Verkehr 07.08.2009, 19:42 Uhr

Europäische Eisenbahnagentur spielt bei der Sicherheit mit dem Feuer  

Entgleist bei der Bahn Gefahrgut, kann es zur Katastrophe kommen. Das zeigte das Flammeninferno in Viareggio mit 26 Toten. Entgleisungsdetektoren sollen derartige Unglücke ab 2011 verhindern. Aber ausgerechnet die zuständige EU-Agentur ERA erklärte dies jetzt für unnütz. VDI nachrichten, Düsseldorf, 7. 8. 09, wop

Jedes Jahr entstehen in Europa durch entgleiste Güterwagen allein an Gleisen Schäden von rund 200 Mio. € . Auch das ließe sich durch Ausrüstung der Wagen mit den Entgleisungsdetektoren signifikant vermindern: „Dieser volkswirtschaftliche Schaden wird von der Politik ignoriert“, erklärte Manfred Walter, Bereichsleiter Innovation bei Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge. Die Netzgesellschaften müssten die Kosten tragen.

Eine Unfallserie in den 1990er-Jahren in der Schweiz gab dort den Anlass zur Entwicklung des Entgleisungsdetektors. Der folgenschwerste ereignete sich am 8. März 1994: Ein Wagen rollte kilometerweit neben den Schienen, bevor vier Kesselwagen in Zürich-Affoltern entgleisten und sich auslaufendes Benzin entzündete. Der Schaden durch das Großfeuer in dem Vorort Zürichs war enorm.

OerlikonKnorr Eisenbahntechnik (OKE), eine Tochter der Knorr-Bremse, München, entwickelte daraufhin einen Detektor, der das „Rumpeln“ einer entgleisten Achse über Schwellen und Schotter erkennt und sofort eine Bremsung auslöst. Seit 2006 steht der zuverlässige Entgleisungsdetektor zur Verfügung.

Mit dem neuen Entgleisungsdetektor wurden in der Schweiz mehr als 600 Kesselwagen ausgerüstet. Wie zum Beweis für dessen Unverzichtbarkeit, kam es im Bahnhof Cornaux im März 2006 zur „Feuertaufe“: Ein Zug mit entgleisten Benzin-Kesselwagen kam dank des vorhandenen Detektors sofort und gerade noch vor einem Bahnsteig voller Menschen zum Stehen.

Der Ausschuss zur „Regelung der internationalen Beförderung gefährlicher Güter im Schienenverkehr“ (RID) wollte die Entgleisungsdetektoren für sämtliche Kesselwagen auf der Schiene vorschreiben. Der Verhandlungskompromiss mit den Wagenhaltern und den Verkehrsunternehmen sah das schließlich nur für neue Wagen und besonders gefährliche Güter ab 2011 vor. Doch die ERA erklärte die RID-Vorgabe jetzt für unnütz.

Eine Reaktion auf die Intervention des Bundesverkehrsministeriums Deutschlands und des Eisenbahn-Bundesamtes seitens der ERA steht noch aus. R. ROSSBERG/W. PESTER

Von R. Rossberg/W. Pester
Von R. Rossberg/W. Pester

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