Neue Bremssohlen 08.07.2013, 10:45 Uhr

Grünes Licht für die leisere Güterbahn

Mit der europaweiten Zulassung der seit zwei Jahren eingehend getesteten „LL-Bremssohlen“ kann eine umfassende Verminderung des Lärms von Güterzügen beginnen. Einen symbolischen Startschuss gab es kürzlich in Berlin.

Glatte Laufflächen reduzieren den Lärm: Durch den Einsatz von neuen Bremssohlen-Typen sollen künftig die Laufgeräuschen von Güterzügen reduziert werden.

Glatte Laufflächen reduzieren den Lärm: Durch den Einsatz von neuen Bremssohlen-Typen sollen künftig die Laufgeräuschen von Güterzügen reduziert werden.

Foto: DB System

„Wir, die Deutsche Bahn und das Verkehrsministerium, haben uns zum Ziel gesetzt, den Schienenlärm, ausgehend vom Jahr 2000, bis 2020 zu halbieren“, erklärte Bahn-Chef Rüdiger Grube Ende Juni zu Beginn der Umrüstung des ersten Güterwagens von DB Schenker Rail auf LL-Bremssohlen in der Werkstatt Berlin-Grunewald. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ergänzte, nach 2020 würden laute Güterwagen nicht mehr auf das deutsche Netz gelassen.

Das hohe Vorbeifahrgeräusch von Güterzügen entsteht vor allem durch raue Oberflächen von Rädern und Schienen.

Gefühlte Lautstärke halbiert

Während die Schienen durch zeitgerechtes Schleifen schon heute glatt gehalten werden, rauen die bisher üblichen Grauguß-Bremsklötze die Laufflächen der Räder nach wie vor auf. Das soll mit den neuen LL-Sohlen („Low noise, Low friction“ – wenig Lärm, niedriger Abrieb) ein Ende haben. „Mit glatten Rädern auf glatten Schienen werden die Geräusche nachhaltig um bis zu zehn Dezibel geringer, was subjektiv als nur noch halb so laut empfunden wird“, so ein Bahnsprecher.

Dieses Ziel ist mit dem grünen Licht für die LL-Sohle freilich noch lange nicht erreicht. Zwar können die alten Graugußsohlen bei ohnehin nötigen Instandhaltungsarbeiten nun einfach gegen LL-Sohlen getauscht werden. Dabei wird auch festgestellt, ob die Radlaufflächen noch hinreichend glatt sind sonst werden sie bei dieser Gelegenheit abgedreht. Die Kosten für die Umrüstung auf LL-Sohlen liegen je Wagen im Schnitt bei 1700  €. Allerdings steigen danach die Betriebskosten, weil die LL-Sohlen wie auch die Räder höherem Verschleiß unterliegen.

Bund übernimmt keine Folgekosten

Die Begeisterung der Wagenhalter, auf LL-Sohlen überzugehen, hält sich deshalb in Grenzen. In Deutschland übernimmt der Bund bis 2020 zwar die Kosten der Umrüstung, nicht jedoch die Folgekosten im Betrieb. Im Raum steht die Forderung, auch diese Kosten in die Förderung einzubeziehen, um die LL-Sohlen schneller zum Zug kommen zu lassen, aber auch, um die Wettbewerbsfähigkeit des Schienengüterverkehrs nicht weiter zu beeinträchtigen.

Für laute Züge ist seit 1. Juni ein Zuschlag auf den Preis für die Streckenbenutzung fällig, für leise gibt es einen Bonus und damit einen zusätzlichen Anreiz zur Umrüstung.

Experten schätzen, dass die Lärmminderung erst wahrnehmbar wird, wenn mindestens 80 % der Wagen eines Güterzugs mit den neuen Bremssohlen unterwegs sind. In Deutschland müssen dafür rund 180 000 Wagen umgerüstet werden, je etwa 60 000 bei DB Schenker Rail, bei den Privatwagen-Gesellschaften sowie bei ausländischen Bahnen mit nennenswerten Laufleistungen auf deutschen Strecken.

Ab 2020 Verbote für laute Güterwagen zu erwarten

DB Schenker Rail, die Güterbahn der DB, will 5000 ihrer Wagen bis Ende 2014 auf LL-Sohle umgerüstet haben. Zusammen mit schon vorhandenen und neuen Wagen werden dann insgesamt über 14 000 leise Güterwagen zur Verfügung stehen. Danach sollen vor allem Wagenbauarten umgerüstet werden, die überwiegend in Ganzzügen mit gleichbleibender Zusammensetzung fahren, sodass die geringere Geräuschentwicklung voll zur Geltung kommt.

Sollten die Anreize zur Umrüstung nicht ausreichen, sind ab 2020 Verbote für laute Güterwagen zu erwarten. In der Schweiz sind sie bereits beschlossen: Um die Akzeptanz des Schienengüterverkehrs sicherzustellen, seien wirksame Maßnahmen gegen den Bahnlärm unabdingbar. 

Von Ralf Roman Rossberg Tags:

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