in der Nutzung nicht wieder“ hieß es beispielsweise beim Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Im Klartext: Die Stiftung Warentest prüft anders als andere Prüfinstitute und legt auch nicht die verpflichtenden Normen zugrunde.

Fehlerhafte Versuche und realitätsferne Belastung

Jetzt präsentieren drei Hersteller – die Schweizer Firma Biketec, Bosch eBike Systems und Derby Cycle – zusammen mit dem ZIV die Ergebnisse ihrer eigenen Tests. Die bestätigen die Zweifel der Industrie am Pedelec-Test der Verbraucherschützer. Ihre Vorwürfe an die Stiftung Warentest: fehlerhafte Versuchsanordnungen und realitätsferne Belastungsannahmen. Außerdem seien die Ergebnisse verantwortungslos interpretiert und medial aufbereitet worden.

Aufsehen in der Fachwelt erregte besonders das Mangelhaft für den C-Flyer des Schweizer Herstellers Biketec. Biketec gilt als Pionier bei den Pedelecs und als besonders qualitätsbewusst. „Riss am linken Ausfallende“ hatte die Stiftung Warentest als Grund für die schlechte Benotung angegeben. Bei den bisher verkauften C-Flyern gab es aber keine Reklamationen aus diesem Grund. „Unsere Händler verkauften das betroffene Modell C-Flyer mittlerweile rund 4.000 mal, einen Rahmenbruch hat es noch nie gegeben”, sagt Wolfram Hartmann, Vorstand des Händlerverbunds Feine Räder.

Hersteller machten eigene Tests

Biketec nahm nach der Veröffentlichung der Testergebnisse eigene Untersuchungen vor und versuchte, die Prüfung der Stiftung Warentest nachzustellen. Außerdem wurden erneut Messungen in der Fahrrealität vorgenommen. Nach Angaben des Herstellers wurde dabei deutlich, dass die Testanordnung der Stiftung Warentest weder qualitativ noch quantitativ die Realität abbilde. „Die Einspannung des Rahmens gemäß StiWa ist völlig ungeeignet, um praxisrelevante Erkenntnisse zu gewinnen und die aus dem Test abgeleiteten Aussagen (und somit auch Vergleiche von Produkten verschiedener Anbieter) sind fachlich unhaltbar“, lautet das Biketec-Fazit.

In einem gemeinsamen Statement der drei Hersteller heißt es: „Stiftung Warentest und ADAC bezeichnen das Ergebnis des Pedelec-Tests als ‚katastrophal‘. Unsere Ergebnisse lassen dagegen eher auf einen ‚katastrophalen‘ Testaufbau und ebenso ‚katastrophale‘ Interpretationen durch die Beteiligten schließen.“ Die Verbraucher seien unnötig nachhaltig verunsichert worden und bei Fahrradherstellern und Händlern seien existenzbedrohende Schäden in Millionenhöhe entstanden. „Dieser Verantwortung müssen sich die Stiftung und der ADAC jetzt und in Zukunft stellen“, fordern die Vertreter von Biketec, Bosch und Derby Cycle. 

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