Verkehr 23.07.1999, 17:22 Uhr

Flensburg-Füssen: Tunnel am Ende der Autobahn

Am 25. Juli wird zwischen dem Endstück der Allgäu-Autobahn und der österreichischen Fernpaßstraße der Grenztunnel eingeweiht. Das fast 1,3 km lange Bauwerk hat zwar nur eine Röhre, verfügt aber über ein aufwendiges Sicherheits- und Brandschutzkonzept .

Der jetzt bei Füssen in Betrieb gehende Grenztunnel, der unter anderem über einen Fluchtstollen und Ventilatoren mit automatischen Brandprogrammen verfügt, ist das Kernstück einer lange heftig umstrittenen Lücke am Ende einer der wichtigsten Autobahnen Deutschlands. Das einröhrige Bauwerk verknüpft die deutsche Bundesfernstraße A 7 (Flensburg-Füssen) mit der österreichischen Fernpaß-Straße, die in südlicher Richtung zur Inntal- und Brennerautobahn führt. Drei Jahre und neun Monate dauerte der Bau des Tunnels. Die Idee jedoch ist mehr als 30 Jahre alt.
Wer bislang auf der Autobahn A 7 aus Richtung Ulm nach Österreich fahren wollte, für den war die – zumindest zügige – Fahrt kurz vor Füssen zu Ende: Abrupt endete die Autobahn bei Nesselwang, und der Durchgangsverkehr wurde durch diese vielzitierte Ortschaft oder über eine sogenannte „Ableitungsstrecke“, eine Kreisstraße (Straße unterster Ordnung), durch andere Dörfer und Gemeinden geleitet, bis schließlich auf österreichischer Seite die Fernpaß-Straße erreicht war. Für Autofahrer, aber besonders für die Bewohner der betroffenen Ortschaften war dieser Zustand – ausgelöst durch den immer wieder verhinderten Weiterbau der A 7 – kaum noch haltbar.
Jetzt wird der Verkehr vom Autobahnende der A 7 über eine neue Anschlußstrecke direkt in den neuen, insgesamt 1284 m langen einröhrigen Tunnel mit zwei Fahrstreifen geleitet und ohne weitere Behinderungen nach Österreich geführt. Der deutsch-österreichische Grenzübergang befindet sich in Fahrtrichtung Süden nach etwa drei Vierteln der Tunnelstrecke.
Die Planung für den Grenztunnel ist allerdings nicht erst jüngeren Datums, denn bereits in den 60er Jahren gab es erste Überlegungen, zur Entlastung des grenzüberschreitenden Verkehrs einen Tunnel zu bauen. Dennoch sollten noch mehr als 20 Jahre vergehen, bis alle rechtlichen und verwaltungstechnischen Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt waren und endlich mit Planung und Bau begonnen werden konnte.
932 m des Grenztunnels befinden sich auf deutschem, 352 m auf österreichischem Staatsgebiet. Im Normalbetrieb wird der Tunnel einspurig in jeder Fahrtrichtung mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h befahren. Die Fahrbahn setzt sich aus zwei Fahrstreifen von je 3,75 m und zwei Randstreifen von je 0,5 m zusammen. Die Fahrbahnbreite zwischen den 15 cm hohen Bordsteinen beträgt somit fast 8,50 m. Beiderseits der Fahrbahnen befinden sich Notgehwege mit einer Breite von 1 m. Die Lichtraumhöhe beträgt im Bereich des Fahrraumes 4,7 m. Aus Gründen der Haltbarkeit, wie auch zum Zweck der besseren Sichtbarkeit wurde die Fahrbahndecke aus hellem Zementbeton hergestellt.
Jeweils auf Höhe eines Tunnel-Drittels befinden sich alternierend die beiden Pannenbuchten Nord und Süd mit einem rund 40 m langen Abstellstreifen. Gleichzeitig dienen diese Pannenbuchten als Wendemöglichkeit für Pkw und Kleinlaster. Von der Pannenbucht Nord führt ein 434 m langer Fluchtstollen rund 40 m westlich des Nordportals ins Freie. Dabei ist der Querschnitt des Fluchtweges so bemessen, daß hier auch kleinere Rettungsfahrzeuge fahren können.
Für einen möglichen Brandfall ist der Tunnel mit einer ständig unter Druck stehenden, frostgeschützten Löschwasserleitung ausgestattet. Die Einspeisung erfolgt aus dem öffentlichen Netz mit mindestens 6 bar Druck. Damit genügende Mengen Löschwasser zur Verfügung stehen, habe man den der Speicherinhalt des städtischen Hochbehälters auf Kosten der Bundesstraßenverwaltung verdoppelt, erläutert die Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Inneren.
