Brennstoffzellenbus 26.08.2011, 12:08 Uhr

Hamburger Hochbahn setzt auf Nachhaltigkeit

Die Hansestadt Hamburg setzt auf Nachhaltigkeit in Umweltbelangen. Und das seit Langem, egal welche Couleur die Regierung hat. Die Weltpremiere des neuesten Brennstoffzellenbusses mit Hybridtechnik im Linienverkehr der Hamburger Hochbahn ist dafür ein Beleg. Das Verkehrsunternehmen nimmt bis Ende des Jahres vier Mercedes-Benz Citaro FuelCell-Hybrid in den Liniendienst, drei weitere Elektrobusse folgen 2012.

Weltpremiere in Hamburg auf dem traditionellen St. Pauli-Fischmarkt. Der erste Elektrobus mit Wasserstoff-Brennstoffzellen als Stromlieferant und Hybridtechnik zum effizienten Energieeinsatz rollt am 17. August zur Premierenfeier an – fast geräuschlos. 14:12 Uhr. Etwas laut zischend öffnen sich die druckluftbetriebenen Türen für Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz in  Begleitung von Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Günter Elste, Chef der Hamburger Hochbahn, und Helmut Schick, Leiter Daimler Buses.

Elektrisch, leise und schadstofffrei war die kurze Fahrt vom Rathaus zum Fischmarkt mit dem Mercedes-Benz Citaro FuelCell-Hybrid – und hat den Ersten Bürgermeister überzeugt. Scholz sagte, dass Hamburg mit der Elektromobilität Flagge zeigt. „Mit den neuen Brennstoffzellen-Hybridbussen baut Hamburg seine Spitzenposition in Sachen Neuer öffentlicher Nahverkehr weiter aus. – Wir wollen das modernste Bussystem in Europa schaffen.“

Für Bomba ist der Einsatz der derzeit nachhaltigsten Bustechnik „ein Quantensprung und sieht Hamburg in Deutschland als Vorreiter“.

Hamburger Hochbahn will ab 2020 nur noch Busse mit Elektroantrieb einsetzen

Die serienreifen Busse für max. 76 Passagiere und rd. 250 km Reichweite werden von zwei Radnabenelektromotoren (je 60 kW) angetrieben, den Strom dafür liefern zwei Brennstoffzelleneinheiten mit jeweils 396 Zellen, die von sieben Tanks (350 bar 1435 l 35 kg H2) mit Wasserstoffgas versorgt werden, die Energiespeicherung übernimmt eine 27-kWh-Lithium-Ionen-Akkueinheit. Daimler Buses hat neben den Bestellungen von sieben Citaro FuelCell-Hybrid für Hamburg auch die Order von fünf Einheiten für Aarau (Schweiz), zwei für Karlsruhe, drei für Mailand (Italien) und eine Option aus Stuttgart für drei Linienbusse.

Für Hochbahn-Chef Elste wird in spätestens 25 Jahren der Dieselkraftstoff zu knapp und zu teuer sein, um damit Busse anzutreiben. „Deshalb ist es das Ziel der Hochbahn, ab dem kommenden Jahrzehnt nur noch emissionsfreie Busse mit elektrischem Antrieb anzuschaffen. Die Inbetriebnahme dieser neuen Busgeneration ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Elektromobilität.“

Parallel zur Praxiserprobung der Brennstoffzellen-Hybridbusse fahren fünf serielle Dieselhybridbusse im Linienbetrieb der Hochbahn – ebenfalls Daimler Buses –, um den Weg zur vollständig elektrisch betriebenen Busflotte zu untersuchen. Elste geht davon aus, „dass der dieselelektrische Bus zum Standard im öffentlichen Personennahverkehr wird. Durch die steigenden Stückzahlen wird eine deutliche Kostendegression erreicht. Dies dürfte auch bei der Brennstoffzelle zu erwarten sein. Dann könnte diese mittelfristig den Dieselmotor in den Bussen ersetzen. Wenn dann noch der Wasserstoff aus Windenergie in Schwachlastzeiten produziert wird, haben wir die emissionsfreie Mobilität der Zukunft erreicht.“

Hamburger Hochbahn macht sich mit Nachhaltigkeitkonzept in ganz Europa einen Namen

Die Hamburger Vorreiterrolle von Anfang an auf diesem Gebiet betonte Daimler-Buses-Leiter Schick – seit 1997 mit dem ersten „Nebus“-Prototypen im Linieneinsatz. Die Hochbahn habe sich bei diesen Erprobungen in ganz Europa einen Namen gemacht und zuletzt bis zu neun Brennstoffzellenbusse betrieben – und ihre Fahrgäste sowie die Fahrer waren begeistert.

Bei derart langen Projektzeiten wechseln politische Zuständigkeiten und Ziele. Doch egal von welcher Couleur, die Regierung der Hansestadt Hamburg setzte und setzt auf Nachhaltigkeit in Umweltbelangen. Deshalb dankte Schick den politisch Verantwortlichen „für die Förderung dieser Zukunftsentwicklung und – Herr Bomba und Herr Scholz – eine solche Entwicklung braucht langen Atem und tatkräftige Paten.“

Die Erprobung der Wasserstoff-Brennstoffzellen-Hybridbusse wird durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) gefördert. Das Projekt ist Bestandteil der Clean Energy Partnership (CEP), einer Initiative von derzeit 15 Industrieunternehmen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Wasserstoff als Kraftstoff zu etablieren.

Von Wolfgang Pester

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