Zur Belüftung im Fahr- und Fluchttunnel sind in rund 300 m Entfernung zu den beiden Portalen je zwei Strahlventilatoren installiert, deren Strömungsrichtung – so die Salzburger Montagefirma Technische-Anlagen-Gesellschaft – sich umkehren läßt. Im Normalbetrieb werde die Lüftung in Abhängigkeit von der jeweils vorherrschenden Strömungsrichtung, dem CO-Gehalt und der Lufttrübung automatisch gesteuert, teilt Ventilatorenbauer Witt & Sohn in Pinneberg mit. Im Brandfall dagegen würden je nach Brandort automatische Brandprogramme aktiv.
Ein Eingriff in die Lüftersteuerung von Hand sei sowohl über alle Bedienplätze der Leittechnik wie auch über ein Notbedienfeld im Betriebsgebäude Nord möglich, versichert die bayerische Baubehörde. Durch ein Öffnen der Fluchttüre in der Pannenbucht Nord werde mit eigenen Lüftern automatisch ein Überdruck gegen die Verrauchung des Fluchtstollens erzeugt und gleichzeitig eine Meldung zur Tunnelwarte abgesetzt.
Nicht zuletzt dem Brandschutz dienen auch die im Tunnel installierten Lichtsignalanlagen und Wechselverkehrszeichen. Mit ihrer Hilfe könnten die beiden Fahrbahnen in jeweils drei Abschnitten oder ganz gesperrt, oder im Wechselverkehr betrieben werden, erklärt die Autobahndirektion Südbayern. Es stünden hierfür 20 verschiedene Verkehrsprogramme zur Verfügung, die entweder von allen Bedienplätzen der Leittechnik oder von den Handsteuerkästen an den Signalanlagen angewählt werden könnten. Bei Brandalarm, Überschreitung der Grenzwerte für CO oder Lufttrübung sowie bei einer zu großen Fahrzeugkonzentration im Tunnel erfolge eine automatische Vollsperrung.
Von der Tunnelwarte in der Autobahnmeisterei Memmingen kann der gesamte Tunnel wie auch die Vorportalbereiche durch eine Fernsehanlage mit zwölf Kameras überwacht werden Diese Kameras schalten sich automatisch ein, wenn im Tunnel ein Alarm ausgelöst wird.
Überdies befinden sich im Tunnel im Abstand von 120 m bis 150 m auf der Westseite (in den Pannenbuchten beidseitig) insgesamt zwölf mit zusätzlichen Türen gesicherte Notrufnischen. Diese Schutzräume sind zum einen mit einem Handfeuermelder und jeweils zwei Handfeuerlöscher ausgestattet. Zusätzlich wurden an den Tunnelportalen jeweils beidseitig Notrufsäulen aufgestellt. Sowohl die von hier abgesetzten Meldungen, wie auch eine Entnahme von Feuerlöschern im Inneren des Tunnels wird automatisch unter Angabe des jeweiligen Standortes an die Autobahnmeisterei MemmIngen geleitet.
Wenn sich auch, bedingt durch die Tunnelkatastrophen der jüngsten Zeit bei den meisten Autofahrern im Tunnel ein ungutes Gefühl einschleicht, dürfte diese Angst – zumindest im neuen Grenztunnel bei Füssen – unbegründet sein, versichert die Autobahndirektion. Denn Dank ausgeklügelter Sicherheitstechnik sei hier alles getan worden, damit Fahrzeuge wie Insassen genauso heil und unversehrt den Tunnel wieder verlassen könnten, wie sie in ihn hinein gefahren sind.
TORSTEN HANSEN
Einröhriger Grenztunnel: Die Fahrbahn erreicht eine Breite von rund 8,5 m. Tunneleingang Nord: Der Verkehr wird vom Autobahnende der A 7 über eine neue Anschlußstrecke direkt in die Röhre (hinten) geleitet.
Allgäu-Autobahn: Von 1985 an endete die Bundesfernstraße A 7 bei Nesselwang. Erst 1997 wurde die Verlängerung fertig, jetzt der Grenztunnel.
Protestierende Anwohner: Erst nach 20 Jahren Baustopp ging der Bau hinter Nesselwang weiter.

Ein Beitrag von:

  • Torsten Hansen

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